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dmexco 2017 Klassentreffen – ein offener Brief an die Mitschüler

Autor / Redakteur: Nicole Rauch / Georgina Bott

Der Countdown zur dmexco 2017 läuft. Das„Klassentreffen“ der Branche ist auch in diesem Jahr überall im Gespräch. Und genau dazu hat uns ein offener Brief von Nicole Rauch erreicht. Lesen Sie selbst – Achtung Ironie :-)

Die dmexco wird auch das „Klassentreffen“ der Branche genannt. Nicole Rauch erklärt in ihrem offenen Brief, warum die Messe aus ihrer Sicht fast wie ein Schulhof ist.
Die dmexco wird auch das „Klassentreffen“ der Branche genannt. Nicole Rauch erklärt in ihrem offenen Brief, warum die Messe aus ihrer Sicht fast wie ein Schulhof ist.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Liebevoll das „Klassentreffen“ der Branche genannt, steht auch in diesem Jahr die dmexco an. Die führende Messe für Online Marketing-Personal. Es stellt sich die Frage, warum die Messe „Klassentreffen“ genannt wird. Wegen der Wiedersehensfreude von Kollegen oder doch eher wegen dem Konkurrenzgehabe, was bei jedem Klassentreffen irgendwann durchschlägt?

Fast wie auf dem Schulhof; nur durfte diesen jeder kostenlos betreten. Bei der dmexco 2017 bleibt dies wohl eher vom Betrieb ausgewählten Personen vorbehalten. Ein Ticket ist nämlich nicht mehr umsonst erhältlich, sondern muss mit einem TKP von 99.000 € netto (damit es greifbarer ist) bezahlt werden. Die Vorteile der weniger langen Schlangen beim Eintritt und abends bei der Suche nach einer Fahrgelegenheit mal außen vor gelassen, stellt sich die Frage, ob Besucher den Preis boykottieren oder andere Gründe vorliegen.

Dabei kommen doch echte Superstars der Onlinewelt, wie beispielsweise Sheryl Sandberg, COO von Facebook oder Marc Pritchard von Procter & Gamble. Die muss man doch gesehen haben! Und schließlich zahlt man für ein Festival mit zwei bis drei Tagen und hohem Entertainmentfaktor auch zwischen 100,00 – 150,00 Euro. So gesehen ist die dmexco ein Schnäppchen mit genauso langen Schlangen vor den Toiletten. Und man lernt noch was dazu. Oder etwa nicht?

Die Meinungen gehen weit auseinander

Je nach Branchenzugehörigkeit gibt es drei Teams: Team A, die sogenannten Young Professionals. Man könnte auch sagen junge Nachwuchstalente, aber das wäre zu eingedeutscht. Team A ist schwer begeistert von der Messe, der coolen Branche und den tollen Giveaways (eingedeutscht = Werbegeschenke). Sie fühlen sich inspiriert von dem Motto „Lightening the age of transformation“. WOW, klingt super wichtig, da muss ich hin und kann zuhause damit prahlen, was ich für tolle Dinge gelernt habe. Klingt fast so wichtig wie Polymerase-Kettenreaktion, ist es aber nicht und eben nur ein Motto.

Diese Rechnung wird jedoch ohne die Millenials (eingedeutscht = Jahrtausender) gemacht! Diese sind nicht so leicht zu beeindrucken, wie es sich die Young Professional Millennials wünschen.

Und hat man nicht irgendwann mal gelernt „Der Kunde ist König“? Warum wird dann alles getan, um den potenziellen Kunden zu jeder Zeit auf jedem Device (eingedeutscht = Gerät) zu nerven? Adblocker schon vergessen? Gerade die Generation Jahrtausender lässt sich nicht durch Online-Werbung begeistern.

Nein, die junge Zielgruppe vertraut auf echte Erfahrungswerte von Bloggern und sogenannten Influencern (eingedeutscht = Beeinflusser). Wenn sich diese wiederum beeinflussen und ganz offensichtlich bezahlen lassen, dann hagelt es selbst für die sonst beliebtesten Blogger einen Shitstorm (eingedeutscht = lawinenartige Auftreten negativer Kritik). Das Schlimme ist: Niemand lernt daraus, außer die Kunden.

