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Besser arbeiten Was Unternehmen von Agenturen lernen können

Autor / Redakteur: Bernhard Probst* / Clara Hartmann

Agenturen sind nicht nur für ihre Kreativität, sondern auch für ihre Flexibilität bekannt. Tatsächlich bedingt das eine das andere. Was viele Unternehmen aus anderen Branchen nicht ahnen: Beides lässt sich lernen. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt.

Ein aufgeräumter Schreibtisch kann uns produktiver und fokussierter machen. Aber wie werden wir kreativer? Ein Blick in die Agenturwelt verrät Ansätze.
Ein aufgeräumter Schreibtisch kann uns produktiver und fokussierter machen. Aber wie werden wir kreativer? Ein Blick in die Agenturwelt verrät Ansätze.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Mix it, Baby!

„Das liegt bei uns in der Stabsstelle“ – ein Satz, den Sie aus Agenturen niemals hören werden. Nicht nur, weil es dort keine Stabsstellen gibt. Sondern auch, weil Teams regelmäßig neu zusammengestellt werden. Die Auftragslage in Agenturen ist häufig bunt gemischt. Unterschiedliche Branchen treffen auf eine Vielzahl von verschiedenen Anforderungen. Bei festen Kundinnen und Kunden holt sich die Kontaktperson diejenigen ins Team, die die beste Qualifikation für genau diesen Auftrag mit sich bringt. Bei neuen Anfragen werden die Teams von vornherein nach Schwerpunkten und Erfahrungen zusammengestellt. In Agenturen geht der Einsatz nach Stärken – und nicht nach Position. Das garantiert die besten Ideen und den meisten Spaß, denn bekanntlich geht uns auch leichter von der Hand, was uns ohnehin schon liegt.

Unser Tipp:
Denken Sie weniger in Abteilungen, sondern mehr in Menschen. Interdisziplinäre Teams sind besonders leistungsstark, wenn es darum geht, neue Ideen zu entwickeln. Immerhin muss das Rad ja nicht immer neu erfunden werden.

Think out of the box!

Gedanklich mal so richtig die Sau rauslassen: Das ist in Kreativagenturen ausdrücklich gewünscht. Jede Idee, sei sie auch noch so verrückt oder abwegig, ist per se erst einmal eine gute Idee. Was so willkürlich klingt, erfordert in der Realität regelrechte Disziplin. Denn der Respekt vor dem Gedankengut der anderen will auch erst einmal gelernt werden. Das Resultat lohnt sich: Wenn alle ihre Ideen frei aussprechen dürfen, ohne dafür belächelt oder kritisiert zu werden, können die Gedanken erst so recht strömen. Das gilt bei Digitalagenturen übrigens ebenso. Geht nicht, gibt’s nicht bewahrheitet sich hier immer wieder aufs Neue. Oder woher kommen all die neuen Apps, Animationen und anderen Gimmicks auf unseren Geräten?

Unser Tipp:
Kreativität muss sich entfalten können. Geben Sie dem Begriff des Brainstormings seine wahre Bedeutung wieder, und Sie werden sehen: Die Gedanken werden so richtig durchgepustet und neu geordnet, wenn alle ungefiltert und ohne Angst vor beschränkenden Kommentaren ihre Ideen teilen dürfen.

Auf die Freiheit!

Auf freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sogenannte Freelancer, zurückzugreifen, ist bei Agenturen an der Tagesordnung. Anders sind viele Aufgabenstellungen auch gar nicht zu lösen. Ganz davon abgesehen, dass hier häufig in Projekten gearbeitet wird, so dass Festanstellungen weder organisatorisch noch wirtschaftlich darstellbar sind. Die Zusammenarbeit mit Freelancern hat aber noch weitere Vorteile. So holen Agenturen sich nämlich genau die Spezialisierung ins Haus, die sie im konkreten Fall benötigen. Abgesehen davon macht sich das temporäre Einschalten von freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch auf der Payroll bemerkbar: Ihre Honorare sind zwar in der Regel höher als das Gehalt einer Angestellten oder eines Angestellten. Dafür fallen jedoch auch keine Lohnnebenkosten an. Was dennoch einkalkuliert werden muss, sind die Beiträge zur Künstlersozialkasse, die in kreativen Berufen unabhängig von der Frage, ob der/die FreelancerIn dort versichert ist, anfallen.

