Die wirtschaftliche Situation ist derzeit eine Herausforderung. Sparen hat Priorität, Ausgaben werden genau geprüft. Umso wichtiger ist daher jetzt gutes Housekeeping, vor allem beim Onlineauftritt. Sie sollten daher folgende Punkte beachten.
Den Online-Auftritt richtig optimieren – wie gutes Housekeeping gelingt.
E-Commerce-Riese Amazon überraschte im Oktober Konkurrenz und Kunden mit einem zweiten Prime Day. Der Umsatz lag mit „nur“ 5,7 Milliarden US-Dollar zwar unterhalb des traditionellen Prime Days im Juli (7,5 Milliarden US-Dollar), doch hat er seine Ziele womöglich trotzdem erfüllt: Nicht nur hat Amazon mehr verkauft als an normalen Tagen und so gleichzeitig seine Lagerbestände senken können, das Unternehmen konnte auch wichtige Erkenntnisse darüber sammeln, welche Waren derzeit besonders nachgefragt werden.
Dass aber selbst für einen der größten Onlinehändler der Welt ein außerordentlicher Rabatttag nötig ist, um diese Ziele zu erreichen, verdeutlicht, wie schwierig die wirtschaftliche Lage derzeit allgemein ist. Studien zeigen beispielsweise, dass die große Mehrheit der Verbraucher ihren Konsum inzwischen bewusst einschränkt. (Vor-)Weihnachtszeit hin oder her, angesichts der hohen Inflation und der drohenden Rezession hält sich die Freude allerseits in Grenzen.
Betroffen sind davon auch B2B Unternehmen, denn auch ihre Kundschaft bleibt von hohen Energie-, Rohstoff- und Lieferkosten nicht verschont und setzt den Rotstift an. Investitionen in neue Lösungen, Geräte oder Maschinen werden verschoben oder komplett gestrichen, Dienstleistungen werden nicht mehr in Anspruch genommen.
Was nicht verfügbar ist, sollte auch nicht als verfügbar erscheinen
Doch Unternehmen müssen sich dieser Ausgangslage nicht ergeben und auf Besserung hoffen. Stattdessen können sie proaktiv Maßnahmen treffen, mit denen sie ihre gesamte Onlinepräsenz optimieren und somit ihre Kunden umfassender und gezielter ansprechen.
So sollten Unternehmen zum Beispiel schnellstmöglich eine gründliche Inventur durchführen, um herauszufinden, welche Waren sie tatsächlich auf Lager haben. Denn nichts ärgert Kunden wahrscheinlich so sehr, wie wenn sie Produkte angezeigt bekommen, die sich später – womöglich erst während des Bezahlvorgangs – als nicht verfügbar herausstellen. Daher sollte im Anschluss an die Inventur der Warenbestand kontinuierlich aktualisiert werden und mit dem Onlineshop integriert werden. Gleiches gilt für Dienstleistungen aller Art. Hier sollten Unternehmen ihren Kunden keine großen Versprechungen machen, sondern realistische Einschätzungen geben, wann und in welchem Umfang sie umsetzbar sind. Und auch ihre Werbemittel sollten der Situation angepasst werden. Ob Onlinebanner, Plakat oder Aufsteller, die beworbenen Produkte sollten tatsächlich für Kunden verfügbar sein.
Darüber hinaus kommt dem Onlineauftritt heute grundsätzlich eine große Bedeutung zu, ist er doch für viele Menschen inzwischen der erste Anlaufpunkt, um sich über Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen zu informieren. Dementsprechend sollten Unternehmen sich kritisch hinterfragen, ob ihre Webseite alle Anforderungen und Wünsche ihrer Kunden erfüllt. Ist sie logisch aufgebaut, sodass alle Informationen schnell gefunden werden? Wo finden sich Kanäle zur Kontaktaufnahme? Vermittelt der Onlineshop einen geordneten Eindruck?
Doch es geht bei der Onlinepräsenz nicht allein um das Aussehen, sondern auch darum, dass die Seite jederzeit schnell und makellos funktioniert. Allerdings sind monolithische Architekturen weiterhin stark verbreitet, bei denen eine ganze Reihe von Funktionen in einer gemeinsamen Codebasis vereint sind und in einem Prozess ausgeführt werden. Bei einem E-Commerce-System können dies beispielsweise Product-Information-Management-System (PIM), Content-Management-System (CMS) und Data-Asset-Management-System (DAM) sein. Das Problem dabei: Die Entwicklung und Implementation neuer Features nimmt in einer solchen Architektur oft Monate in Anspruch, da die Codebasis verändert werden muss. Zudem ist bei Störungen oft gleich das komplette System betroffen, ein Ärgernis für Unternehmen und Kunden.
Daher setzen Unternehmen heute zunehmend auf Microservices – kleine Dienste, die in der Regel nur eine einzige Aufgabe haben, diese dafür aber perfekt ausführen. Im konkreten Fall eines E-Commerce-Systems kann ein Microservice zum Beispiel für die Produktsuche zuständig sein. Der große Vorteil von Microservices besteht darin, dass sie unabhängig voneinander agieren und nur über APIs kommunizieren. Dadurch lassen sich schneller neue Funktionen implementieren oder Veränderungen umsetzen. Allerdings sollten Unternehmen sich bewusst sein, dass sie nicht von heute auf morgen ihre komplette Webseite oder ihren Onlineshop mithilfe von Microservices neu aufbauen können. Dieser Prozess kostet Zeit und ist zumeist auch nicht nötig. Stattdessen können sie ihre Systeme nach und nach auf Basis von Microservices weiterentwickeln und stellenweise ersetzen. Bei allem Aufwand – dieser Schritt wird sich mittel- und langfristig lohnen.
Stand: 08.12.2025
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Anpassung von Kommunikations- und Marketingstrategie
Zu guter Letzt sollten Unternehmen ihre Kommunikationskanäle stärker in den Fokus rücken: Wo werden sie wie von Kunden angesprochen? Wie wird von ihrer Seite aus kommuniziert? Wichtig hierbei ist neben einem höflichen und freundlichen Ton vor allem Einheitlichkeit: Kunden sollten nicht auf verschiedenen Kanälen unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage erhalten. Gleichzeitig sollten Unternehmen auch versuchen, ihre Marketingaktivitäten stärker auf die Kanäle zu verlegen, die ihre Kunden nutzen, ob es sich dabei nun um soziale Medien, Messenger-Dienste oder E-Mails handelt. Je nach Kanal gibt es zahlreiche Möglichkeiten, für breit angelegte genauso wie für personalisierte Kampagnen.
Trotz aller Krisen muss diese Weihnachtszeit nicht so düster ausfallen wie vielerorts befürchtet. Dafür müssen B2B Unternehmen aber ihr Housekeeping in Augenschein nehmen und die Basics erfüllen: Einen modernen, übersichtlichen Onlineauftritt hinlegen, Kunden nur das anbieten, was tatsächlich verfügbar ist, und eine Kommunikations- und Marketingstrategie verfolgen, die Kunden tatsächlich erreicht. Und von diesen Verbesserungen werden sie weit über die nächsten Monate hinaus profitieren.
*Robert Daubner ist Vice President Industry Acceleration Europe bei Endava.