Auf Krisen, wie zum Beispiel Shitstorms, die mittlerweile leider zum Alltäglichen gehören, muss 24/7 reagiert werden können. Aber wie? Helfen kann dabei die Automatisierung. Wir haben dazu mit Prof. Uwe Seebacher, langjähriger marconomy Experte, gesprochen.
Automatisierung in der Unternehmenskommunikation. Prof. Uwe Seebacher gibt Einblicke in sein Buch „Reengineering Corporate Communications“.
In der heutigen Zeit sind Shitstorms, Bots und Trolle leider keine Seltenheit mehr. Ebenso bedauerlich ist, dass diese Phänomene nur schwer zu kontrollieren sind. Dies stellt die Unternehmenskommunikation vor ein Dilemma. Einerseits steht sie in der Verantwortung, solche Themen zu vermeiden oder schnellstmöglich zu bewältigen. Andererseits ist es kaum möglich, alle Kommunikationskanäle rund um die Uhr zu überwachen.
In seinem zuletzt erschienenen Buch „Reengineering Corporate Communications“ setzt Professor Uwe Seebacher, langjähriger Marketing- und Automatisierungsexperte, genau an diesem Punkt an. Er untersucht die Möglichkeiten der Automatisierung in der Unternehmenskommunikation. Doch wie sieht Automatisierung in der Kommunikation konkret aus? Und wie lange dauert es, bis Projekte auf automatisierte Prozesse umgestellt werden können?
Interview mit einem marconomy Experten
Wir haben dazu mit Professor Uwe Seebacher, marconomy Experte, in unserem B2B Hero Podcast gesprochen. Er gibt Einblicke in sein neustes Buch „Reengineering Corporate Communications“ und verrät, wieso die Automatisierung ein so wichtiger Bestandteil der Unternehmenskommunikation sein sollte.
marconomy: Wieso ist es gerade jetzt so wichtig, dass sich die Unternehmenskommunikation neu erfinden sollte?
Uwe: Das ist ein ganz spannender Punkt. Durch die Arbeit in größeren Unternehmen hat sich gezeigt, dass die Unternehmenskommunikation auch ein Unternehmensbereich ist, dem Marketing häufig zugeordnet wird. Warum sich Unternehmenskommunikation neu ausrichten muss? Das ist allein dem Umstand geschuldet, dass wir uns von einer eins-zu-eins Kommunikation hin zu einer all-to-all Kommunikation bewegen. Die Organisation hat sich verändert. Das ganze Ökosystem hat sich verändert. Jeder von uns weiß, dass wir fast 24/7 nicht monodimensional, sondern multidimensional kommunizieren. Das wiederum bedeutet, dass sich das Umfeld verändert hat. Woran wir das vor allem festmachen, sind die Geschehnisse während der Corona-Pandemie. Hier kann als Beispiel die Shitstorms für den Impfstoff-Hersteller AstraZeneca genannt werden. Der Hersteller hatte keine Corporate Communication, um auf Shitstorms einzugehen. Jetzt auch kürzlich der Skandal der Deutschen Bahn. Das sind alles Dinge, die durch die Verselbstständigung und die Demokratisierung der Kommunikation entstehen. Wenn sich Unternehmen, aber auch Organisationen nicht auf das neue Umfeld einstellen, dann laufen sie Gefahr, in Shitstorms und Tsunamis unterzugehen. Und das wiederum schadet der Marke und nachhaltig auch dem Unternehmen. Aus diesem Grund muss sich Reengineering in der Strategie und im Bereich Unternehmenskommunikation wiederfinden.
Ein wichtiges Thema hierbei ist Employer Branding. Hier muss wirklich jeder mitarbeiten und das Thema kann nicht nur bei HR liegen. Wie siehst du das?
