Warum B2B Unternehmen trotz hoher Investitionen in CRM und Marketing-Automation oft scheitern – und wie Revenue Operations die digitale Transformation von Marketing und Vertrieb endlich zum Erfolg führt.
Eine klare Systemarchitektur mit definierten Hauptsystemen ordnet das Tool-Chaos.
Ein mittelständischer Automobilzulieferer investiert 280.000 Euro in seine digitale Vertriebsinfrastruktur: 90.000 Euro fließen in Salesforce, 120.000 Euro in HubSpot Marketing-Automation, 70.000 Euro in eine SAP Commerce Cloud. Jede Lösung läuft – isoliert betrachtet – einwandfrei. Doch wenn ein Großkunde aus der Automobilindustrie eine komplexe Anfrage stellt, offenbart sich das Problem: Die Kaufhistorie liegt in SAP, die Kommunikation in HubSpot, die Opportunity in Salesforce. Der Key Account Manager jongliert zwischen drei Systemen, während der Kunde ungeduldig auf sein individuelles Angebot wartet.
Diese Situation kennen viele B2B Unternehmen. Laut einer McKinsey-Studie scheitern 70 Prozent der digitalen Transformationsprojekte im B2B Bereich nicht an fehlender Technologie, sondern an mangelnder Integration und falschen Prioritäten. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Ansatz lassen sich diese Fehler vermeiden.
Warum der Kulturwandel häufig über den Erfolg entscheidet
Der gravierendste Fehler beginnt bereits vor der Systemauswahl: B2B Unternehmen behandeln die Digitalisierung von Marketing und Vertrieb als reines IT-Projekt. Gerade in der Investitionsgüterindustrie, wo persönliche Beziehungen und technische Expertise über Jahrzehnte gewachsen sind, unterschätzen Führungskräfte den kulturellen Wandel massiv.
Ein Maschinenbauer aus dem Schwarzwald macht es vor: Statt die neue CRM-Lösung einfach auszurollen, startete das Unternehmen mit einer dreimonatigen Change-Phase. Der Vertriebsleiter wurde zum „Digital Champion" ernannt und erhielt ein eigenes Budget für interne Schulungen. Das Ergebnis ist eine deutlich höhere Nutzerakzeptanz.
Mein Tipp: Verankern Sie einen C-Level-Sponsor, der die digitale Transformation sichtbar vorantreibt. Definieren Sie gemeinsame Ziele für Marketing und Vertrieb sowie weitere Unternehmensbereiche, wenn dies sinnvoll ist. Und: Belohnen Sie die Zusammenarbeit statt Bereichsegoismen.
Wenn Marketing und Vertrieb aneinander vorbeiarbeiten
In vielen B2B Organisationen optimiert das Marketing die Lead-Anzahl, während der Vertrieb auf Abschlussquoten schaut. Der Customer Success misst Tickets. Niemand verantwortet die gesamte Customer Journey vom ersten Whitepaper-Download bis zum Folgeauftrag. Diese Silostrukturen sind im B2B besonders fatal: Buying Center bestehen heute aus mehreren Entscheidern. Jeder recherchiert eigenständig, nutzt verschiedene Kanäle und erwartet konsistente Informationen. Wenn Marketing andere Produktvorteile kommuniziert als der Vertrieb und der Service nichts von beiden weiß, verliert das Unternehmen Glaubwürdigkeit.
Gelöst werden kann dieses Problem mit Revenue Operations. Dabei handelt es sich um ein strategisches Framework, das Vertriebs-, Service- und Marketingabteilungen in Einklang bringen soll und den gesamten Umsatzprozess als Einheit begreift. Revenue Operations definiert nicht nur gemeinsame KPIs und Prozesse, sondern schafft auch die technische und organisatorische Infrastruktur für die durchgängige Kundenbetreuung. Vom ersten Touchpoint auf der Website über die Vertriebsverhandlung bis zum After-Sales-Service – alles greift nahtlos ineinander.
Mein Tipp: Implementieren Sie Revenue Operations (RevOps) als verbindende Klammer. RevOps synchronisiert nicht nur Systeme, sondern definiert einheitliche Prozesse vom Marketing Qualified Lead (MQL) bis zum Sales Qualified Lead (SQL).
