So wechselwillig waren die Arbeitnehmenden in Deutschland noch nie. Diese Bereitschaft, einen neuen Job anzutreten, bringt Unternehmen in Bedrängnis. Jetzt heißt es, die Mitarbeitenden an sich zu binden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Erfahren Sie, wie digitale Pop-Up-Stores Unternehmen helfen können, die Bindung zur Unternehmensmarke zu stärken.
Pop up Store und Employer Branding – wie geht das zusammen? Das Stichwort lautet: Retention Management.
(Bild: FYFF)
Aktuell denken laut einer StepStone-Studie zwei Drittel der Angestellten regelmäßig über einen Jobwechsel nach. 64 Prozent beschäftigt der Gedanke, sich beruflich zu verändern, mindestens einmal im Monat. 2021 waren es noch 53 Prozent.
Das stellt Unternehmen vor riesige Herausforderungen. Denn gleichzeitig gehen durch den demografischen Wandel immer mehr Beschäftigte in Rente und immer weniger Menschen steigen ins Berufsleben ein. Diese Entwicklung zeigt, dass sich Unternehmen aller Art um ihre Mitarbeitenden kümmern müssen. Dabei kommt es nicht nur auf das Gehalt an, Mitarbeitende wollen auch wertgeschätzt werden. Wer das tut, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil, denn emotional gebundene Mitarbeiter sind zufriedener, motivierter und wechseln den Arbeitsplatz nicht so schnell.
Ein Webshop für die Mitarbeiter?
Als beliebtes Instrument zur Mitarbeiterbindung hat sich die Idee, eigene Webshops für die Mitarbeitenden aufzusetzen, entwickelt. Inzwischen begeistern sich dafür diverse Unternehmen – vom Startup bis zum Konzern. Die Inspiration dazu kam bei uns während Corona auf, um die Mitarbeitenden im Homeoffice zu erreichen und ihnen etwas Gutes zu tun.
Daraus entstand eine Lösung für Kunden und wir haben zeitlich limitierte Online Pop-Up-Shops entwickelt, in denen sich Mitarbeitende Merchandise-Produkte, aber auch Schreibtischstühle, Monitore und Yoga-Matten nach Hause bestellen konnten. Damit haben einige Unternehmen etwa den Coronabonus als Gutschein für die Onlineshops an ihre Mitarbeitenden weitergegeben.
Was diese Shops für die Belegschaft so begehrlich macht: Der Zugang ist zeitlich limitiert und das Sortiment exklusiv. So, wie es auch bei den physischen Pop-Up-Stores der Fall ist. Doch damit das Angebot ankommt, müssen sich die Merchandise-Produkte an die Bedürfnisse der Zielgruppe richten. Denn gerade bei gebrandeten Produkten darf es sich nicht nur um eine simple Übergabe eigener Artikel des Unternehmens an die Mitarbeitenden handeln – sie sollten auch immer eine emotionale Botschaft transportieren. Hier ein paar Beispiele:
Präsente fürs Onboarding: Neue Mitarbeiter können sich während des Onboarding Prozesses ihre eigenen Welcome-Produkte selbst im Shop zusammenstellen, die ihnen dann nach Hause oder in die Firma geschickt werden. Das ist eine gern gesehene Ergänzung zu den Standard-Maßnahmen wie Schulungen oder dem Blumenstrauß auf dem Schreibtisch. Solche Willkommensgeschenke tragen dazu bei, eine positive Grundhaltung gegenüber dem neuen Arbeitgeber zu schaffen und das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken.
Corporate Goodies für einen besonderen Event: Warum nicht einen eigenen Shop aufsetzen, bei dem sich die Mitarbeitenden coole Shirts oder Hoodies mit Firmenlogo aussuchen können, um an einem Event wie etwa dem Christopher Street Day oder der Fußball EM teilzunehmen? Der einheitliche Look verstärkt das Gefühl, Teil eines Teams zu sein und was DHL angeht, ging diese Strategie voll auf (s. Bild).
Fitness-Kit zum neuen Jahr: Unternehmen können Mitarbeitende dabei unterstützen, mehr auf ihre Gesundheit zu achten. Sehr beliebt ist es, etwa zum Jahresbeginn Produkte rund um das Thema Fitness anzubieten. Nach 4 bis 6 Wochen schließt der Shop dann wieder.
Freude schenken zum Firmenjubiläum: Mitarbeitende können sich zum Jubiläum Geschenke als Dankeschön aussuchen. Dabei stehen der Jubilar oder die Jubilarin im Vordergrund, weshalb die Präsente nicht unbedingt gebrandet sind.
Nicht nur die Geschenkeauswahl kann flexibel gestaltet werden, auch die Shops an sich. Sie können nämlich so angelegt werden, dass sie nicht nur für ganz bestimmte Aktionen, sondern auch für bestimmte Zielgruppe zugänglich sind.
Funktionsweise
Über verschiedene Nutzerrollen im Shop sehen Mitarbeiter nur die für sie relevanten Produkte. So kann ein Abteilungsleiter beispielsweise auch Mitarbeiterkleidung für seine Mannschaft bestellen, während sie diese Produkte gar nicht angezeigt bekommt – und dann bei der Übergabe umso mehr positiv überrascht sind. Der Vollständigkeit halber: gutem Design kommt hierbei natürlich eine Schlüsselrolle zu. Denn niemand möchte in einem schrecklich gestalteten Hoodie mit lieblos draufgeklatschtem Logo herumlaufen.
Zusätzlich erfüllen diese Pop-Up-Stores den Wunsch - von Mitarbeitenden und Unternehmen - nach mehr Nachhaltigkeit: Die Produkte werden erst nach der Bestellung produziert, also on Demand. Dadurch ergeben sich einige Vorteile: Zum einen haben Unternehmen den Vorteil, dass sie kein Geld vorstrecken müssen, um die Produkte fertigen zu lassen. Zum anderen wird eine Überproduktion vermieden. Das schont die Ressourcen, an die nicht nur bei der Produktion, sondern auch beim Versand gedacht wird: Für weltweit agierende Unternehmen kann die Ware von einem Zentrallager von Deutschland aus verschickt werden. Bestellungen aus dem Ausland werden gebündelt verschickt, sodass der CO2-Abdruck so gering wie möglich ist.
Und noch ein Punkt, den Unternehmen sehr zu schätzen wissen: Mit viel Erfahrung im Bereich Shop-Entwicklung und Merchandise kann innerhalb von 48 Stunden ein neuer Shop eröffnet und mit Produkten bestückt sein, der nach Mitarbeiterzahl und Produktportfolio frei skalierbar ist.
Heute geht es mehr denn je darum, Arbeitskräfte auch langfristig im Unternehmen zu halten. Denn die Nachbesetzung offener Stellen geht ins Geld. StepStone hat ebenfalls herausgefunden, dass es Arbeitgeber bis zu 130.000 Euro kosten kann, beispielsweise einen Job im Finanzwesen nachzubesetzen – und die Vakanz dauert im Schnitt 181 Tage. Umso wichtiger ist es, eine wertschätzende Kultur zu etablieren. Dabei kann sich ein solcher Pop-Up-Store als Puzzlestein im Retention Management erweisen.
*Maurice Hodge ist Gründer & Vorstand der Agentur Fyff.
Stand: 08.12.2025
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