Kommen wir zu Team B

Hierbei handelt es sich um sogenannte Spezialisten, deren Stimme oftmals auch Gehör findet. Viele Anhänger dieser Spezies überlegen sich Jahr für Jahr, womit sie so richtig Eindruck bei Team A schinden können. So werden Buzzwords (eingedeutscht = Schlagwörter) wie Content Marketing, Big Data, Influencer-Marketing, Growth Hacker usw. in den Raum geworfen. Vornehmlich findet man Mitglieder dieses Teams auch auf den Panels und den Bühnen der dmexco an. Ein wirklicher Austausch zwischen Team A und Team B findet im Anschluss nicht statt. Entweder hat Team A noch gar nicht verinnerlicht, was da nun als nächstes großes Ding in den Raum geworfen wurde oder der Terminkalender von Team B ist bereits voll bis oben hin.

Team B ist zu vergleichen mit den Typen beim Klassentreffen, die den ganzen Abend von sich erzählen und was sie schon alles erreicht haben. Jeder will die Lorbeeren für sich kassieren, Konkurrenz aus Team A ist nur ungern gesehen.

Wissen die wirklich schon alles? Wie sonst lässt es sich erklären, dass nach schwer verdaulichen Vorträgen oft nur selten Fragen gestellt werden? Unsicherheit, weil sich Team A im Publikum nicht die Blöße geben möchte, eventuell peinliche Fragen zu stellen? Wie erklärt es sich, dass die meisten Innovationen nur von einigen ganz wenigen auch ansatzweise angetrieben und umgesetzt werden?

Mobile Marketing, Customer-Journey und Co.

Vor langer Zeit war der große Hype noch Mobile Marketing, was sich allerdings nie so wirklich richtig durchgesetzt hat. Oder warum hat Mobile-Traffic noch immer einen qualitativ minderwertigen Ruf und wird nur minimalistisch bezahlt?

Es ist die Rede vom großen Trend User-Experience-Optimization. Wahnsinn, das klingt so trendy. Eingedeutscht heißt es Verbraucher-Erfahrungs-Optimierung. Nicht ganz so spannend oder? Ist das tatsächlich ein Trend über den man sprechen muss? Oder ist es vielmehr so, dass es selbstredend ist, jede Kampagne zu einem tollen Erlebnis für den Verbraucher zu machen?

Auch die Customer-Journey (eingedeutscht = Verbraucher-Reise) soll künftig mehr berücksichtigt werden. Ja natürlich, warum ist die Branche auch nicht schon früher darauf gekommen?! Dann gäbe es sicherlich auch solche verrückte Sachen wie Produktproben, Gutscheine, Newsletter, Bewegtbild ... Ach stimmt, gibt es ja bereits, nur eben nicht anständig kombiniert.

Content Marketing, aktuell als Heilsbringer für gutes Google Ranking, und damit verbunden, relevanten Traffic gesehen. Guter Ansatz: Der Webseiten-Besucher bekommt wieder Inhalte, die ihn interessieren und informieren. Die Adblocker sind laut der Branche nämlich nicht entstanden, weil mit nervenden Bannern, Videos und sonstigen aufdringlichen Formaten die Besucher verscheucht wurden. Nein! Es lag einzig an der Relevanz der Werbung. Banner und PopUps sind doch super und erzielen enorm gute Klickraten, wenn sie denn relevante Inhalte liefern. Ja, na klar!

Der Ansatz der Profis aus Team B muss gut sein. Schließlich haben sie oft jahrelange Erfahrung und eine große Brand (eingedeutscht = Marke) im Rücken. Durch diverse Anzeigenschaltungen bekommen sie dann auch eine Seite in wichtigen Fachzeitschriften. Nebenbei gefragt: Ist das eigentlich auch Content Marketing?

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