Unser Tipp:
Schauen Sie genau hin: In welchen Bereichen lohnt sich in Ihrer Branche, temporär jemanden von extern dazu zu holen? Denken Sie dabei nicht nur an die klassische Unternehmensberatung, sondern auch an Experten aus bestimmten Nischen, die Ihnen helfen können.

Digitalisiert Euch!

Kaum eine andere Branche war zu Beginn der COVID-19-Pandemie schneller im Home Office als die Kreativbranche. Kein Wunder: Die Digitalisierung ist hier grundsätzlich weiter fortgeschritten als in anderen Bereichen. Durch das Zusammenarbeiten in interdisziplinären Teams, die häufig auch an anderen Standorten sitzen, sind Videokonferenzen und der Austausch über Tools wie Slack oder Basecamp ohnehin vertraut. Auch das Arbeiten am Laptop ist in Agenturen keine Seltenheit, so dass dieses hier schneller und einfacher unter den Arm geklemmt und nach Hause genommen werden konnte. Eine Grundlage, die dazu führte, dass viele Agenturen völlig unverändert einsatzbereit waren. Die Art der Einsätze hat sich allerdings geändert. Denn das Format vieler Maßnahmen muss ebenfalls ins Digitale verlegt werden. Social Media-Kampagnen statt Print-Beilagen, Online-Messen statt Präsenz-Veranstaltungen – hier wird auch in den kommenden Monaten noch viel Kreativität im Dienst der Kundinnen und Kunden von den Profis verlangt.

Unser Tipp:
Auch wenn der Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mittlerweile ins Büro zurückgekehrt sein sollte: Arbeiten Sie weiter am Ausbau Ihrer Digitalisierung. Es verleiht Ihnen auch in Zukunft deutlich mehr Flexibilität. Befragen Sie dazu auch Ihre Belegschaft, wo sie Verbesserungspotenzial sieht. Letztlich sind es Ihr Team, das die Strukturen umsetzt, da sollte es diese auch mitgestalten.

Agiles Arbeiten!

OK, ein Buzzword, wie es im Buche steht. Und natürlich sind agile Arbeitsweisen auch schon längst in Unternehmen jeder Couleur angekommen. Doch wird auch der Sinn dahinter immer klar? Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Agenturen sind es beispielsweise gewohnt, in Sprints zu arbeiten und den Kunden in einzelne Schritte mit einzubeziehen. Denn anders ist eine Kampagne nicht zu meistern. Doch leuchtet die Arbeitsweise zwingend auch Teams außerhalb der Agentur- oder Start-up-Welt ein? Es ist zu hoffen. Denn Buzzword ja oder nein – die Herangehensweise des agilen Arbeitens ist durchaus sinnvoll, denn sie ermöglicht durch das Arbeiten in Teilabschnitten und durch regelmäßige Feedbackrunden, auf Veränderungen schnell reagieren zu können. Auch das hohe Maß an Kundenzentrierung und Förderung des eigenständigen Arbeitens zahlen auf diese Karte ein.

Unser Tipp:
Sie müssen nicht gleich alles auf Scrum & Co. umstellen. Aber es lohnt sich, auch nur Grundbegriffe agiler Arbeitsmethoden näher zu betrachten und einzelne Komponenten davon insbesondere bei Projekten anzuwenden. Der erste Schritt dafür kann sein, ein eigenes, interdisziplinäresTeam aufzustellen.

*Bernhard Probst ist Geschäftsführer von kleinkariert.

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