Experteninterview Content Revolution? Wie ChatGPT in der B2B Content Erstellung neue Türen öffnet

Das Gespräch führte Moritz Ollmert 6 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Viele Marketer fürchten, dass ihnen Künstliche Intelligenz (KI) in Sachen Content den Rang abläuft. Warum diese Sorge unbegründet ist und wie KI-Tools im Arbeitsalltag unterstützen, verrät Klaus-Peter Grave, Chief Marketing Officer bei Smart CJM GmbH, im Interview.

KI-gestützte Tools wie beispielsweise ChatGPT öffnen in der Content Erstellung neue Türen.(Bild:  frei lizenziert / Unsplash)
KI-gestützte Tools wie beispielsweise ChatGPT öffnen in der Content Erstellung neue Türen.
(Bild: frei lizenziert / Unsplash)

Seit seiner Einführung erfreut sich das Tool ChatGPT, insbesondere im Marketing, zunehmender Beliebtheit. Die Idee, schnell passgenaue Inhalte ohne eigenes Schreiben zu erhalten, klingt verlockend. Allerdings sind dafür einige Voraussetzungen notwendig. Wer mithilfe von KI guten Content generieren möchte, muss auch beim Input auf hohe Qualität achten.

Doch wie lässt sich dieses Vorhaben in der Praxis umsetzen? Welche Punkte müssen berücksichtigt werden? Im Interview verrät uns marconomy Experte Klaus-Peter Grave, wie er das Tool einsetzt.

Interview mit einem Experten

Wir haben dazu mit Klaus-Peter Greve, Chief Marketing Officer bei Smart CJM GmbH, gesprochen. In dem Unternehmen, das sich mit Branchenlösungen für das Management von Kunden- und Patientenströmen beschäftigt, konnte er bereits umfangreiche Erfahrungen mit dem Einsatz von KI in der Content Erstellung sammeln.

marconomy: Wofür konkret kann ChatGPT im Marketing eingesetzt werden?

Klaus-Peter Grave: Der Fokus liegt eindeutig auf der Erstellung von Inhalten. Das ist meine bevorzugte Methode. Insbesondere im Bereich B2B Marketing, wo in der Regel kleinere Teams arbeiten. Effizienz ist hier also ein wichtiger Faktor. Ich nutze das Tool regelmäßig bei der Erstellung von Landingpages. Wenn ich eine Landingpage zu einem bestimmten Thema erstelle und ChatGPT mit Informationen füttere, erhalte ich einen sehr guten Output, den ich hervorragend nutzen kann. ChatGPT ist für mich eine Art Assistent. Wenn ich diesen Assistenten gut instruiere, erhalte ich Ergebnisse, die ich für Kampagnen, Landingpages oder andere Themen optimal nutzen kann.

Das bedeutet, der gut formulierte Prompt ist entscheidend.

Grave: Natürlich. Perfekte Ergebnisse als Antwort auf eine beliebige Eingabe zu erwarten, ist nicht zielführend. Denn das würde bedeuten, dass wir Marketer völlig ersetzbar wären. Es wäre so, als würde man sagen, ich muss nur eine Maschine füttern und die Ergebnisse kommen automatisch. Damit die Ergebnisse aber tatsächlich gut werden, ist es unerlässlich, dass ich meine Anfrage genau präzisiere und vor allem auch Iterationen durchführe. Das erste Ergebnis ist selten zur sofortigen Verwendung geeignet. Aber das Schöne ist, dass durch diesen Dialog, der im Grunde genommen mit einer Maschine stattfindet, eine Verbesserung erzielt wird. Wenn ich meine Erfahrungen einbeziehe und insbesondere den Fokus auf Buyer Persona und Customer Journey richte, kann ich einen Output generieren, der so gut ist, dass wir ihn für unsere Kommunikation nutzen können.

Die Ergebnisse von ChatGPT sind dadurch doch auch eine gute Basis für Inspiration, um eigenen Content weiterzuentwickeln, oder?

Grave: Das Tool liefert brauchbare Ideen und ist besonders hilfreich, um Themen zu generieren. Zum Beispiel hatte ich im Rahmen einer Veranstaltung die Aufgabe, eine Podiumsdiskussion mit Inhalt zu füllen. Das Tool bot mir Anregungen, um daraus eine sinnvolle thematische Struktur zu erarbeiten. Klar, sie sind noch nicht vollständig ausformuliert, aber sie enthalten Aspekte, die mir zuvor vielleicht nicht bewusst waren.

Das waren jetzt bisher alles Vorteile. Gibt es auch Punkte, an denen das Tool noch nicht wirklich weiterhelfen kann?

Grave: Ich habe mich an der Bildgenerierung versucht, muss aber leider sagen, dass es nicht sehr erfolgreich war. Einerseits waren die Ergebnisse, die ich erhielt, absolut ungenau, was zwar amüsant, aber auch frustrierend war. Und zum anderen ist natürlich das Thema der Bildrechte. Das war – sorry für die Wortwahl – munter „zusammengeklaut“ von ChatGPT. Und ich respektiere da ganz klar die Rechte am eigenen Bild. Dahinter stecken Fotografen und Agenturen, die entsprechend Arbeitsleistung investiert haben, um diese Inhalte auf die Beine zu stellen. Außerdem war mir die Umsetzung zu bunt und zu schrill.

