YouTube bleibt der Platzhirsch der Plattformen – quer durch alle Altersgruppen. Doch wer auf Interaktion statt Reichweite setzt, sollte Twitch nicht unterschätzen, wie eine Studie von morefire zeigt. So kanalisieren B2B Unternehmen die Gamer-Plattform.
YouTube dominiert weiterhin den Markt für Videos, dennoch bieten sich auch für B2B Unternehmen überraschende Alternativen.
Für B2B Unternehmen, die mit Employer Branding oder Informationskampagnen auf Social Media punkten wollen, ergeben sich neue strategische Perspektiven. Die Agentur Morefire hat zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Appinio das Videonutzungsverhalten von 1.520 Menschen in Deutschland untersucht, um die wichtigsten Plattformen, Inhalte und Gewohnheiten von Social-Media-Nutzern herauszufinden.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Videos auf Social Media zu schauen, ist eine Alltäglichkeit. Entscheidend für den Erfolg einer B2B Videostrategie ist aber nicht nur die Präsenz auf Schlüsselplattformen, sondern deren gezielte Auswahl und Bespielung entlang der Zielgruppenbedürfnisse.
YouTube ist Reichweitenanker für alle Altersgruppen
Mit einem Nutzungsanteil von über 30 Prozent an der gesamten Videokonsumzeit ist YouTube die klare Nummer eins – über alle Altersgruppen hinweg. Fast 40 Prozent der Befragten nutzen die Plattform mehrmals täglich. Auf YouTube ist das Hauptnutzungsmotiv Unterhaltung, das gaben 61,4 Prozent der Befragten an.
Für Unternehmen bedeutet das: YouTube ist und bleibt der verlässlichste Kanal, wenn es um Sichtbarkeit und Reichweite geht. Auch in der B2B Kommunikation bietet YouTube damit ein großes Potenzial, um mit hochwertigen, informativen Inhalten präsent zu sein.
Heißer Tipp: Auf YouTube herrscht ein Kampf um Aufmerksamkeit. Jederzeit könnte ein Zuschauer abspringen, um in den Vorschlägen ein anderes Video zu sehen. Das macht die „Endcard“ so wichtig, die als visuelles Element in Videos am Ende eingesetzt wird. Mit der Endcard gibt es die Chance, die Aufmerksamkeit auf mehr eigenen Content zu lenken.
LinkedIn für Branchennews
LinkedIn nutzen mehr Menschen, um Branchennachrichten zu verfolgen (42,6 %), als sich mit Kolleginnen und Bekannten zu vernetzen (36,6 %). LinkedIn-Nutzer liken und teilen gerne. Besonders interessant sind drei Themenbereiche: Technologie und Innovation, Branchennews und persönliche Weiterentwicklung. LinkedIn ist, genau wie Twitch, eine Nischenplattform, die von wenigen Leuten recht aktiv genutzt wird. 9,1 Prozent der Befragten nutzen LinkedIn sehr häufig, währen 51,2 Prozent LinkedIn noch nie benutzt haben.
Es gibt leichte Unterschiede zwischen den Geschlechtern im LinkedIn-Nutzungsverhalten. Mehr Frauen als Männer suchen auf LinkedIn nach Karriere- und Business-Inspiration, oder möchten sich gezielt mit Kollegen vernetzen. Männer hingegen möchten öfter eigenen Content teilen, Jobangebote im Auge behalten oder sich ein berufliches Netzwerk aufbauen. Frauen interessieren sich verstärkt für persönliche Weiterentwicklung und Männer für Technologie.
Heißer Tipp: LinkedIn ist ein sehr mächtiges Tool, um in verschiedene Nischen zu gehen. Gerade Thought Leadership und Vertical Content gehen auf der Plattform gut zusammen. Wer nicht zu marktschreierisch auftritt, kann sich ein gutes Standing verschaffen.
Twitch: Ein Geheimtipp für engagierte Communities
Überraschend stark schneidet Twitch in puncto Nutzerbindung ab. Zwar wird die Plattform insgesamt seltener genutzt, doch innerhalb ihrer Community zeigt sich ein überdurchschnittlich hohes Engagement. 43 Prozent der Befragten haben dort bereits selbst gestreamt – ein astronomisch hoher Anteil, verglichen mit anderen Plattformen. Noch dazu kommentieren, liken und abonnieren Twitch-Zuschauer sehr viel. Über die Hälfte der Nutzenden tun dies häufig oder sogar sehr häufig. Gerade vor dem Hintergrund, dass Abonnements kostenpflichtig sind, ist das beeindruckend und spricht für die Content-Creatoren. Twitch-User schauen Streams oftmals nicht nur, um sich zu unterhalten. Für 33,2 Prozent der Twitch-User sind Streams Entspannung. Damit wird Twitch zur spannenden Option für Unternehmen, die gezielt auf Community-Aufbau und Sponsoring setzen wollen.
Während Gaming-Streams von beiden Geschlechtern gleichermaßen geschaut werden, interessieren sich deutliche mehr Männer für E-Sports (49,5 % Männer vs. 39,5 % Frauen).
Heißer Tipp: Selbst im B2B Bereich kann man auf Placements bei etablierten Streamern mit Business-Fokus – besonders in Tech- und Startup-Nischen setzen. Ihre Community ist oft kleiner, aber hochrelevant und interaktionsstark. Es gibt hier Persönlichkeiten, deren Themen mit denen eines Unternehmen matchen können – so wirkt ein Placement nicht wie Werbung, sondern wie ein echter Mehrwert für die Zuschauer.
Stand: 08.12.2025
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Was Nutzer sehen möchten Die Studie zeigt klare Präferenzen bei den konsumierten Videoformaten. Dokus, Reportagen und Webserien stehen bei allen Altersgruppen hoch im Kurs. Bei jüngeren Nutzern dominieren daneben Influencer-Formate, Comedy und Tutorials, während die Altersgruppe 25-44 Onlinevideoformate favorisiert. Die Älteren, 45 aufwärts schauen TV-Inhalte auf den Plattformen nach.
Männer zeigen eine höhere Affinität zu Livestreams und langformatigen Videos von mehr als 10 Minuten Länge, während Frauen vermehrt Influencer-Content konsumieren und zu Kurzvideos von unter einer Minute tendieren.
Timing ist alles Die Hauptzeit für Videokonsum liegt zwischen 18 und 21 Uhr – das gilt plattformübergreifend. Unternehmen, die ihre Inhalte zur richtigen Zeit platzieren, erhöhen ihre Sichtbarkeit signifikant. Dabei sollte der Veröffentlichungszeitpunkt nicht isoliert betrachtet werden, sondern im Kontext der Gesamtstrategie: Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Welche Plattform ist relevant? Welcher Mehrwert wird geboten?
Fazit: Plattformstrategie statt Videos aus der Gießkanne
Die Zeiten von “ein Video für alles” sind vorbei. Erfolgreiche Marken verstehen heute die Eigenheiten jeder Plattform und liefern Inhalte, die sich nahtlos einfügen, ohne austauschbar zu wirken. Authentizität, Relevanz und Timing sind entscheidend. Gerade im B2B können Unternehmen mit begrenzten Budgets viel erreichen, wenn sie mutig neue Plattformen testen, klar positionierte Inhalte liefern und Persönlichkeit zeigen.
Kurz gesagt: Wer Plattformen klug auswählt, Formate differenziert einsetzt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt, gewinnt nicht nur Reichweite – sondern vor allem Vertrauen.
*Hendrik Unger ist Head of Business Innovation des Online-Marketing-Spezialisten morefire.