Interview EU-DSGVO

EU-DSGVO bringt neue Aufgaben für die Künstliche Intelligenz

| Redakteur: Georgina Bott

Mit Inkrafttreten der EU-DSGVO wächst auch die To-Do-Liste für KI-Entwickler.
Mit Inkrafttreten der EU-DSGVO wächst auch die To-Do-Liste für KI-Entwickler. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Mit Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) am 25. Mai wird sich der Umgang mit personenbezogenen Daten für Unternehmen verändern. Auch die Künstliche Intelligenz (KI) greift auf diese Daten zurück und steht vor neuen Herausforderungen.

Wenn über das neue Datenschutzgesetz berichtet wird, steht in den meisten Fällen der B2C-Bereich im Vordergrund. Die Regeln sind jedoch breit und weitreichend. Sie decken alles ab, was unter personenbezogene Daten fällt, inklusive E-Mail-Adressen, Geburtsdatum, Name etc. Dies gilt für B2C- wie auch für B2B-Organisationen und betrifft beide, Daten-Verantwortliche sowie Daten-Verarbeiter. Auch auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird die EU-DSGVO Auswirkungen haben. Welche das sind, wollten wir von Dr. Kay Knoche von Pegasystems im Interview erfahren.

Welche Auswirkungen hat die neue Datenschutzgrundverordnung auf CRM allgemein?

Dr. Kay Knoche: Die DSGVO verlangt, dass jedes Unternehmen in der Lage sein muss, jederzeit jedem Bürger der EU nachzuweisen, ob persönliche Daten über ihn vorliegen und in welcher Weise von diesen Daten Gebrauch gemacht wird. Insbesondere hat jeder Bürger das Recht, diese Daten einzusehen oder zu verlangen das Daten gelöscht werden.

Wie wirkt sich das Gesetz auf den Einsatz von KI-Technologien aus?

In der Tat erstreckt sich die DSGVO auch auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, das dürfte vielen noch gar nicht bewusst sein. In Artikel 22 wird ausgeführt, dass jeder das Recht hat, von automatisierten Entscheidungen ausgenommen zu werden. Wenn ein Algorithmus allein entscheidet, ob man beispielsweise einen Kredit bekommen oder nicht, so ist das nicht zulässig. Die Bank muss in der Lage sein zu erklären, warum es zu der negativen Kreditentscheidung gekommen ist.

Gibt es KI-Anwendungen, die nicht betroffen sind?

Betroffen sind alle Anwendungen, die persönliche Daten nutzen, also Daten, die Rückschlüsse auf eine natürliche Person erlauben. Das sind insbesondere Anwendungen im Bereich Marketing, die beispielsweise Fragen solche Art stellen: Welches Angebot unterbreite ich einem Kunden? Was muss ich tun, um einen Kunden nicht zu verlieren? Stellt es ein Risiko dar, mit diesem Kunden einen Kreditvertrag oder einen Lebensversicherungsvertrag abzuschließen? oder im Falle der Betrugserkennung: Handelt es sich bei dem gemeldeten Schaden tatsächlich um einen Versicherungsfall? In allen diesen Beispielen würde die DSGVO zur Anwendung kommen.

Lediglich bei ausschließlich maschinengestützten Systemen greift die neue Regulierung nicht. Wobei es schon schwerfällt, sich solche KI-Anwendungen vorzustellen. Wenn man beispielsweise ein Auto durch KI-Methoden überwacht, sitzt in dem Auto ja auch wieder ein „Data Subject“ – man müsste die Anwendungen also so konzipieren, dass beides strikt getrennt ist. Da warten auf KI-Entwickler also noch spannende Aufgaben.

Dr. Kay Knoche ist Principal Solution Consultant Next Best Action Marketing bei Pegasystems in München.
Dr. Kay Knoche ist Principal Solution Consultant Next Best Action Marketing bei Pegasystems in München. (Bild: Pegasystems)

Was sollten Unternehmen in der Praxis berücksichtigen? Was sollte definitiv vermieden werden?

Zunächst können sie weiterhin den Inbound-Kontakt auf Ihrer Website, Call Center oder Social Media nutzen, um eine konsistente, relevante Kommunikation mit ihren Kunden oder Interessenten zu etablieren. Erst in dem Moment, in dem persönliche Daten gesammelt werden, werden die neuen Regularien relevant. Unternehmen müssen daher zunächst sicherstellen, dass alle Interaktionskanäle in einer zentralen Interaktions-History aufgezeichnet werden. Silos sollen dabei unbedingt vermieden werden. Das Interesse der Kunden, die nicht bei jedem Kontakt bei Null anfangen wollen, sollte man nutzen und sich im Kontakt das Opt-In zur weiteren Kommunikation einholen.

Sodann muss dafür gesorgt werden, dass persönliche Daten wie Name, Straße, Telefonnummer, Krankenversicherungsnummer in den Anwendungen verschlüsselt und erst später wieder aufgelöst werden können. Big Data lässt sich mit transparenter KI sehr gut verwenden, um jeden Prozessschritt im Zusammenhang mit einer Kundeninteraktion nachvollziehbar zu halten.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die DSGVO der KI durchaus zusätzliche Arbeit verschaffen wird. Aber am Ende werden wir bessere, und vor allem transparentere Lösungen sehen.

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