Kommentar: Führung ist Nonsens Wie aus Kampf und Mühe endlich Freude und Leichtigkeit werden

Autor / Redakteur: Christoph Döhlemann* / Viviane Krauss

Wir müssen Menschen anleiten! Wir müssen Mitarbeiter führen! Darin sind sich Führungskräfte einig und Unternehmen ähnlich. Deshalb schauen Organisation und Struktur bei vielen auffallend gleich aus. So falsch kann man also gar nicht liegen, oder?

Wachstum ist nur möglich, wenn wir bereit sind, mit zukunftsorientierten Methoden (uns selbst) zu führen und so die Wirkung als Team, als Ganzes zu steigern.
Wachstum ist nur möglich, wenn wir bereit sind, mit zukunftsorientierten Methoden (uns selbst) zu führen und so die Wirkung als Team, als Ganzes zu steigern.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Die Vereinheitlichung vermittelt, wenn auch nur vermeintlich, Sicherheit und gibt dem Vorgehen zumindest ansatzweise recht. Ansatzweise deshalb, weil in den Details doch mit verschiedenen Führungsinstrumenten und -methoden immer wieder versucht wurde und wird, das Ganze etwas zu „entschärfen“.

Wo ist die Quellenergie geblieben?

Bei einer modernen Führung geht es nicht um Bindung, sondern um echte Verbundenheit. Die Performance im Team und damit die erhoffte Wertschöpfung kommt von Wertschätzung. Diese entsteht durch Sinnhaftigkeit! Indem Mitarbeiter das Warum erkennen, mit dem sie sich identifizieren können. Und von sich aus verbinden wollen. Wirkt die sogenannte Quellenergie stark im Unternehmen, folgt die Umsetzung. Noch besser, sie geschieht und entwickelt sich: ganz von selbst, von innen heraus, durch das Miteinander, mit Freude und Leichtigkeit.

Führung ist Nonsens!

Wirklich? Ja! Und ich kann diese für viele „dreiste“ Behauptung begründen. Führen bedeutet in vielen Fällen und ist auch in den Köpfen zahlreicher Führungskräfte verbunden mit Kampf, Mühe und Überwindung. Es ist oft der krampfhafte Versuch, Menschen zu ändern, sie in ein System zu pressen. Klassische Führung kommt aus der Steinzeit des Unternehmertums. Umso erstaunlicher ist es, wie tief dieses alte Vorbild – nämlich das Militär – nach wie vor im Umgang zwischen und mit Menschen verankert ist.

Entwicklungschancen? Leider vertan!

Im Laufe der Jahre sollte Führung ein Stück weit zeitgemäßer werden. So weit, so gut – oder auch nicht! Denn das hieß nichts anderes als: Wir beziehen die Mitarbeiter mit ein. Wir bilden Kreativzirkel. Wir integrieren alle Beteiligten. Wenn die Absicht auch gut war, die Wirklichkeit zeigte ein anderes Bild: Meist war es eher ein So-tun-als-ob sie mitgestalten können. Im Kern der Sache blieb es bei Unternehmen häufig weiterhin bei dem veralteten Menschenbild: Wir müssen Vorgaben machen. Und das Ganze außerdem sehr kleinteilig: Arbeitsanleitungen, Verfahrensanweisungen und vieles mehr. Und dazu verteilen wir Macht im Unternehmen. Das füttert das Ego und den Status. Und schon ist die Karotte gemäß dem Möhren-Prinzip vor die Nase gespannt und soll den Nächsten motivieren, einen Schritt weiterzukommen.

Die Fußfesseln endlich sprengen

Allein der Begriff „Mitarbeiterbindung“, der in vielen Unternehmen nach wie vor verwendet wird, sagt einiges aus: Wir müssen die Mitarbeiter binden. Wir müssen Sie festhalten. Warum? Möglicherweise laufen sie sonst weg. Natürlich! Und das vollkommen zu Recht! Denn wer lässt sich schon gerne herumkommandieren und das auch noch mit einer Fußfessel oder einem Maulkorb? Ich weiß, das klingt dramatisch. Und zum Glück haben viele Unternehmen und Manager inzwischen erkannt: Das ist nicht mehr zeitgemäß – wenn es das jemals war. Und das kann es auch nicht sein, was uns in eine erfolgreiche Zukunft – im wahrsten Sinn des Wortes – führt!

Intuitive Führung

Nicht nur manchmal, sondern immer öfter müssen wir das Alte hinter uns lassen. Wer andere Wege gehen will, muss allerdings selbst in der Lage sein, neue Zusammenhänge zu erkennen. Und auch Mitarbeitern ermöglichen, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Im Kontext einer sich ständig wandelnden Arbeitswelt und Gesellschaft betrifft dies in erster Linie den Umgang mit sich selbst als wesentliche Basis für den Umgang mit anderen Menschen. Ein tiefes Wissen über uns UND andere erlaubt uns einen positiv-wirksameren Umgang in zwischenmenschlichen Beziehungen und eine effizientere Führung. Das tiefe Verständnis unterschiedlicher Charaktertypen sorgt für persönliche und unternehmerische Entwicklungschancen – zum Besten des Ganzen.

Eines muss uns klar sein, wenn wir Führung neugestalten wollen (und letztendlich auch müssen): Wachstum ist nur möglich, wenn wir bereit sind, uns von innen heraus zu stärken, mit zukunftsorientierten Methoden (uns selbst) zu führen und so die Wirkung als Team, als Ganzes zu steigern. Allerdings haben wir uns längst so an den Kampf und die permanenten Anstrengungen gewöhnt, dass eine gefühlte Leere entsteht, wenn es keine Probleme, keinen Ärger mehr gibt. Die berechtigte Frage lautet: Lassen wir selbst und lässt unser Umfeld überhaupt eine Veränderung zu?

*Christoph Döhlemann ist Unternehmer und Initiator des QUANT-Modells.

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