Praxiscase

Unterwegs zu einer neuen Führungskultur

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Mitarbeiter wählen ihre Führungskräfte

Im zweiten Jahr des Projektes zeigte sich: Nicht nur die Werte und Rituale sowie das Verhalten müssen angepasst werden, sondern auch die Strukturen und die Organisationsform sind überholt. Starke Veränderungen an der Aufbauorganisation von Unternehmen führen jedoch in der Regel zu Stress und Widerstand. Somit bestand die Gefahr, dass beim Versuch eine neue, schlanke Führungsstruktur – unter starker Beteiligung der Mitarbeiter – aufzubauen, das gerade gewonnenes Vertrauen wieder zu zerstören.

Die letztendlich gewählte Lösung war einfach und für viele Mitarbeiter und Führungskräfte revolutionär. Gemeinsam mit einer Projektgruppe entschied die Geschäftsleitung, dass es bei ORBIT künftig nur noch drei Führungsebenen geben soll: die Geschäftsführung, die Bereichsleitung und die Leitung der Competence-Center. Und – bei der Besetzung der Competence-Center-Leitung sollen die Mitarbeiter stark beteiligt sein.

Zuvor wählte die Geschäftsleitung die Führungskräfte alleine aus, wobei die Kriterien „fachliche Kompetenz“ und „Anzahl der Dienstjahre“ entscheidend waren. Diese Kriterien sind immer noch wichtig. Doch wer von den Bewerbern eine Führungsposition erhält, wird nun in geheimer Wahl bestimmt und zwar durch ein Gremium, das sich aus Mitarbeitern, Betriebsrat und Geschäftsleitung zusammensetzt. Dies war laut Kissel ein starkes Signal seitens der Unternehmensleitung an die Mitarbeiter: „Wir wollen eine andere Art von Führung etablieren und dazu sind wir auf eure Mitsprache und euer Engagement angewiesen.“

Mitarbeiter bewerten die Qualität

Zugleich arbeitet das Unternehmen durch Teamentwicklungsmaßnahmen daran, die bereichsübergreifende Zusammenarbeit und Kommunikation zu stärken. So treffen sich zum Beispiel beim „Bier um halb vier“ Mitarbeiter aller Unternehmensbereiche freitags nachmittags bei einem Kaltgetränk zu einem Gedanken- und Meinungsaustausch – auch um sich persönlich besser kennenzulernen.

Führungskräftefeedback-Rader der ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH.
Führungskräftefeedback-Rader der ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH.
(Bild: ifsm)

Um den Entwicklungsprozess voranzutreiben und zu evaluieren, wurde 2016 mit ifsm-Unterstützung ein IT-gestütztes Führungsfeedback durchgeführt. Hier konnten die Mitarbeiter ein Votum abgeben, wie sie die Führung – gemessen an den Führungsfokussätzen – einstufen. Dabei zeigte sich: Verglichen mit der Befragung zu Beginn des Projekts hat sich die Beziehung zwischen den Führungskräften und ihren Mitarbeitern verändert. Sie ist heute viel stärker als früher von Vertrauen und einem partnerschaftlichen Miteinander geprägt. Die Ergebnisse der Befragung wurden erneut publik gemacht. Zudem trafen sich ifsm-Berater mit den Führungskräften zu Coaching-Gesprächen über das Mitarbeiter-Feedback. Im Bedarfsfall wurde dabei geklärt, wie konstatierte Mängel beseitigt werden können.

Neue Vision: „Unverkennbar ORBIT“

2016 entwickelte ORBIT zudem intern die neue Vision „Unverkennbar ORBIT“. Diese Vision bezieht sich auf die Dimensionen „Kunde“, „Positionierung“, „Führung“, „Unternehmenskultur“, „Personalentwicklung“ und „Fokussierung“. Dahinter verbirgt sich laut Geschäftsführer Baumann folgendes Ziel beziehungsweise folgender Selbstanspruch: „Für unsere Kunden soll auf allen Ebenen der Zusammenarbeit mit ORBIT erfahrbar sein, dass wir anders sind als die meisten IT-Dienstleister. Die Kunden sollen ebenso wie die Mitarbeiter im alltäglichen Miteinander die Werte und Überzeugungen spüren, für die ORBIT steht – und zwar an vielen scheinbaren Kleinigkeiten, die letztlich jedoch den großen Unterschied ausmachen.“

Dies setzt voraus, dass sich die ORBIT-Mitarbeiter regelmäßig vor Augen führen „Wofür stehen wir?“ und „Was ist uns deshalb bei unserer Arbeit, im Miteinander und im Kundenkontakt wichtig?“ Um dieses Bewusstsein zu schärfen, übernahmen einige Mitarbeiter freiwillig die Funktion der Visionsbotschafter: Als Mittler zwischen den Mitarbeitern fördern sie die Kommunikation über die verschiedenen Facetten und Implikationen der Vision. Mit den Botschaftern wird aktuell daran gearbeitet, die Vision des Unternehmens im Arbeitsalltag und im Kundenkontakt noch stärker erfahrbar zu machen.

Andreas Baumann ist Geschäftsführers der ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH.
Andreas Baumann ist Geschäftsführers der ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH.
(Bild: Robert Landes)

Diese Weiterarbeit an den kulturverändernden Themen und Projekten ist Andreas Baumann sehr wichtig, obwohl er zugleich konstatiert: „Die Kultur von ORBIT hat sich seit 2012 bereits sehr verändert. Sie entspricht heute der eines modernen Dienstleisters, mit dem sich die Mitarbeiter stark identifizieren.“ Entsprechend gering ist die Mitarbeiterfluktuation. Aufgrund der vielen positiven Bewertungen durch Arbeitnehmer und Bewerber wurde ORBIT vom Arbeitgeber-Bewertungsportal kununu das Gütesiegel „Top-Company“ verliehen.

Die Veränderung lohnt sich und geht weiter …

Auch die Kunden spüren offensichtlich: Bei ORBIT hat sich viel verändert. Kein Zufall ist es für Andreas Baumann, dass sich der Umsatz des IT-Dienstleisters seit 2012 fast verdreifacht und die Mitarbeiterzahl mehr als verdoppelt hat. Er erachtet „die konsequente und nachhaltige Entwicklung eines neuen Werte- und Führungsverständnisses als zentrale Ursache für unseren wirtschaftlichen Erfolg: Was wir an Beratungshonoraren investiert haben, hat sich um ein Vielfaches amortisiert.“

Dies darf jedoch, so sein Credo, kein Anlass sein, stillzustehen und sich selbstzufrieden auszuruhen. „Das enorme Wachstum unseres Unternehmens stellt uns gerade vor große neue Herausforderungen. Wir müssen schauen, dass die Organisation und die Strukturen mitwachsen und immer wieder angepasst werden. Deshalb werden wir auch künftig, nicht nur in die Entwicklung der fachlichen Kompetenz, sondern auch in die kulturelle Entwicklung unseres Unternehmens investieren. Denn wir wollen für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter weiterhin „Unverkennbar ORBIT“ sein.“

Über das Unternehmen

ORBIT ist ein mittelständisches IT-Dienstleistungs- und Handelsunternehmen für komplexe IT-Lösungen. Es bietet Beratung, Systemintegration, Entwicklung und Implementierung von Softwarelösungen und sorgt dafür, dass sich seine Kunden auf ihr Geschäft konzentrieren können. Das Systemhaus ORBIT gehört zur Detecon International GmbH, einem Unternehmen der Deutschen Telekom Gruppe und der T-Systems International GmbH.

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