KI im Marketing Datenschutzreflex, die KI-Hemmung im B2B

Ein Gastbeitrag von Robin Heintze* 5 min Lesedauer

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KI polarisiert die Wirtschaft. Während Agenturen ihre Effizienz durch KI steigern, haben viele deutsche Unternehmen noch Berührungsängste. Doch die Zukunft gehört denen, die mutig, nachhaltig und verantwortungsvoll KI in ihre Strategien integrieren.

B2B Unternehmen zeigen sich im Hinblick auf den Einsatz von KI noch sehr zurückhaltend. Dabei wird Mut in diesem Fall eindeutig belohnt! Um langfristig mithalten zu können, müssen Unternehmen KI in ihre Unternehmensstrategien einbauen.(Bild:  Unsplash)
B2B Unternehmen zeigen sich im Hinblick auf den Einsatz von KI noch sehr zurückhaltend. Dabei wird Mut in diesem Fall eindeutig belohnt! Um langfristig mithalten zu können, müssen Unternehmen KI in ihre Unternehmensstrategien einbauen.
(Bild: Unsplash)

KI ist ein Buzzword, zu dem sich viele Player in der Wirtschaft positionieren wollen. Der jüngste Höhepunkt wurde durch das HR-Unternehmen Lattice erreicht, die mit der Vermenschlichung von KI am Arbeitsplatz begonnen haben, in dem sie KI buchstäblich zu KI-Kollegen machen. In den Medien und auf LinkedIn hat das für Verwirrung gesorgt. Gleichzeitig überschlagen sich die Nachrichten an neuen Entdeckungen, Einschätzungen und Entwicklungen auf dem Gebiet, was die Einordnung der Konsequenzen erschwert. Dabei sieht die Realität weder so golden noch so schwarz aus, wie sie gezeichnet wird.

KI auf dem deutschen Markt: Zwischen Entwicklungsschüben und Ernüchterung

Die Realität auf dem deutschen Markt sieht hingegen alles andere als revolutionär aus: Auf der einen Seite steht die rasende Entwicklung von KI. Noch letztes Jahr schien die Erstellung von Videos, die nicht wie ein psychedelischer Traum anmuten, in weiter Ferne zu liegen. Diese Distanz wurde in wenigen Monaten überbrückt, wie das OpenAIs Sora KI-Modell demonstriert.

Auf der anderen Seite steht der Umfang, in dem KI-Technologien in den Arbeitsalltag übernommen werden. Hier gibt es immer mal wieder Vorstöße, aber von einer breiten Akzeptanz kann noch keine Rede sein. Und wo KI nicht verwendet wird, können keine positiven Effekte für Arbeitnehmer und Unternehmen erreicht werden.

German Angst: Gründe für den zaghaften KI-Einzug

Der Datenschutz ist aus guten Gründen ein hochgeachtetes Gut in Deutschland. Doch die Furcht davor, etwas datenschutzrechtlich falsch zu machen, führt oft zu einer Art Datenschutzreflex. Es werden dann übereilt technische Möglichkeiten ausgeschlossen, die eigentlich datenschutzkonform umgesetzt werden können.

Viele Firmen in Deutschland interessieren sich für KI-Anwendungen. Sie fürchten sich aber davor, sich auf datenschutzrechtlich schwieriges Terrain zu begeben. Dabei muss und soll das Datenschutzrecht in Bezug auf die Nutzung generativer KI kein Showstopper sein. Marlene Schreiber, Fachanwältin für IT-Recht bei HÄRTING Rechtsanwälte, schätzt das Thema folgendermaßen ein:

Die DSGVO findet nur Anwendung, wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden. Das heißt aber nicht, dass Unternehmen dann vor einer unlösbaren Aufgabe stehen. Vielmehr gilt es, die bestehenden Risiken zu analysieren (gegebenenfalls im Rahmen einer Datenschutzfolgenabschätzung) und eine praktikable Lösung zu finden, zum Beispiel durch Umsetzung technischer und organisatorischer Maßnahmen. Als Unternehmen muss ich mich insbesondere fragen: auf welche Rechtsgrundlage kann ich meine KI-Anwendung stützen (beispielsweise ein berechtigtes Interesse, eine vertragliche Grundlage oder eine Einwilligung), welche Pflichten ergeben sich für mich als Verantwortlicher oder Auftragsverarbeiter und wie setze ich diese wirksam um? Wichtig ist vor allem, meine Mitarbeitenden zu sensibilisieren und zu schulen.

