Unternehmenswebsite Das Comeback der Corporate Website

Autor / Redakteur: Rafael Bolte* / Viviane Krauss

Ihre Corporate Website könnte und sollte ein Ort sein, an dem Kunden ein Unternehmen vielseitig erleben – gerade in Zeiten, in denen persönlicher Kontakt nur eingeschränkt möglich ist. Lesen Sie hier, wie Sie die Unternehmenswebsite wieder zu einem effektiven und machtvollen Instrument machen können.

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Basierend auf dem Nutzerverhalten sollte die Corporate Website ihre Inhalte zukünftig für jeden Besucher individuell strukturieren und entsprechend darbieten.
Basierend auf dem Nutzerverhalten sollte die Corporate Website ihre Inhalte zukünftig für jeden Besucher individuell strukturieren und entsprechend darbieten.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Ein gutes Vierteljahrhundert ist es nun her. Die Digitalisierung setzte zaghaft ein und mit ihr entstand die Corporate Website. Dieser Prozess war für Unternehmen häufig komplexer als gedacht, denn mit der Website kamen auch viele Fragen: Wie sollte sich die Firma in dem neuen unbekannten Digital-Kosmos richtig präsentieren? Welche Informationen sollte man welcher Zielgruppe wie bereitstellen? Mit einem gewissen Respekt gegenüber der neuen Materie wurden Experten hinzugezogen, die ersten digitalen Visitenkarten entstanden. Und sie hatten Erfolg! Einige Jahre war die Website das zentrale Aushängeschild für Unternehmen. Doch nach dem Boom kam der Fall: Die Website war nicht mehr angesagt und avancierte zur Online-Unternehmensvorstellung, in die am besten nicht mehr richtig viel Arbeit gesteckt werden sollte. Um ihre Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren, verließen sich die Verantwortlichen eher auf Live-Formate wie Messen und Launch-Events sowie externe digitale Kanäle.

Im Jahr 2020 machte die Pandemie Messen, Produktvorstellungen und Events nahezu unmöglich. Auch andere, bislang gut funktionierende Instrumente klassischer Werbung verloren an Bedeutung. Sich nun zu stark auf soziale Netzwerke zu verlassen, galt und gilt als kühn, da Unternehmensverantwortliche dort ihre Kommunikationshoheit abtreten. Zudem bringen noch immer viele Kommunikatoren in B2B-Unternehmen Social Media eher mit dem B2C-Sektor in Verbindung und tun sich schwer, mit ihrer meist segmentierten Zielgruppe via Facebook, Instagram oder LinkedIn zu kommunizieren.

Eine zweite Chance für die Corporate Website

Vor dem Hintergrund der aktuell brachialen Veränderungen hat die Corporate Website die Chance, wieder bedeutsamer zu werden. Damit dies gelingt, sollte sie nicht nur mit neuem Rollenverständnis, sondern auch mit modernster Technologie versehen werden. Es geht darum, das Unternehmen für die Besucher des Webauftritts zeitgemäß darzustellen und wirklich greifbar zu machen – mobil und auf dem Desktop.

Um in digitaler Hinsicht zukünftig en vogue zu sein, müssen die Verantwortlichen in Unternehmen einiges umkrempeln: Künftig sollten sie sich von Standard-Rubriken wie etwa „Über uns“, „Produkte“, „News“ lösen. Die Corporate Website ist weniger als reine Präsentationsplattform denn als Erlebniswelt zu verstehen. Schließlich möchten User Marken heute digital eigenständig und nach ihren eigenen Vorlieben erforschen.

Individualisierung und Interaktion sind unverzichtbar

Basierend auf dem Nutzerverhalten sollte die Corporate Website ihre Inhalte zukünftig für jeden Besucher individuell strukturieren und entsprechend darbieten. Besucher, die regelmäßig mit der Seite interagieren, sehen neue Inhalte früher und haben Zugriff auf exklusive Vorteile. Dies gelingt, indem die Nutzer automatisiert Infos zu ihren Interessen bekommen – auf Datenbasis.

Ein echtes Zuhause für den Nutzer entsteht aber erst dann, wenn die Corporate Website mit neuen Technologien gestaltet ist: AR- und VR-Angebote, Livestreams, interaktive Elemente, steuerbare Unternehmenstouren oder Produkt-Konfiguratoren machen Spaß und vereinfachen das Erlebnis. Auch Chat-Möglichkeiten, interaktive Content-Elemente und der Austausch via Live-Video oder Chatbot tragen zu einer positiven User Experience bei.

Ein Beispiel: Mercedes-Benz arbeitet auf der Seite Mercedes me media erfolgreich mit Livestreams, um Medienvertretern Produktneuheiten vorzustellen. Je nach Set-up kann der Nutzer aus verschiedenen Kameraperspektiven wählen und wird so zum „Regisseur“. Aus Bildergalerien und Transkripten zum Stream können sich Medienvertreter ihr individuelles Content-Paket schnüren.

Experience Room wird zum Herzstück

Die Corporate Website muss facettenreich die Werte, Ziele und Botschaften der jeweiligen Firma darstellen. Als Dreh- und Angelpunkt, in den die beschriebenen Technologien eingegliedert werden, bietet sich ein Experience Room an. Denkbar wäre es, dort den Menschen, die im Unternehmen arbeiten, eine Bühne zu geben. Videos und interaktive Bildergalerien beschreiben die Unternehmensgeschichte und verdeutlichen komplexe Produktionsprozesse. Dabei sollte die Gestaltung des Experience Rooms das Unternehmen für den Nutzer online erlebbar machen.

Wie Inhalte auch im B2B digital sehr ästhetisch vermittelt werden, zeigt etwa Reputation Squad, ein französisches Unternehmen, das sich auf Lösungen für Online Business Monitoring spezialisiert hat. Maus-sensitive, optisch ansprechende Animationen vermitteln dem Besucher ein Gefühl der Kontrolle, wenn er sich durch die Corporate Website navigiert. Mit diesem interaktiven Ansatz blättert der Besucher innerhalb einer Seite von einem ressourcenreichen Inhalt zum nächsten. Ein Beispiel, das zeigt, wie Websites ihre Inhalte in einen Erlebniskontext einbetten können.

Exzellente Inhalte in die IT-Architektur einbetten

Das digitale Kommunikationsuniversum eines B2B-Unternehmens nutzt künftig idealerweise die Website wieder als ihren Kern und Ausgangspunkt aller digitalen Maßnahmen und spielt die Kommunikationsinhalte von dort über weitere Plattformen aus. Das Geheimnis einer zeitgemäßen Corporate Website besonders im B2B-Kosmos liegt folglich darin, sie in eine gut strukturierte Unternehmens-IT-Architektur einzubetten und exzellent aufbereiteten Content zu bieten – gestaltet als Erlebnisraum, der dem Nutzer individuell relevante Informationen an die Hand gibt – Spaß macht und ihn gerne wiederkehren lässt.

*Rafael Bolte ist General Manager bei OSK Berlin.

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