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Hausbesuch bei: Getrag International Integrierte Kommunikation oder „Branding begins at home“

| Autor: Dr. Gesine Herzberger

Getrag ist einer der größten Lieferanten für Getriebesysteme weltweit. Ganz nebenbei ist der Konzern auch in Sachen Kommunikation und Marketingstrategie hochinteressant. Wir waren auf Hausbesuch in Untergruppenbach.

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Der Getrag-Hauptsitz in Untergruppenbach spiegelt die Marketing- und Kommunikationsstrategie des Unternehmens wider: Integration, Transparenz und die Vernetzung aller Bereiche unter einem Dach.
Der Getrag-Hauptsitz in Untergruppenbach spiegelt die Marketing- und Kommunikationsstrategie des Unternehmens wider: Integration, Transparenz und die Vernetzung aller Bereiche unter einem Dach.
(Bildquelle: Getrag International)

Sie kennen Getrag nicht? Wahrscheinlich schon. Im Zweifelsfall haben Sie nämlich schon einmal mit einem Getriebe made by Getrag geschaltet. Schaltungen von Getrag finden sich unter anderem in Fahrzeugen von BMW, Ferrari oder Ford. Das Unternehmen ist aber nicht nur in Sachen Getriebetechnologie und Ingenieurskompetenz tonangebend. Auch Marketing- und Kommunikationsentscheider aus dem B2B können sich von Getrag einiges abgucken. Wir haben den Stammsitz des Unternehmens in Untergruppenbach besucht und dabei unter anderem mit Vera Münch, Managerin Corporate Communications, gesprochen. Das Ergebnis unseres Besuchs sind nicht nur inspirierende Bilder, sondern auch wertvolle Erkenntnisse zu den Themen „Integrierte Kommunikation“, „Marke“ und „Internationales Marketing“ im B2B.

Im ersten Teil des Interviews mit Vera Münch lesen Sie alles über die Geburtsstunde der Abteilung „Corporate Communications“ und warum Marketing und Kommunikation bei Getrag so eng zusammenarbeiten wie bei kaum einem anderen Unternehmen. Die 36-Jährige beeindruckt dabei nicht nur mit theoretischem und praktischem Wissen, sondern gibt auch Buchtipps, die Marketing- und Kommunikationsexperten bei ihrer täglichen Arbeit helfen.

Frau Münch, Getrag ist an über 23 Standorten weltweit aktiv. Was bedeutet das für die Unternehmenskommunikation?

Hätten Sie mich das vor fünf Jahren gefragt, dann hätte das nicht viel bedeutet. Damals war Getrag noch sehr dezentral organisiert, jeder Standort und jede Tochterfirma hat die Unternehmenskommunikation intern wie extern so gestaltet, wie das lokal für richtig befunden wurde. Seit 2010 jedoch fand eine Neuausrichtung der Unternehmensstrategie statt. Ein wichtiger Bestandteil war dabei die konsequente Konsolidierung der weltweiten Unternehmensaktivitäten und somit auch eine Zentralisierung des Top-Managements. Damals wurde ein internationales Management Board eingesetzt, das von diesem Zeitpunkt an die globale Gesamtverantwortung für Getrag übernommen hat. Das war übrigens auch die Geburtsstunde der Abteilung „Corporate Communications“ bei Getrag. Im Jahr 2010 wurde entschieden, dass der Bereich als eine Zentralfunktion aufgebaut und professionalisiert werden soll. Das hatte natürlich enorme Auswirkungen auf die Unternehmenskommunikation: Die Konzernsprache wechselte von Deutsch auf Englisch, wir mussten unsere internationalen Standorte mit einbinden und für die Zentralisierung gewinnen. Auf einmal hieß es über sehr unterschiedliche Kulturen und Zeitzonen hinweg zu kommunizieren, eine zentrale Themenplanung zu organisieren und so weiter. Wir mussten uns also sehr genau überlegen, wie wir den Bereich „Corporate Communications“ aufbauen wollen, um den heutigen Anforderungen aus dem sehr dynamischen Umfeld und aus dem eigenen Unternehmen zu entsprechen.

Wie ist der Bereich Kommunikation mit anderen Abteilungen im Unternehmen vernetzt?

Wir haben uns bei der Planung und dem Aufbau der Abteilung für einen integrierten Ansatz entschieden. Das bedeutet, dass wir nicht in klassischen Kommunikations- und Marketingsilos denken – also die Aufteilung in interne Kommunikation, externe Kommunikation, Marketingkommunikation, wie es in den bestehenden Strukturen vieler Unternehmen üblich ist. Oftmals handeln die Bereiche dort sehr unabhängig voneinander und stimmen sich auch nicht besonders häufig ab. Das führt zu Schwierigkeiten bei der konsequenten Markenführung nach innen und außen – egal ob im Design, bei der Tonalität oder bei den Botschaften. Bei Getrag haben wir alle diese Funktionen unter eine Führung gebracht, um das zu umgehen. Die Schnittstelle von Marketingkommunikation zu Marketing und Vertrieb ist so aufgeteilt, dass wir uns um die Bespielung der offiziellen Getrag-Kanäle und -Plattformen kümmern, die sich nicht nur einem Kunden oder einer Zielgruppe zuordnen lassen. Gibt es gezielte Aktionen, wie beispielsweise einen Customer Drive Event, dann ist der Vertrieb für die Organisation verantwortlich und wir unterstützen mit Standards wie Broschüren, Filmmaterialien und so weiter. Das Marketing außerhalb der Kommunikation kümmert sich beispielsweise um Marktbeobachtung und -analysen inklusive Benchmarks, Trendscouting und so weiter. Durch diesen Ansatz stellen wir sicher, dass jeder Bereich in seinem Kompetenzfeld arbeitet und wir die jeweiligen Kompetenzen gleichzeitig bestmöglich verknüpfen.

Ergänzendes zum Thema
Über die Interviewpartnerin:

Vera Münch
Vera Münch
( Bildquelle: Getrag International )

Vera Münch leitet die globale Unternehmens- und Marketingkommunikation bei Getrag in Untergruppenbach / Heilbronn. Sie ist seit sieben Jahren für Getrag tätig und seit 2011 für den Auf- und Ausbau des neu geschaffenen Bereichs Unternehmenskommunikation verantwortlich.

* Vera Münch ist in diesem Jahr Referentin auf dem B2B Marketing Kongress. Sie wird dort über „marken- und werteorientierte Unternehmenskommunikation – der entscheidende Erfolgsfaktor für globales Wachstum bei Getrag“ sprechen.

(ID:42850111)

Über den Autor

Dr. Gesine Herzberger

Dr. Gesine Herzberger

Leitende Redakteurin & Head of Happiness, marconomy