Führungskräfte sind im 21. Jahrhundert in ihren Unternehmen gefordert wie nie und müssen mittlerweile vielen verschiedenen Anforderungen gerecht werden. Führungskräftetrainerin Katrin Seidel erklärt im folgenden Gastbeitrag, worauf es heutzutage in der Führungsebene ankommt und was eine gute Führungskraft ausmacht.
Nur wer das Führen einer Gruppe beherrscht, kann auf lange Zeit gesehen in seiner Position bestehen und sich selbst im Sinne des Unternehmens weiterentwickeln.
Noch vor wenigen Jahren waren die meisten Chefs fast ein wenig wie Alleinherrscher, doch mittlerweile hat ein Wandel stattgefunden. Das “Neue Führen” ist weit mehr, als nur zu sagen, wo es lang geht.
1. Warum ist ein Training für Führungskräfte überhaupt notwendig geworden?
Die Arbeitswelt befindet derzeit in einem Wandel. Wie im Zeitalter der Industrialisierung, als die Arbeitsprozesse komplizierter wurden und man diese in Einzelschritte zerlegt hat, so wandelt sich heute die Arbeitswelten in Richtung Komplexität. Entscheidungen und Verantwortungen können dadurch nicht mehr wie bisher von einzelnen Führungskräften getragen werden. Es braucht die Eigenverantwortung und das eigenständige Handeln jedes Mitarbeiters. Somit agieren die Mitarbeiter wesentlich mehr als früher mit den Führungskräften auf Augenhöhe und sind diesen in gewissem Sinne gleichgestellt. Das erfordert von den heutigen Managern, um wirklich in Führung zu bleiben, ein ganz anderes persönliches Standing als noch vor 20 Jahren. War es früher wichtig, die eigene Professionalität zu zeigen und Berufliches von Privatem strikt zu trennen, so geht es heute um Beziehung, um die gemeinsame Gestaltung von Arbeitswelten und um die Verbindung zwischen einer Führungskraft und den Mitarbeitern auch über große Distanzen hinweg.
2. Mit Experten zusammenarbeiten und an Coachings teilnehmen
Führungskräfteseminare und dazugehörige Coachings sind heute essentiell für Mitarbeiter, die in leitende Positionen kommen. Doch wo man früher noch Techniken erlernt hat und sich über Führungsstile unterhalten hat, rücken ganz andere Dinge in den Fokus. Heute ist es umso wichtiger, über die Rolle und Verantwortung zu sprechen, die eine Führungskraft übernimmt und dem auf den Grund zu gehen, was Leadership wirklich bedeutet. Statt verschiedener Techniken steht heute die eigene persönliche Weiterentwicklung an erster Stelle. War das früher noch Luxus, so ist das mittlerweile absolut notwendig, wenn man sein Team und sich selbst voranbringen möchte. Dabei sollte ein Raum für die eigenen Entwicklung über eine längere Zeit gewährt werden, damit jeder seinen eigenen Führungsstil entwickeln und verinnerlichen kann. Es ergibt wenig Sinn, von allen Führungskräften Gleiches zu erwarten und sie in ein Schema F zu drängen.
3. Wie muss ein gutes Führungskräftetraining aussehen?
Damit das Führungsverhalten wirklich nachhaltig verbessert und verändert werden kann, ist eine langfristige Begleitung vonnöten. Hier sollte auf ein individuelles Einzelcoaching, die Begleitung in regelmäßigen Supervisionen, aber auch auf den monatlich moderierten aktiven Austausch mit Gleichgesinnten Wert gelegt werden. Ist das gegeben, kann sich das Verhalten von Führungskräften positiv im Sinne von Leadership verändern. Man darf sozusagen in die Rolle hineinwachsen, sich als Lernender verstehen und sich mit den Herausforderungen, die in der Arbeitswelt auf einen zukommen, immer Schritt für Schritt weiterentwickeln.
4. Welche Inhalte sind bei einem Training für die Führungskräfte wichtig?
Ein großer Bestandteil ist die Art und Weise der Kommunikation. Hier sollte Wert darauf gelegt werden, dass ein systemisches Grundverständnis vermittelt wird. Ein Inhalt mit dem sinngemäßen Titel „Die Führungskraft als Coach“ sollte ebenfalls immer dabei sein. Wichtig ist auch, dass das Thema „Missbrauch von Führung“ gelegentlich besprochen wird, da es beim Thema Führung immer auch um Macht geht. Und wenn man Macht hat, erkennt man den Charakter des Handelnden. In dem Führungsbild, welches in der Gesellschaft vorgelebt wird, ist immer noch einiges an Missbrauch von Führung zu erkennen. Mitarbeiter werden gefördert, solange sie der gleichen Meinung wie die Unternehmensleitung sind. Widersetzen sie sich dieser Meinung, werden sie teilweise von heute auf morgen einfach fallen gelassen. Das ist absoluter Missbrauch von Führung. Natürlich gibt es auch klassische Elemente, die man integrieren sollte, wie zum Beispiel anlassbezogene Gesprächsführung, Umgang mit Konflikten und Deeskalationsstrategien. Wichtig ist, mit den Führungskräften darüber ins Gespräch zu kommen, was sie wie tun können, um ihre Mitarbeiter in ihre eigene Kraft, bzw. in ihre eigene Stärke zu bringen, sodass sie zukünftig eigenverantwortlich im Sinne des Unternehmens handeln. Zur eigenen Stärke gehört unbedingt auch der Punkt, sich seiner selbst und seiner Rolle wirklich bewusst zu sein. Führungskräfte werden dafür bezahlt, dass sie die Sicht der Unternehmenseigner mit der ihren ergänzen und damit sie sich mit ihnen im Sinne des Unternehmens um die besten Lösungen streiten. Wenn man das von seinen Führungskräften erwartet, dann braucht es Raum und Möglichkeit, damit sie sich selbst in einen tiefen persönlichen Weiterentwicklungsprozess begeben können.
Stand: 08.12.2025
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Fazit
Mit diesen Schritten gelingt es modernen Führungskräften, ihr Unternehmen oder Team auch wirklich modern und fortschrittlich zu leiten und in eine positive Zukunft zu führen. Nur wer das Führen einer Gruppe oder Abteilung wirklich beherrscht, kann auf lange Zeit gesehen in seiner Position bestehen und sich selbst im Sinne des Unternehmens weiterentwickeln. Eine Führungsposition ist also auch immer Arbeit an sich selbst, was aber wirklich Spaß machen kann und das eigene Arbeitsleben bereichern wird.
*Katrin Seidel ist systemischer Coach für Mitarbeiter und Führungskräfte und begeisterte Unternehmerin. Seit 22 Jahren ist sie in der Führung der europaweit agierenden Trainingscompany bfkm GmbH tätig und somit selbst tagtäglich mit den Herausforderungen des Führungsalltags konfrontiert.