Datenbrillen, Drohnen und Co.

Wie wird die Digitalisierung die Logistik verändern?

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Sehr selten werden bislang autonome Fahrzeuge (Einsatz: 2 Prozent, Planung: 4 Prozent), selbstlernende Maschinen (Einsatz: 2 Prozent, Planung 2 Prozent) und Drohnen (Einsatz: 0 Prozent, Planung: 2 Prozent) in die Logistikprozesse einbezogen. „Wenn man die Zukunftsszenarien, von denen die Unternehmen überzeugt sind, mit dem heutigen Einsatz und den konkreten Planungen vergleicht, dann ist das ein Warnsignal. Wer damit rechnet, dass Zukunftstechnologien wie Drohnen, selbstlernende Systeme oder Datenbrillen bereits in zehn Jahren die Logistik bestimmen werden, der muss dafür heute die Weichen stellen und mit den Lösungen zumindest experimentieren“, so Rohleder.

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Wettbewerbsvorteile durch neue Anwendungen

Auch bei den digitalen Anwendungen sind vor allem Standardlösungen weit verbreitet, etwa elektronische Rechnungen (Einsatz: 72 Prozent, Planung: 15 Prozent) und Warehouse Management Systeme (Einsatz: 69 Prozent, Planung: 10 Prozent). Cloud Computing setzen 35 Prozent der Unternehmen in der Logistik ein, 25 Prozent planen es. Big-Data-Anwendungen nutzen erst 19 Prozent, aber 26 Prozent bereiten den Einsatz vor. Dagegen sind neue Anwendungen noch kaum verbreitet: Nur 6 Prozent nutzen Lösungen zur vorausschauenden Wartung, lediglich 6 Prozent planen dies. Selbstlernende Software wird in 5 Prozent der Unternehmen in der Logistik eingesetzt, 6 Prozent sind in der Planungsphase. Und gerade einmal 2 Prozent nutzen Blockchain-Technologie, weitere 3 Prozent bereiten sich darauf vor. Rohleder: „Unternehmen, die heute auf Artificial Intelligence oder Blockchain setzen, können einen deutlichen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern bekommen. Es muss darum gehen, das entsprechende Know-how ins eigene Unternehmen zu bekommen und dort zu halten.“

Digitale Hubs

Nach Ansicht des Bitkom ist es dazu entscheidend, den Austausch zwischen etablierten Unternehmen und Global Playern in der Logistik mit Mittelständlern und Start-ups zu forcieren. In zwei Digitalen Hubs zur Logistik sollen in Hamburg und Dortmund zudem Forschungseinrichtungen und Hochschulen sowie Investoren zusammenkommen, um ganz konkret Logistikprobleme der Zukunft mit digitalen Technologien zu lösen. In Hamburg liegt der Schwerpunkt dabei auf maritimen Logistikketten und der City-Logistik, in Dortmund auf der Intralogistik und dem Internet of Things (IoT) für die Logistik.

Während der Startschuss für den Digital Hub Logistics in Hamburg bereits gemeinsam vom Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch, der Logistik-Initiative Hamburg sowie potenziellen Partnerunternehmen gegegen wurde, geht es beim Digital Hub Logistics in Dortmund noch vor dem Sommer los. Hier können bereits heute interessierte Unternehmen verschiedene Technologien in der Praxis testen, zum Beispiel Drohnen in der Lagerhalle, Virtual-Reality-Anwendungen für die Logistik oder 3D-Druck.

„Mit den Digitalen Hubs sorgen wir dafür, dass in den deutschen Leitindustrien, zu denen die Logistik gehört, die digitale Transformation nicht nur gelingt, sondern sie gestaltet und vorangebracht wird“, sagt Rohleder. „Wir wollen im Bereich der Logistik mit Deutschland auch in Zukunft weltweiter Leitanbieter von Lösungen und Technologien bleiben.“ Damit das gelingt, müssen aus Bitkom-Sicht neben den digitalen Hubs auch entsprechende Rahmenbedingungen entwickelt werden. Mit Blick auf die Bundestagswahl fordert Bitkom einen Rechtsrahmen, der den Einsatz von autonomen Fahrzeugen und Drohnen in der Logistik ermöglicht. Darüber hinaus sollten öffentliche Daten in Form von Open Data für Logistik-Anwendungen zur Verfügung gestellt werden, etwa Verkehrs- oder Wetterdaten. Zudem muss angesichts der bevorstehenden Veränderungen die Digitalkompetenz der Beschäftigten in der Logistik verbessert werden. Dazu ist neben einer Anpassung der Ausbildungsberufe eine Unterstützung der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter notwendig.

Zur Methodik

Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 508 Unternehmen ab 50 Mitarbeitern mit Logistikprozessen aus allen Branchen befragt.

Über Bitkom

Bitkom vertritt mehr als 2.400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, davon gut 1.600 Direktmitglieder. Sie erzielen mit 700.000 Beschäftigten jährlich Inlandsumsätze von 140 Milliarden Euro und stehen für Exporte von weiteren 50 Milliarden Euro. Zu den Mitgliedern zählen 1.000 Mittelständler, 300 Start-ups und nahezu alle Global Player. Sie bieten Software, IT-Services, Telekommunikations- oder Internetdienste an, stellen Hardware oder Consumer Electronics her, sind im Bereich der digitalen Medien oder der Netzwirtschaft tätig oder in anderer Weise Teil der digitalen Wirtschaft. 78 Prozent der Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland, jeweils 9 Prozent kommen aus Europa und den USA, 4 Prozent aus anderen Regionen. Bitkom setzt sich insbesondere für eine innovative Wirtschaftspolitik, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine zukunftsorientierte Netzpolitik ein.

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