Messedesign im Festival-Zeitalter

Von der Produktpräsentation zum Messeerlebnis mit Eventcharakter

| Autor / Redakteur: Christoph Kirst / Georgina Bott

Der Trend zum Festival und neue Event-Phänomene wie die das YouTube Festival, die Online Marketing Rockstars oder CeBIT verändern auch das Messedesign.
Der Trend zum Festival und neue Event-Phänomene wie die das YouTube Festival, die Online Marketing Rockstars oder CeBIT verändern auch das Messedesign. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Messen werden zu Konferenzen, Konferenzen werden zu Festivals: immer mehr Marken entdecken für sich das Positionierungspotenzial von diesen Formaten, um nachhaltige Markenerlebnisse zu schaffen. Wie der passende Auftritt dabei aussehen kann, lesen Sie hier.

Wie in nahezu allen Bereichen des Marketings wächst auch in der Messekommunikation die Rolle des Erlebnisfaktors. In Erinnerung bleibt, wer besondere Begegnungen für die Messebesucher schafft und den Aufenthalt emotional auflädt. Das deckt sich auch mit der kürzlich durchgeführten Umfrage der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Zusammenarbeit mit der Messe Frankfurt. Als entscheidende Faktoren für einen Messebesuch gaben die Befragten die Möglichkeit zum Networking an und wünschten sich darüber hinaus hochkarätige Redner sowie den Einsatz von Virtual und Augmented Reality.

Um gemäß dieser Untersuchung für die Zielgruppe Millenials relevant zu bleiben, müssen sich Messen zu emotionalen Events entwickeln, die „man unter keinen Umständen verpassen möchte“. Klassische Messeformate sind also passé, Erlebniswelten mit Festival-Charakter sind gefragt – inklusive Momenten, die mitreißen, einbinden und anhaltend nachklingen. Doch was bedeutet das konkret für die Planung und Gestaltung eines Messeauftritts?

Let‘s go Festival – was das für das B2B-Marketing bedeutet

Marketingtrends

Let‘s go Festival – was das für das B2B-Marketing bedeutet

31.07.18 - Ein neues Trend-Format hat sich in den Veranstaltungskalendern durchgesetzt: das Festival. Gemeint ist dabei nicht das reine Musikfestival, sondern ein Hybridformat wie etwa die „South by Southwest“ oder die „Online Marketing Rockstars“. Woher kommt dieser Trend, wie funktioniert er und wie kann er im B2B Kontext genutzt werden? lesen

Am Anfang steht das konsistente Leitmotiv

Beim Konzipieren wirkungsvoller Auftritte kommen viele Disziplinen zum Einsatz. Mehrdimensional interpretiert, müssen Marken erlebbar, Botschaften begreifbar gemacht und eine Symbiose aus räumlicher Gestaltung und Inhalt erreicht werden. Ein konsistentes Leitmotiv, dem der Auftritt und alle Kommunikationsmaßnahmen folgen und das sich auf allen relevanten Kanälen spielen lässt, ist hierbei der entscheidende Faktor. Unverkennbar, authentisch und auf die Marke zugeschnitten soll es wie ein roter Faden alle Elemente miteinander verbinden.

Langweilen verboten: Dialog und Austausch statt Präsentation

Vielschichtiger und komplexer als je zuvor, muss das Design vor allem inspirieren, animieren, kommunizieren und integrieren. Kreativität stellt sich dabei immer häufiger vor Corporate Design und Markenarchitektur. Innovative Dialog- und Interaktionsformate treten an die Stelle eindimensionaler Präsentationsflächen. Echtheit und Transparenz bricht sich Bahn in der Markendarstellung, Marken „menscheln“, sind einladend, nahbar, unprätentiös und authentisch. Sie gewähren einen Blick hinter die Kulissen, zeigen Inhalte statt statische Hüllen. Sie bitten den Besucher einzutreten, stellen ihn ins Zentrum des Geschehens und lassen ihn eintauchen in ihre Markenwelt, die heute oftmals ohne physische Produkte auskommt. Nicht aber ohne technische Gadgets. Im Zeitalter 4.0 wird der Messestand zur User Experience: modern und interaktiv gehört die Inszenierung durch den Einsatz digitaler Technologien wie Virtual Reality und/oder Augmented Reality zum Erfolgsfaktor.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Auftritt der BMW Group IT auf dem Wiener WeAreDevelopers Kongress 2018. Unter dem Motto „Turning Data into Joy“ verwandelte sich der Messestand in einen 120 qm großen Innovation-Hotspot. Themen wie Big Data, Künstliche Intelligenz, IT Services, Deep Learning, IoT/Smart Factory, Cyber Security wurden aufmerksamkeitsstark in den Stand integriert und boten neben Live-Erfahrungen in Augmented und Virtual Reality vielfältige Vernetzungsmöglichkeiten für die weltweite Entwickler-Community. Der gelungene Gesamtauftritt verband Business mit Emotionen und verstand es, „komplexe Themen“ auf spielerische, sympathische und integrative Art zu vermitteln.

WeAreDevelopers BMW Group IT – Time-lapse Video Clip:

Weniger ist mehr

Back to the roots – ein Trend, der durch zwei Strömungen entsteht: Zum einen ist das Messegeschäft extrem preisgetrieben, zum anderen steht oft nur eine begrenzte Quadratmeterzahl zur Verfügung. Einfache Mittel und Kreativität sind also gefragt, um große Wirkung zu zeigen. Eine Entwicklung daraus ist, dass Szenographien immer spielerischer werden und dazu einladen, in überraschenden Situationen aufzugehen. Unter Verwendung nachhaltiger Materialien sowie der Einbindung von Corporate Tools und Farben verschmelzen analoger und digitaler Raum immer mehr. Überdimensionale, monochrome Flächen, sogenanntes Color Blocking, erzeugt überraschende Effekte, lebhafte Farbkombinationen gestalten fotogene Räume. Selbst die Automobilbranche bevorzugt neuerdings Sleekness statt Pomp. Design muss so zugänglich sein, wie seine Marke. Und niemals langweilig!

Content ist und bleibt King

Bedeutsame Inhalte sind und bleiben DAS essenzielle Element, denn sie fördern das, was die Millennials wollen: Networking. Das persönliche Gespräch und der Austausch in inspirierender, cooler Atmosphäre über renommierte Sprecher und begeisternde Showeinlagen bis hin zum Catering gelten als Schlüssel für einen gelungenen Auftritt – Messe mit Mehrwert, so lehrreich wie faszinierend und unterhaltsam.

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Christoph Kirst ist Kreativdirektor der Agentur insglück.
Christoph Kirst ist Kreativdirektor der Agentur insglück. (Bild: mhvogel.de // mv@mhvogel.de)

Über den Autor

Christoph Kirst studierte Literatur- und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 2000 ging er als Creative Director zur Berliner Dependance der Eventagentur kogag Bremshey & Domning GmbH. Später übernahm er die Leitung Kreation in der Agenturzentrale in Solingen. 2005 wechselte Christoph Kirst zu insglück. Der Geschäftsführer und Creative Director ist spezialisiert auf die Konzeption und kreative Umsetzung von Corporate und Public Events und betreut insbesondere Unternehmen aus der Automobil- und Pharmabranche sowie der Investitionsgüterindustrie.

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