Auch in diesem Bereich wird sich das Tool weiterentwickeln, jedoch steht es momentan nicht an erster Stelle meiner Prioritätenliste. Ich habe bereits verschiedene Tools ausprobiert, darunter auch Midjourney, welches bereits etwas besser läuft. Aber auch hier werden meine Ansprüche nicht vollständig erfüllt. Denn insbesondere in Bezug auf die Kommunikation ist die visuelle Darstellung ein Aushängeschild des Unternehmens nach außen. Es sollte daher exakt zur Marke und dem Corporate Design passen. Ich denke, dafür sind noch einige Entwicklungsstufen erforderlich.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Bringt ChatGPT auch in der Internationalisierung einen Vorteil, beispielsweise bei der Generierung von mehrsprachigen Inhalten?

Grave: Definitiv. Ein Beispiel: Wir haben eine Messe in Kuala Lumpur mit unseren Partnern geplant. Dabei arbeiten wir mit einem Unternehmen zusammen, dessen Lösung wir in unsere Systeme integriert haben. Es gibt hier also drei Parteien, die an der Umsetzung beteiligt sind: Das Unternehmen, dessen Lösung wir nutzen, der Vertriebspartner und wir selbst. Wenn wir hier jetzt beispielsweise eine Webseite auf Englisch bauen, ist es an sich schon anspruchsvoll, dass alle Parteien sich in den Texten wiederfinden. Gleichzeitig benötigen wir eine klare Ausrichtung auf den lokalen Markt und eine hervorragende sprachliche Qualität. ChatGPT unterstützt uns wesentlich bei einer internationalen Präsenz. Früher habe ich oft andere Lösungen zur Übersetzung genutzt. Allerdings wird zunehmend deutlich, dass auch die Übersetzungsfunktion bei ChatGPT immer besser wird. Der Output weist bereits einen guten Sprachlevel auf.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Bezug auf ChatGPT sind Ethik und Datenschutz. Welche Maßnahmen sollten Unternehmen hier ergreifen?

Grave: Es wäre am besten, wenn das Unternehmen eine einheitliche Policy für die gesamte Firma entwickelt, die klare Regeln für die Mitarbeiter enthält. Diese Regeln sollten deutlich aufzeigen, was aufgrund der aktuellen Bestimmungen und Gesetze erlaubt ist und was nicht. Transparenz bildet eine solide Basis im Umgang mit dieser Angelegenheit. Grundsätzlich kann nicht sichergestellt werden, wo genau die mit ChatGPT verarbeiteten Informationen landen. Deshalb sollte beispielsweise eine Regelung getroffen werden, die sowohl die Verwendung von Kundendaten als auch anderen sensitiven Inhalten untersagt. Ein weiteres großes Thema, welches ich bereits im Zusammenhang mit den Bildern angesprochen habe, sind die Nutzungsrechte und Urheberschaft. Es ist wichtig, bei der Arbeit mit KI-Tools stets Beides im Blick zu behalten. Durch das Festlegen einer klaren Vereinbarung können alle Beteiligten sicher mit dieser Thematik umgehen.

Wie sieht es denn mit der Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten aus?

Grave: Wenn ich ehrlich bin, machen wir das aktuell noch nicht. Wir haben das mit ein paar Kollegen diskutiert. Im Grunde ist ChatGPT – Stand jetzt – ein Hilfsmittel, das ich briefe und dessen Ergebnisse ich noch einmal prüfe und bearbeite. Dadurch steckt weiterhin so viel Eigenes in diesen Inhalten, dass eine Deklaration in diesem Sinne nicht notwendig ist.

Mehr dazu im B2B Hero Podcast

Doch welche Grenzen hat der Einsatz von KI? Und wie können Marketer ihre Ergebnisse optimieren. Und wie gut versteht das Tool die spezifischen Anfragen aus der B2B Branche?

Diesen und weiteren Fragen ist Klaus-Peter Grave gemeinsam mit Content Managerin Alicia Weigel nachgegangen.

Jetzt reinhören:

Das erwartet Sie in dieser Folge:

  • Ab Minute 3:30: Wie kann ChatGPT in der Content Erstellung eingesetzt werden?
  • Ab Minute 5:55: Stärken und Schwächen der KI-Bildgenerierung
  • Ab Minute 8:57: Welche Möglichkeiten bietet KI hinsichtlich der Mehrsprachigkeit von Content?
  • Ab Minute 10:12: ChatGPT, Ethik und Datenschutz – Hilfreiche Maßnahmen für Unternehmen
  • Ab Minute 12:30: Wie werden sich die KIs generell weiterentwickeln und wo sind Potenziale für das Marketing?
  • Ab Minute 14:25: Chancen und Grenzen von KI-gestützter Audioproduktion
  • Ab Minute 15:30: Synergien von Marketing Automation und KI-Tools
  • Ab Minute 17:15: Wie unterstützt KI die Kundenzufriedenheit und Kommunikation im Supportbereich?
  • Ab Minute 18:00: Persönliche Empfehlungen für Tools
  • Ab Minute 18:48: Wie sollte der perfekte Prompt aussehen?
  • Ab Minute 20:50: How to Ergebnisoptimierung: Einfach loslegen!
  • Ab Minute 22:10: Wie gut versteht ChatGPT die Anforderungen aus dem B2B Marketing?

Mehr vom B2B Hero Podcast

Der Podcast für Marketing, Kommunikation und Vertrieb in Industrie- und Technologieunternehmen

Der B2B Hero Podcast zeigt, wie Trends aus dem Consumer Marketing auch für Industrie- und Technologieunternehmen eingesetzt werden können. Jede Woche sprechen wir regelmäßig mit Experten aus B2B Unternehmen und berichten so über aktuelle Entwicklungen und Praxis Cases.
Klingt gut? Na dann hören Sie doch mal rein!

Gleich reinhören!

(ID:49805173)