Expertenbeitrag

 Carolin Desirée Töpfer

Carolin Desirée Töpfer

CEO/ CTO, Cyttraction

Expertenbeitrag: #MahinaJourney Lieber 10x Umsatz als noch 1x Krise

Nachdem marconomy Expertin Carolin letztes Jahr ihr Cybersecurity Startup Cyttraction in Estland ohne Investorengelder aufgebaut hat, geht es in schnellem Tempo für sie weiter. Durch ihre mittlerweile 4 YouTube-Kanäle hat sie viel über Content Produktion, Aufmerksamkeitsspannen und die aktuelle Gefühlslage von Lernenden und Zuschauern gelernt.

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"Lieber später eine sichere Lernplattform präsentieren, die auch lokale Compliance-Vorgaben abdecken kann, als jetzt mit einem zusammengeschusterten Test-Produkt an den Markt gehen, das uns und unseren Kunden Probleme bereitet." - Carolin Desirée Töpfer
"Lieber später eine sichere Lernplattform präsentieren, die auch lokale Compliance-Vorgaben abdecken kann, als jetzt mit einem zusammengeschusterten Test-Produkt an den Markt gehen, das uns und unseren Kunden Probleme bereitet." - Carolin Desirée Töpfer
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Liebe Carolin, in unserem letzten Update vor einem halben Jahr hast du uns berichtet, wie du dein Cybersecurity Startup Cyttraction in Estland ohne Investorengelder aufgebaut hast, wie läuft es aktuell? Wie viele Cyttraction Gesellschaften gibt es mittlerweile?

Unsere Content Produktion und der technische Kern laufen über die estnische Cyttraction OÜ, dann gibt es noch die Cyttraction, Inc. für den US-Markt und die deutsche cdt digital GmbH haben wir zu Beginn des Jahres in Cyttraction GmbH umbenannt. So haben deutsche Kunden, die bei größeren Verträgen Wert auf einen deutschen Gerichtsstand legen, einen passenden Vertragspartner.

Das Marketing sowohl für Cyttraction als auch für das Mahina Projekt, über das wir in Zukunft nicht nur diverse Tech Gründer/innen fördern, sondern auch in sie investieren möchten, läuft mittlerweile über die estnische emoticomms OÜ. So sind Marketing und Freelancer sowohl operativ als auch technisch vom Cyttraction Kerngeschäft getrennt. Das bringt den Kreativen mehr Freiheiten, führt zu einer schlanken IT Infrastruktur und praktikablen Governance Vorgaben.

Und wie verdienen die einzelnen Unternehmen derzeit Geld?

In den letzten Monaten haben wir für jedes einzelne eigene Einnahmequellen geschaffen. Unsere ersten öffentlichen Cybersecurity Basis-Kurse laufen weiterhin über die amerikanische Cyttraction, Inc.

Zudem wird es ab dem zweiten Halbjahr 2022 einen umfangreichen 6-Monats-Kurs für Unternehmer/innen geben, die ihr Business sicher und skalierbar aufsetzen möchten.

Außerdem arbeiten wir an einem Paket aus Anleitungen und Vorlagen, die es auch Mitarbeitern ohne technischen Hintergrund erlauben, die grundlegende Dokumentation für ein wasserdichtes Cybersecurity Management zu erstellen. Wenn das ein/e Werkstudent/in oder die Team Assistenz übernehmen kann, werden die wenigen technischen Fachkräfte im Unternehmen massiv entlastet und können auf dieser Grundlage dann ihre eigentliche Expertise zum Einsatz bringen.

Die estnische Cyttraction OÜ ist, wie bereits gesagt, unsere Tech und Produktionseinheit. Hier produzieren wir Videos und Lernmaterialien zu IT Sicherheit & Forensik für unsere Kurse und Kundenprojekte.

Aktuell arbeiten wir an einem Weiterbildungskurs für Programmierer. Auch unser Partner-Netzwerk CyXperts läuft über diese Firma. Das sind geprüfte IT Dienstleister und Software-Anbieter, die unsere Leser und Kunden bei der Umsetzung von IT Sicherheits- und Datenschutz-Maßnahmen unterstützen bzw. entsprechend sichere Lösungen anbieten.

