Wertebarometer

Wie sieht der deutsche Mittelstand Digitalisierung und Internationalisierung?

| Redakteur: Georgina Bott

Die Ergebnisse der Studie zum Thema Digitalisierung und Internationalisierung sind gewichtige Forderungen des deutschen Mittelstands an die Politik und die Unternehmen selbst.
Die Ergebnisse der Studie zum Thema Digitalisierung und Internationalisierung sind gewichtige Forderungen des deutschen Mittelstands an die Politik und die Unternehmen selbst. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Kann der deutsche Mittelstand von Migrationsströmen profitieren? Welche Anforderungen werden vor dem Hintergrund der Digitalisierung und Internationalisierung des deutschen Mittelstands an den Fachkräfte- und Führungskräfte-Nachwuchs gestellt? Mit diesen Thematiken setzt sich eine aktuelle Studie auseinander.

Die Studie von TNS Emnid unter 1.000 Geschäftsführern und höheren Managern deutscher KMU im Auftrag des führenden B2B-Marktplatzes „Wer liefert was“ zeigt Ergebnisse, die gewichtige Forderungen des deutschen Mittelstands an die Politik und die Unternehmen selbst sind. Darüber hinaus ergibt sich aus den Ergebnissen ein Werteranking für den Führungsnachwuchs sowie tiefgehende Bedenken zum Stellenwert und zur Zukunftsfähigkeit des Mittelstandes.

Die Internationalisierung schreitet voran und mit ihr die Frage nach qualifiziertem (internationalem) Personal. Besonders der vorherrschende Fachkräftemangel verunsichert deutsche KMU, denn die Mehrheit der Befragten (59 Prozent) sieht in ihm eine Bedrohung für ganze Branchen. Dabei ist der Norden der Republik am pessimistischsten: Hier sind 64 Prozent um die Existenz ganzer Branchen besorgt, im Süden sind es 60 Prozent. Mit „nur“ 54 Prozent sieht der Westen die Entwicklung am wenigsten kritisch, im Osten sind die Befragten mit 62 Prozent fast so pessimistisch wie der Norden. Doch die Internationalisierung bringt auch Chancen mit sich. So glauben 56 Prozent der Befragten, dass internationale Fachkräfte leichter eingestellt werden können und 54 Prozent sind der Meinung, dadurch Qualität hinzugewinnen zu können.

„Die Welt vernetzt sich gerade neu und in vielen Branchen existieren Bedenken um die eigene Wettbewerbsfähigkeit. In DAX-Unternehmen ist es deshalb inzwischen gang und gäbe, internationale Fachkräfte – insbesondere im Management – einzusetzen. Doch der Mittelstand hat hier noch Nachholbedarf“, sagt Peter F. Schmid, CEO von „Wer liefert was“.

Die Skepsis überwiegt: Migration ist für mehr als die Hälfte kein Problemlöser

Welche Chancen bietet die Migration beim Thema Nachwuchskräfte in Deutschland? 46 Prozent der befragten Geschäftsführer sehen in der Migration mindestens große Chancen. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) hingegen sehen eher geringe Chancen. Dabei ist im Osten Deutschlands die Skepsis am stärksten ausgeprägt: Hier sprechen 51 Prozent von „eher geringen Chancen“ und nur 35 Prozent von „eher große Chancen“.

„In diesem Ergebnis steckt ein interessanter Widerspruch. Einerseits sehen KMU den Vorteil, dass durch die Internationalisierung ausländische Fachkräfte leichter einzustellen sind. Andererseits ist Migration immer noch ein mit Skepsis betrachtetes Thema“, so Schmid. „Grundsätzlich gilt: Kulturelle Vielfalt ist ein wichtiger Innovationstreiber, das Silicon Valley macht es uns vor.“

Das Siegel „Made in Germany“ wankt

Mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) befürchtet, dass das Siegel „Made in Germany“ durch die Internationalisierung keinen Bestand mehr hat. Auch glaubt mehr als jeder Dritte (35 Prozent), dass Know-how aus Deutschland abfließt und der Mittelstand so an Boden verliert. Deshalb finden 65 Prozent der Befragten es auch am wichtigsten, dass besonders die Nachwuchsführungskräfte das Siegel „Made in Germany“ im internationalen Wettbewerb sichern. Darüber hinaus erwarten 71 Prozent die Sicherung des Industriestandortes Deutschlands von der nachfolgenden Generation an Führungskräften.

65 Prozent der Befragten sehen in diesem Kontext als größte Herausforderung, dass Nachwuchsfachkräfte aufgrund der Dynamik der Digitalisierung die Geschäftsmodelle stetig erneuern müssen. 62 Prozent gaben an, dass die Integration digitaler Systeme die größte Herausforderung sei.

Traditionelle Werte als DNA der deutschen Wirtschaft

Neben all den Herausforderungen, die auf die nachfolgenden Generationen von Führungskräften zukommen, ist für viele das Thema Tradition weiterhin von Bedeutung. Denn 69 Prozent der Befragten fordern die Wahrung der Mittelstandswerte, wie zum Beispiel Qualität, Beständigkeit, Nachhaltigkeit, Spezialwissen.

Peter F. Schmid ist CEO bei „Wer liefert was“.
Peter F. Schmid ist CEO bei „Wer liefert was“. (Bild: Wer liefert was? © www.otzipka.de)

„Wichtig sind nach wie vor die traditionellen Werte des deutschen Mittestands, weil sie zeigen, was die DNA der deutschen Wirtschaft ausmacht. Wissen, Fähigkeiten und die Werte des Mittelstands sind Voraussetzung für die Standortsicherung“, sagt Peter F. Schmid.

Mit je 89 Prozent sehen die Befragten Leistung, Toleranz und Respekt, soziale Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kommunikation als die wichtigsten Werte an, die der Führungsnachwuchs zukünftig verkörpern müsse, um die Herausforderungen meistern zu können.

„Wenn Toleranz, Respekt und soziale Verantwortung in gleichem Atemzug wie Leistung genannt werden, dann zeigt dies, dass der deutsche Mittelstand weiß, was langfristig zählt. Gerade im Zuge der Globalisierung müssen diese Werte etabliert werden, die die deutschen KMU verbinden und für die sie international geschätzt werden.“

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44560498 / Live)