Recruiting

4 Tipps gegen den Fachkräftemangel im Mittelstand

| Autor / Redakteur: Vanessa Weber / Julia Krause

Mit diesen Tipps können mittelständische Unternehmen Fachkräfte für sich gewinnen.
Mit diesen Tipps können mittelständische Unternehmen Fachkräfte für sich gewinnen. (Bild: gemeinfrei / Pexels)

Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, für ihre offenen Stellen qualifizierte Bewerber zu rekrutieren. Als Grund wird oft der allgegenwärtige Fachkräftemangel genannt. Doch Unternehmer sind nicht handlungsunfähig: Mit diesen Tipps kann die Bewerbersuche wieder neue Fahrt aufnehmen.

Unser Unternehmen, Werkzeug-Weber, ist mit seinen 26 Mitarbeitern weder besonders groß, noch ist die Werkzeugbranche besonders attraktiv für potenzielle Arbeitnehmer. Und auch der Standort in der Nähe von Aschaffenburg ist lange nicht so interessant wie die großen Wirtschaftsstandorte Deutschlands. Trotzdem ist der Fachkräftemangel für uns kaum spürbar. Nach wie vor erhalten wir auf unsere offenen Stellen zwischen 50 und 100 Bewerbungen. Und auch die Qualität stimmt: Ich würde also behaupten, dass kleine Unternehmen wie wir beim Kampf um richtig gute Fachkräfte häufig die Nase vorne haben.

Natürlich ist auch an mir nicht vorbei gegangen, dass viele Unternehmen große Schwierigkeiten dabei haben, neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf dem Arbeitsmarkt zu rekrutieren. Unternehmer sollten sich aber nicht einschüchtern lassen, denn mit einigen einfachen Tipps, können sie auch in Zeiten des Fachkräftemangels qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für sich gewinnen:

1. Tu Gutes und rede darüber

In vielen Bewerbungen und Gesprächen erzählen die Bewerber oder Bewerberinnen davon, dass sie Werkzeug-Weber aus den Medien kennen. Sie haben von unserem Unternehmen und auch von mir als Geschäftsführerin gehört, weil wir uns sehr stark in unserer Region engagieren. Die Baumpflanz-Initiative Plant-for-the-Planet unterstütze ich beispielsweise ehrenamtlich und setze gemeinsam mit meinen Mitarbeitern auch weitere soziale Projekte in der Region um.

Andere Unternehmen tun ebenfalls Gutes, sie begehen dabei jedoch einen großen Fehler: Sie reden nicht über ihr Engagement. Sie stellen ihr Unternehmen in den Vordergrund und sagen „wir“ statt „ich“. Was es aber braucht, um im Gedächtnis der Menschen zu bleiben, ist Personifizierung. Bescheidenheit ist hier der falsche Weg, denn so überlassen sie der Konkurrenz die Bühne.

Auch wenn viele kleinere Unternehmen nicht so hohe Gehälter zahlen können wie große Konzerne, liegt genau hier der Vorteil gegenüber den großen: Wir sind menschlich nahbar, glaubwürdig und begeistert von dem was wir tun. Und diese Begeisterung ist ansteckend für unsere Mitarbeiter: Diese Chance des Employer Branding sollte jeder Unternehmer für sich nutzen.

2. Sich Zeit nehmen

Für ein ehrenamtliches Engagement braucht man Zeit: Ich selbst investieren etwa ein bis zwei Arbeitstage im Monat und nutze auch die Abende und das Wochenende für mein Ehrenamt. Aber meine Mitarbeiter halten mir den Rücken frei, damit ich mir diese Zeit nehmen kann.

Zum einen kann ich der Gesellschaft mit meinem Engagement etwas zurückgeben, zum anderen lohnt es sich auch aus unternehmerischer Sicht. Schon lange schalte ich keine bezahlten Stellenanzeigen mehr – weder online noch in Printmedien. Ich informiere das Arbeitsamt und die IHK und setze eine Ausschreibung auf unsere Unternehmenswebsite. Das ist alles!