Die KI-Frage ist also nie ein „ob“, sondern immer ein „wie“ und die Hürden sind dabei nicht so unüberwindlich wie viele denken. Am Ende sind die datenschutzrechtlichen Bedingungen abhängig vom Anwendungszweck, die im Marketing nicht schwierig zu erfüllen sein müssen.

Agenturen machen es vor: Wie KI die Dienstleistungen verändert

In vielen Agenturen werden generative KIs schon längst erfolgreich eingesetzt. Eine Umfrage unter 58 Marketingexperten zeigt, dass der Einsatz von KI zu einer hohen Zufriedenheit führt. Die Hälfte der Befragten sieht die Entwicklungen um KI positiv und weitere 30 Prozent sogar sehr positiv. Von Angst um die Jobsicherheit gibt es keine Spur.

93 Prozent der Befragten sehen zum Beispiel eine deutliche Effizienzsteigerung durch KI. KI wird hier zum Beispiel zur Textumwandlung verwendet. Es können SEO Texte vorbereitet, Claims variiert, Excel-Support geleistet und alle möglichen Fleißarbeiten beschleunigt werden.

Es lässt sich also einiges gewinnen, wenn man Mitarbeitenden KIs benutzen lässt. In Agenturen gibt es oft viel Flexibilität, was den Einsatz von neuen Technologien angeht. Nicht nur ergänzen KIs bestehende Arbeitsabläufe, sie führen auch zu neuen Dienstleistungsangeboten oder Produkten. Zum Beispiel werden Agenturen schon heute zu Partnern, die Unternehmen dabei helfen, eigene GPTs aufzusetzen, damit skalierbar und on-brand Texte fürs Marketing generiert werden können. Bereits 37 Prozent der von uns befragten Experten haben KI transparent in ihr Angebot integriert.

Schon jetzt wird bei jedem Fünften der Befragten nicht mehr nach Zeit abgerechnet. Das Abrechnen nach der an einem Projekt gearbeiteten Zeit ist ein für Jahrzehnte unangetastetes Prinzip in der Agenturwelt gewesen. Doch jetzt könnte Zeitmessung für viele Dienstleistungen irrelevant werden, da KI den Prozess extrem beschleunigt. Es kommt am Ende auf den geschaffenen Wert an – aber wie der geschaffene Wert beziffert wird, das ist eine Frage, die noch nicht abschließend geklärt ist.

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KI in der Unternehmensstrategie

Unternehmen müssen für die erfolgreiche Integration von KI die richtigen Voraussetzungen schaffen. Viele Unternehmen geben sich selbst KI-Strategien, aus denen der oben erwähnte Datenschutzreflex spricht. Die Firmen, die sich in den KI-Bereich voran trauen, entwickeln oft eigene KI-Strategien, die KI organisatorisch isolieren. KI wird so zu einem Aushängeschild, ohne dass KI ernsthaft verwendet wird.

Statt einer KI-Strategie, die KI in einen Silo steckt, sollten eher bestehende Produktstrategien oder Markenstrategien um das Element KI ergänzt werden. So wird der Freiraum geschaffen, KI an den kritischen Punkten zu integrieren, wo die Effekte am größten sind. In unserer Befragung haben wir zum Beispiel herausgefunden, dass jeder zweite Marketingexperte KI einsetzt, um die eigene Rentabilität zu steigern. Da können auch andere Branchen noch viel Potenzial heben.

Fazit – Weg mit dem Datenschutzreflex

Die Integration von KI in Unternehmen wird durch übermäßige Datenschutzbedenken behindert, obwohl der Einsatz von generativen KIs wie ChatGPT datenschutzrechtlich oft unbedenklich ist. Während Agenturen die Vorteile bereits erkennen und nutzen, zeigen viele Firmen noch Zurückhaltung. Um langfristig mithalten zu können, müssen Unternehmen ihre strategischen Ansätze überdenken und KI nicht isoliert, sondern als integralen Bestandteil ihrer Produkt- und Markenstrategien betrachten. Die Zukunft liegt in einer mutigen, aber verantwortungsvollen und datenschutzkonformen Nutzung von KI, um Effizienz und Innovation zu fördern. Doch auf die Zukunft sollten Sie nicht warten, sondern sie schon jetzt gestalten.

*Robin Heintze ist Gründer und Geschäftsführer des Online-Marketing-Spezialisten morefire.

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