Absolut. Hierzu haben wir auch eine Studie durchgeführt, wie Unternehmen mit dem Fachkräftemangel umgehen. Viele Unternehmen nehmen dann zur zehnten Jobplatzierung noch die elfte oder zwölfte dazu. Dieses Vorgehen ist damit vergleichbar, wenn man an ein Auto ein fünftes Rad dazuschraubt und hofft, dass man schneller fährt. Das funktioniert nicht. Daraufhin haben wir die KPIs der Stellenanzeigen ausgewertet und sind dabei auf ein kleines Start Up gestoßen. Hier sind wir eigentlich davon ausgegangen, dass die KPIs nicht stimmen. Bei der genaueren Analyse hat sich aber herausgestellt, dass es sehr wohl die richtigen KPIs liefert. Das Start Up hat das Prinzip des Content Marketings automatisiert. Die Stellenanzeige tritt in den Hintergrund und generiert nun mehr Content. Der Bewerber wird so lange begleitet, bis er das Unternehmen, das er vorher nicht kannte, zu kennen glaubt und sich schließlich bewirbt. Das ist Employer Branding und natürlich auch ein Teil von Branding.
Bei dem ganzen Thema Employer Branding denken wir am Ende alle gleich. Diese Diskussionen, ihr oder wir, sie oder er. Nein, das ist nicht zielführend. Auf Augenhöhe diesen Diskurs zu initiieren und gegenseitig zu lernen. Das ist es, was zielführend ist. Erfolg ist das Ergebnis vieler kleiner Schritte.
Wie lange dauert ein Projekt, bis automatisierte Prozesse stattfinden können?
Wir haben einige Projekte umgesetzt. Es ist möglich, das Ganze in sechs bis zwölf Monaten umsetzen. Unabhängig davon, wie weit Marketing und Vertrieb schon automatisiert sind. Wenn Marketing und Vertrieb noch nicht automatisiert sind, wird der Weg gemeinsam gegangen und das erzeugt natürlich eine größere Schlagkraft. Ist das Marketing aber schon weit entwickelt, was bei immer mehr Unternehmen der Fall ist, kann die Unternehmenskommunikation schnell auf den Zug aufspringen. So können Kosten gespart und vorhandene Daten genutzt werden. Das Schlimmste wäre jetzt, nichts zu tun.
Stand: 08.12.2025
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Eine etwas provozierende Frage zum Schluss. Wenn zukünftig alles automatisiert ist. Brauchen wir dann überhaupt noch eine Kommunikationsabteilung?
Selbstverständlich brauchen wir nach wie vor eine Kommunikationsabteilung. Aber wir automatisieren und digitalisieren alles, was repetitiv ist. Das schafft mehr Zeit für Inhalte, für Konzepte und für Strategien. Das, wofür wir bestens ausgebildete Experten brauchen. Das halte ich für ein wichtiges Thema. Mein Credo ist: Die größte Herausforderung im Rahmen der künstlichen Intelligenz ist die HI. Die menschliche Intelligenz. Denn wenn das Anwendungswissen nicht da ist, dann funktioniert das Ganze nicht. Worauf es bei der Automatisierung ankommt, ist nicht, dass sie uns Arbeitsplätze wegnimmt. Sie schafft Freiräume. Wir schaffen mehr mit weniger Kosten. Wir werden effizienter, effektiver. Wir sparen Kosten.
Aber was genau steckt eigentlich hinter einer „All-to-all“ Kommunikation? Ist Employer Branding wirklich nur ein Thema der HR? Und wie werden die Erfolge der Automatisierung am besten gemessen?
Mehr dazu hat Prof. Uwe Seebacher bei marconomy Moderatorin Alicia Weigel im B2B Hero Podcast erzählt. Neugierig?
Dann hören Sie gleich rein:
Das erwartet Sie in dieser Folge:
Ab Minute 02:57: Neuerfindung der Unternehmenskommunikation
Ab Minute 05:01: Von einer „One-to-one“ zu einer „All-to-all“ Kommunikation
Ab Minute 09:02: Employer Branding – Nur Thema der HR?
Ab Minute 11:24: Dauer des Weges bis zu automatisierten Prozessen
Ab Minute 13:20: Die Prozess-Bibliothek
Ab Minute 15:34: Messung der Erfolge der Automatisierung
Ab Minute 18:11: Praxisbeispiel – Schritt für Schritt zur Automatisierung
Ab Minute 21:37: Automatisierung ersetzt die Kommunikationsabteilung?!
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