Das teure Tool-Chaos
Die Marketingabteilung nutzt Account Engagement (ehemals Pardot), der Vertrieb schwört auf Pipedrive, der Service arbeitet mit Zendesk, und die Geschäftsführung will Power BI-Dashboards. Jede Abteilung hat ihr Lieblingswerkzeug – Integration? Fehlanzeige. Dieser Wildwuchs ist teuer und ineffizient. Ein mittelständischer Industriedienstleister reduzierte seine MarTech-Landschaft drastisch und sparte dadurch 120.000 Euro Lizenzkosten pro Jahr. Gleichzeitig stieg die Vertriebsproduktivität um 30 Prozent, weil Mitarbeitende nicht mehr zwischen den Systemen wechseln mussten.
Mein Tipp: Erstellen Sie eine klare Systemarchitektur mit definierten Hauptsystemen. Legen Sie fest, welches System für welche Daten führend ist. Nutzen Sie moderne Integration Platform as a Service (iPaaS) Lösungen wie n8n oder MuleSoft für nahtlose Verbindungen. Und: Vereinfachen Sie radikal. Implementieren Sie Single Sign-On. Schaffen Sie rollenspezifische Dashboards, die in 30 Sekunden die wichtigsten Informationen liefern. Investieren Sie in User Experience – sie zahlt sich durch höhere Adaption aus.
Stand: 08.12.2025
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Die fünf wichtigsten Learnings zur digitalen Exzellenz im B2B
Die Digitalisierung von Marketing und Vertrieb im B2B Bereich ist keine technische, sondern eine strategische Herausforderung. Erfolgreiche Unternehmen verstehen: Revenue Operations ist der Schlüssel zur digitalen Transformation. Es verbindet Menschen, Prozesse und Technologie zu einem schlagkräftigen Go-to-Market-System.
Auf Basis unserer Agenturpraxis und langjährigen Projekterfahrungen haben wir folgende Learnings für erfolgreiche B2B Digitalisierung herausgearbeitet
1. Change first, Technology second: Beginnen Sie mit der kulturellen Transformation. Technologie ist nur ein Enabler.
2. End-to-End denken: Verabschieden Sie sich von Abteilungsdenken. Der Kunde erlebt Ihr Unternehmen als Einheit.
3. Daten sind Gold: Investieren Sie in Datenqualität, bevor Sie in Analytics investieren. Ohne saubere Daten keine validen Erkenntnisse.
4. Weniger ist mehr: Lieber wenige, gut integrierte Systeme als einen Tool-Zoo. Jedes zusätzliche System erhöht die Komplexität exponentiell.
5. User Experience entscheidet: Das beste System nützt nichts, wenn es keiner nutzt. Investieren Sie in Schulung und intuitive Bedienbarkeit.
Der Weg aus dem digitalen Chaos
Die digitale Transformation von Marketing und Vertrieb duldet keinen Aufschub mehr. Gartner prognostiziert, dass bis 2025 bereits 80 Prozent der B2B Interaktionen digital ablaufen werden. Gleichzeitig drängen agile Wettbewerber aus den USA, China und Indien auf den Markt – ohne Legacy-Systeme und mit durchgängig digitalen Prozessen. Der erste Schritt zur Veränderung ist die Erkenntnis: Ihr Problem ist nicht die Technologie. Es sind die Silos, die falschen Prioritäten und die fehlende Integration. Revenue Operations bietet den Ausweg – aber nur, wenn Sie bereit sind, alte Strukturen aufzubrechen. Definieren Sie Ihre ideale B2B Customer-Journey und leiten Sie daraus Ihre Systemlandschaft ab. Investieren Sie in Change-Management und Datenqualität. Und vor allem: Machen Sie Revenue Operations zur Chefsache. Nur so wird aus dem digitalen Flickenteppich ein durchgängiger Wertschöpfungsprozess.
*Daniel Palm ist Chief Marketing Officer der inhabergeführten Digitalagentur SUNZINET.