In Zukunft kommen noch ein Portal hinzu, das Recruiter mit den Absolventen unserer Programmierer-Weiterbildung zusammenbringt. Und auf meiner Radtour 2020 hatte ich ja bereits begonnen, Hotels auf ihre Tauglichkeit für Digitale Nomaden zu testen sowie das Personal entsprechend weiterzubilden. Auch diesen Ansatz werden wir Ende des Jahres wieder aufgreifen, die Inhalte digitalisieren und die Informationen und Buchungs-Rabatte für sogenannte "Workations" über unsere Blogs & Kanäle zur Verfügung stellen.

Für die Kurse bieten wir Einzelabrufe und Unternehmens-Lizenzen an und für die Netzwerke verlangen wir jeweils eine Jahresgebühr. Bei Anfrage für Content Produktionen, erhält jedes Unternehmen natürlich ein individuelles Angebot.

Mit unseren US- und EU-Angeboten bin ich schon zufrieden. Spannend bleibt, wie es mit der deutschen GmbH weitergeht. Aktuell halten viele Kunden ihre Budgets zurück. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind noch akut, hinzu kommen Lieferengpässe, extreme Schwankungen an den Aktien-Märkten, die Ukraine-Krise und natürlich der Fachkräfte-Mangel.

Daher ist die Erstellung eines skalierbaren Angebots - abgesehen von unseren deutsch-sprachigen Basis-Kursen - für den deutschen Markt gerade schwierig. Außerdem sprechen eigentlich alle ITler zwangsweise Englisch. Sonst kommt man auch in Admin Dashboards und beim Programmieren nicht weiter.

Bisher bieten wir daher unsere Unternehmens-Lizenzen auch gegen deutsche Rechnung an. Zudem habe ich in 2022 noch einmal 30 Termine für persönliche Online Cybersecurity Bootcamps reserviert. Das sind 3-Stunden Trainingseinheiten mit Geschäftsführern im 1:1 oder Teams von bis zu 12 Personen, wo wir gezielt über die spezifischen IT Sicherheits-Themen sprechen, Ängste abbauen und jeder seine persönlichen Fragen beantwortet bekommt.

Und theoretisch bin ich auch noch als Keynote Speakerin buchbar.

Das sind insgesamt 10 Angebote. Wie kam es dazu?

Neben den Ergebnissen meiner Recherche, war das auch meine größte Erkenntnis aus der Corona-Krise. Je weniger Angebote und je kleiner die Kunden-Zielgruppe, desto schwieriger ist es natürlich auch, durch so eine Zeit zu kommen. Und gerade B2B Kunden sind für lange Entscheidungs-Prozesse berüchtigt.

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Natürlich haben wir nicht unüberlegt irgendwas entwickelt, sondern immer unsere Expertise und gewisse Synergie-Effekte im Blick behalten.

Schaut man sich erfolgreiche Unternehmer/innen und ihre Geschäftsmodelle bzw. Investitionen an - vor allem, wenn diese mal einen 10- bis 20-Jahres Rückblick geben - hat kaum eine/r nur eine Einnahmequelle.

Besonders amerikanische Tech Expert/innen legen Wert auf Plattform-Ansätze und Netzwerk-Effekte.

Wie sehen das eure Kunden?

Bisher hat sich noch niemand beschwert - eher im Gegenteil. Tatsächlich ist es so, dass Kunden uns eher weniger über Interviews wie dieses hier finden. Meist suchen sie nach einer zeitnahen Lösung für ihr Problem im Bereich IT-Sicherheit.

Ein Kunde mag sich vielleicht zuerst für einen unserer Online-Kurse anmelden und dann die CyXperts-Liste auf dem Blog finden. Ein anderer sucht gezielt nach Weiterbildungen für seine Programmierer. Wieder ein anderer folgt uns auf unseren Social Kanälen und hat erst 6-18 Monate später einen konkreten Bedarf und die Budget-Freigabe für eine Zusammenarbeit.

Aus der IT & Sicherheits-Szene gab es viel Lob dafür, dass wir nicht einfach eine wacklige Lernplattform ohne entsprechendes Budget und Teamstärke ins Internet stellen. Besonders im Rahmen der Log4j Sicherheitslücke Ende 2021 hatte ich dazu viele Diskussionen. Es kommt eben nicht nur darauf an, irgendetwas aufzubauen und zu skalieren, sondern auch mit dem Vertrauen und den Daten seiner - oft hoch regulierten - Kunden ordentlich umzugehen. Und das geht in unserem Fall nur, wenn wir entsprechend investieren können.

