Nachhaltigkeit Wie Routenoptimierung im Außendienst CO2 einsparen kann

Ein Gastbeitrag von Stefan Oehling*

Durch eine verbesserte Routenplanung könnten Unternehmen nicht nur ihre Flotten und Mitarbeitenden effizienter auslasten, sondern zudem Kundenzufriedenheit steigern sowie Kosten und CO₂-Ausstoß senken – ein erster Schritt hin zu mehr Klimaschutz und einer nachhaltigeren Arbeitsweise.

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Nachhaltigkeit wird zu einem immer wichtiger werdenden Verkaufsargument. Dabei können schon kleine Dinge helfen, weniger Kohlenstoffdioxid auszustoßen – wie beispielsweise eine Routenoptimierung im Außendienst.
Nachhaltigkeit wird zu einem immer wichtiger werdenden Verkaufsargument. Dabei können schon kleine Dinge helfen, weniger Kohlenstoffdioxid auszustoßen – wie beispielsweise eine Routenoptimierung im Außendienst.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Wie das Endkundengeschäft (B2C) verlagert sich auch B2B immer stärker ins Digitale. Mehr als drei Viertel aller B2B-Einkäufer und Verkäufer agieren laut einer McKinsey & Company Studie inzwischen lieber über das Internet, anstatt sich persönlich mit ihren Geschäftspartnern zu treffen. Einer Prognose von DHL Express zufolge werden bis 2025 80 Prozent aller B2B-Geschäfte zwischen professionellen Einkäufern und Lieferanten über das Internet ablaufen. Der zunehmende Online-Handel führt dazu, dass immer mehr Güter – insbesondere auf Straßen - transportiert werden.

Regelmäßig werden Firmen von Lieferanten angefahren und beliefert. Anders als im sehr wechselvollen B2C-Segment werden im B2B-Bereich dabei häufig fixe Routen genutzt. Flottenmanager und Disponenten suchen zunehmend Unterstützung in Form von Software, um die Routen möglichst optimal zu planen. Ein Problem dabei ist, dass die meisten Tools lediglich Fahrstrecke und Fahrzeit optimieren. Andere wichtige Faktoren, die beispielsweise Einfluss auf Kosten, Umweltbelastung und Kundenzufriedenheit haben, bleiben jedoch unberücksichtigt.

Berechnung der „optimalen“ Route

Je besser eine Routenoptimierung ausfallen soll, umso mehr Variablen sollten bei der Planung berücksichtigt werden. Neben grundlegenden Informationen zu Aufträgen wie Zielort und Sendungsgröße, werden oftmals Informationen zur Fahrzeugflotte, wie beispielsweise die Anzahl verfügbarer Fahrzeuge und deren jeweiliges Ladevolumen, verarbeitet. Darüber hinaus stehen dank moderner Technologien Informationen über weitere relevante Faktoren, wie Verkehrsflüsse und Wetterlage, zur Verfügung.

Mit zunehmender Komplexität der berücksichtigten Variablen ist eine größere Leistungsfähigkeit der eingesetzten IT-Systeme erforderlich. Damit einhergehende Mehrkosten zur Berechnung von Routen können aus dem Gleichgewicht mit den erzielbaren Optimierungen geraten. Software zur Planung von Routen sollte flexibel auf die individuellen Ziele der Routenoptimierung angepasst werden können. Dabei sollten nur diejenigen Variablen berücksichtigt werden, die einen signifikanten Einfluss auf das Ergebnis der Optimierung haben.

Gleichzeitig sollten möglichst wenige Lösungen vorab ausgeschlossen werden. Um die Komplexität von Berechnungen zu reduzieren, werden Aufträge oftmals anhand von starren Regeln vorstrukturiert. Ein bekanntes Beispiel hierzu ist die Unterteilung von Aufträgen nach Postleitzahlen. Dies führt fast zwangsläufig zu Ineffizienzen, etwa wenn zwei Haltepunkte geografisch nur wenige Straßen voneinander entfernt liegen, aber durch unterschiedliche Postleitzahlen getrennt sind.

Neue Ansätze für lernende Systeme

Das Unternehmen Greenplan hat zusammen mit der Universität Bonn einen neuen Algorithmus für die datenbasierte Routenoptimierung entwickelt. Das in der Kooperation entstandene System erlaubt eine feingliederige Planung, die auf die individuellen Ziele von Anwendern justiert werden kann. Die Digitalberatung Detecon hat das Unternehmen in der Justierung des Algorithmus auf die konkreten Anforderungen des Kunden begleitet.

Greenplan greift dafür auf eine Vielzahl akkurater Daten zurück, etwa auf historische Informationen darüber, wie schnell Lastkraftwagen in der Vergangenheit an einem bestimmten Wochentag innerhalb eines bestimmten Zeitfensters auf einer bestimmten Strecke vorangekommen sind.

Die Erstellung von Routenplänen kann individuelle Ziele berücksichtigen. Der auf Kosten optimierende Algorithmus versieht nicht erwünschte Ergebnisse dazu mit fiktiven Kosten. Soll beispielsweise ein Auftrag in einem vorgegebenen Zeitfenster erfolgen, wird jede Minute, mit der die Planung von dem vorgegebenem Zeitfenster abweicht, mit Extra-Kosten versehen.