So gewinnen Sie den Fachkräftemangel

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10.10.18 - Überall werden qualifizierte Mitarbeiter gesucht, sei es im Handwerk, im B2B oder im Einzelhandel. Unternehmen bewerben sich immer mehr beim Arbeitnehmer, aber diese kommen nicht aus Ihrer Komfortzone. Es verhält sich ähnlich wie mit dem Messestand: wir sind ja da. Warum kommt kein Kunde? Ein Impuls. lesen

3. Geduld zahlt sich aus

Es ist klar, dass eine einzelne Berichterstattung noch nicht zu einer Flut an neuen Bewerbern führt. Aus diesem Grund arbeite ich kontinuierlich an unserer Arbeitgebermarke: Je häufiger der Name unsers Unternehmens oder mein Name in den Medien auftaucht, desto besser bleibt er potenziellen Bewerbern im Gedächtnis. Dabei hilft mir ein PR-Agent, aber ich pflege meine Medienkontakte auch selbst sehr sorgfältig. Das hilft mir dabei zu verstehen, was für die Medien von Interesse ist und welche Informationen das Zeug zu einer guten Story haben.

Mein Motto dabei lautet: Wenn ich nicht aktiv werde für etwas, das mir wichtig ist, dann kann ich auch nicht erwarten, dass jemand auf mich und mein Unternehmen aufmerksam wird. Das wäre ungefähr so, als würde man auf den großen Gewinn hoffen, obwohl man sich kein Los gekauft hat.

4. Zufriedene Mitarbeiter sind die beste Werbung

Viele Unternehmen machen den Fehler, ihre eigenen Mitarbeiter nicht darüber zu informieren, dass sie neue Leute suchen. Dabei sind die eigenen Mitarbeiter häufig die besten Recruiter für ein Unternehmen. Bei jeder offenen Stelle greife ich zuerst auf mein Mitarbeiternetzwerk zurück und das hat sich schon oft ausgezahlt. Der Vertriebsleiter bei Werkezug-Weber hat zum Beispiel ein sehr umfangreiches Netzwerk in unserer Branche aufgebaut, das sehr nützlich sein kann. Aber auch meine anderen Mitarbeiter kennen häufig jemanden, der zu uns passen könnte: Einen Nachbarn, eine Verwandte oder auch einen ehemaligen Kollegen.

Hier ist es mir wichtig, dass meine Mitarbeiter meine Werte teilen. Ein Bewerber, den unser soziales Engagement beeindruckt und auf uns aufmerksam gemacht hat, passt sehr wahrscheinlich gut in unser Unternehmen. Und wenn diese Person zusätzlich von einem Mitarbeiter empfohlen wurde, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zusammenarbeit mit ihm oder ihr sehr gut funktioniert, sogar noch höher.

Natürlich ist es auch ein Kompliment an uns, wenn unsere Mitarbeiter ihre Bekannten oder Freunde in unser Unternehmen holen möchten. Denn das zeigt, dass sie zufrieden sind mit uns und der Art und Weise wie das Unternehmen geführt wird. Eine persönliche Empfehlung ist also im Grunde das Beste, was einem passieren kann. Das funktioniert schließlich auch im Kundenmarketing, warum sollte es also nicht auch im Recruiting Erfolg haben?!

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20.08.19 - Sarna Röser ist Teil eines traditionellen Familienunternehmens im Tiefbau und wird nach ihrem Vater die Firma übernehmen. Im Gespräch hat sie mit uns über den Umgang mit der älteren Generation und dem Fachkräftemangel gesprochen und uns erklärt, warum die eigenen Mitarbeiter die besten Markenbotschafter sind. lesen

Ich bin mir sicher, dass Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich diese Tipps zu Herzen nehmen, mehr als gute Chancen auf die besten Leute für ihr Unternehmen haben. Fachkräftemangel ist also kein unumgängliches Schicksal, sondern hängt stark von der Art ab, wie man mit der neuen Arbeitsmarktsituation umzugehen weiß. Hier haben inhabergeführte, kleine Unternehmen einen großen Vorteil: Sie sind schnell und flexibel genug, um neue Chancen wahrzunehmen.

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