Also sprichst du auch in 2022 viel mit Investoren?

Nein, tatsächlich kaum. Cyttraction ist jetzt insgesamt an einem Punkt, wo wir eine solide Basis für regelmäßige Umsätze und weiteres Wachstum geschaffen haben.

Es gibt ein paar Investoren, die von mir quartalsweise ein Reporting bekommen, aber der Hauptfokus liegt auf B2B Sales.

Wo liegt dein Schwerpunkt bei B2B Sales?

Ich bin immer noch froh, dass ich vor 6 Jahren mit meinem Blog Digitalisierung jetzt! angefangen und dass ich mich auch dort immer auf B2B und Tech Themen fokussiert habe. Das limitiert zwar die Reichweite, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Leser auch eine Zusammenarbeit anfragen.

Der Blog ist mittlerweile Teil unseres Website-Netzwerks. Alle anderen Social-Media-Kanäle sowie PR-Aktivitäten bauen darauf auf. Das macht uns weniger abhängig von Trends und Änderungen bei den Netzwerken.

Interessanterweise verschiebt sich gerade viel Business Kommunikation zu Instagram. Und seit man Beiträge automatisch auf Facebook Re-posten kann, ist auch dieser Kanal wieder ein bisschen aktiver. Auch über unsere YouTube-Kanäle sind wir schon häufiger gefunden worden. Und ja, ich antworte tatsächlich überall persönlich auf nette Nachrichten.

Ganz spannend ist auch, dass die Präsenz auf anderen Lernplattformen durchaus gutes Marketing sein kann. Neben den Udemy-Kursen habe ich einfach mal alle Fragen die ich von anderen Gründern/innen über die Jahre bekommen habe in 3 Skillshare-Kursen zu Bootstrapping, B2B Sales und Finanzen zusammengefasst. Der ein oder andere Teilnehmer schaut danach noch mal ein bisschen weiter, was mein eigentlicher Job ist - und landet bei Cyttraction.

Und dann bin ich ja auch ein Fan von persönlichen Nachrichten, Empfehlungen und regelmäßigen Cold Calling-Tagen. Das gehört nun mal dazu und - egal ob erfolgreich oder nicht - hält ein Unternehmen nah am Markt.

Das sind viele verschiedene Angebote und Kanäle, auf denen ihr unterwegs seid. Macht es das nicht schwieriger, später eure eigene Lernplattform zu vermarkten?

Ich bin da ganz entspannt. Sämtliche individuelle Kursteilnehmer dürfen wir kontaktieren, wenn es bei uns Neuigkeiten gibt. Unsere B2B Kunden und Interessenten wissen Bescheid, kennen unsere Cyttraction Agenda. Mit einigen telefoniere ich regelmäßig.

Es gibt die, die auf die Plattform warten, in der alle Services und Netzwerke integriert sind. Und es gibt auch die, die sowieso schon eine Lernplattform im Intranet haben und sich freuen, dass sie da schnell neue Inhalte publizieren können, ohne ein aufwändiges IT-Projekt inklusive Compliance-Prüfungen zu starten.

Meine Meinung bleibt weiterhin: Lieber später eine sichere Lernplattform präsentieren, die auch lokale Compliance-Vorgaben abdecken kann, als jetzt mit einem zusammengeschusterten Test-Produkt an den Markt gehen, das uns und unseren Kunden Probleme bereitet.

Wann geht es denn jetzt für dich weiter in die USA?

In meinem Kalender steht Mitte August 2022. Bis dahin will ich dafür sorgen, dass auf unserem US-Konto ein kleiner Puffer liegt, den ich in unser Sales Office in New York und ein kleines Studio in Los Angeles investieren kann.

Ein netter Nebeneffekt von unseren verschiedenen digitalen Einnahmequellen ist, dass sich dadurch mein Visums-Thema etwas entspannt hat. Ich darf dort vorerst keine bezahlten Vorträge und Workshops halten, aber die Online-Kurse und Verkäufe laufen weiter.

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