Das System verfügt über technische Schnittstellen zu externen Anwendungen (etwa SAP, CRM, Auftragssysteme). Diese werden nicht nur genutzt, um Input-Daten für die Planung zu erhalten, sondern auch, um Plan-Daten wieder dorthin zurückzuspielen. So kann die Planung mit dem Ist-Zustand abgeglichen werden, was wiederum weitere Routenoptimierungen ermöglicht.

Aufträge müssen für die Berechnungen nicht vorab unterteilt werden. Vielmehr können je nach Auftragslage, gegebenenfalls sogar täglich, flexible Touren geplant werden. Auch das Unternehmen LogiNext Mile ermöglicht durch seine SaaS—Lösung eine dynamische Streckenplanung, auf deren Basis die Beschäftigten teilweise täglich neue Routen fahren. Das birgt wiederum Herausforderungen an ganz anderer Stelle.

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Der Faktor Mensch als Herausforderung

Mit dem Berufsbild der Fahrer von Lkw ist der Nimbus der Freiheit eng verbunden. Die Einführung einer neuen, computerbasierten Routenplanung, die sich noch dazu regelmäßig verändert, ist ein Change-Projekt, das zu Sorgen und Widerständen auf der Seite der Beschäftigten führen kann.

Computer machen recht strikte Vorgaben, an die sich die Mitarbeitenden halten und ihnen vertrauen müssen. Nur so kann das System seine Vorteile ausspielen und Effizienzen heben. Entscheiden sich Fahrer aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung anders als vorgeschlagen, torpediert die gut gemeinte Haltung den erfolgreichen Einsatz der neuen Planung womöglich.

Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe bei der Einführung neuer Systeme, wie denen von Greenplan, LogiNext Mile oder FleetMaster, besteht für Flottenmanager und Disponenten also darin, die Beschäftigten frühzeitig einzubinden und zu informieren. Das System nimmt zu einem gewissen Anteil die Routine aus dem Alltag heraus. Die Arbeit wird wieder herausfordernder. Das kann und will nicht jeder. Umso wichtiger also, in der Kommunikation die Vorteile herauszustellen. Gerade weil nicht starr geplant wird, ergeben sich bessere Arbeitsbedingungen für die Fahrenden. Die Lieferungen treffen stets pünktlich bei Kunden ein, was deren Zufriedenheit steigert und damit letztlich den Zustellenden und dem Arbeitgeber nutzt. Und auch die geringeren Emissionen und der damit verbundene Aspekt der Nachhaltigkeit sind ein gewichtiges Argument – sowohl den Mitarbeitenden als auch der Kundschaft gegenüber.

Einsatzmöglichkeiten abseits der Logistik

Grundsätzlich eignen sich Routenoptimierungssysteme für alle Einsatzbereiche, in denen viele Fahrten in einem Fuhrpark zu organisieren sind. KEP-Services und der Güterverkehr auf der Straße sind nur eine Facette. Die Lösungen können auch im Workforce-Management für den Außendienst eingesetzt werden. Das Facility-Management oder Kundendienst sind Parade-Beispiele dafür. Durch die optimierte Planung der Routen bleibt den Beschäftigten mehr Zeit zur Durchführung ihrer eigentlichen Aufgabe. Die Mitarbeitenden kommen entspannter bei den Kunden an. Da das jeweilige System unterschiedliche Parameter berücksichtigen kann, wie die Priorität der Aufträge oder die voraussichtliche Dauer der eigentlichen Aufgabe, werden optimale Routen und Ankunftszeiten entwickelt. Hektik und Leerlauf werden somit gleichermaßen vermieden.

Große Potentiale für Unternehmen

Im Ergebnis steht ein effizienterer Einsatz der Fahrzeugflotte und des Personals. Unternehmen können dadurch mehr Kunden bedienen, die Zufriedenheit dieser erhöhen und gleichzeitig CO₂-Emissionen reduzieren. Software-Lösungen zur Routenoptimierung können ungeahnte Potentiale zur Kostensenkung, aber auch Umsatzsteigerung aufzeigen. Effizienzsteigerungen können sogar bis zu zweistelligen Prozentsätzen erreichen. Wenn dies nun in einer gezielten Nachhaltigkeitskommunikation nach außen getragen wird, dann schlagen B2B-Unternehmen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie optimieren nach innen und können nach außen ihr Image in Richtung Nachhaltigkeit stärken.

Voraussetzung hierfür sind drei Dinge:

  • Eine kritische Masse von Aufträgen, die es zu bewältigen gibt.
  • Ein klares Optimierungs-Ziel, das auf Basis von Input-Daten berechnet werden kann.
  • Und ein Vertrauen aller Beteiligten, in den positiven Effekt moderner Technologien auf unsere zukünftige Arbeitswelt.

*Stefan Oehling ist Senior Consultant & Experte Smart Mobility bei Detecon.

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