Moderne Consent-Management-Plattformen (CMPs) steuern heute mehr als nur Cookie-Banner. Sie integrieren sich tief in B2B Systemlandschaften und machen Einwilligungen zur Grundlage datenbasierter Arbeitsprozesse vom Marketing bis zum Vertrieb.
Unsichtbare Kontrolle, sichtbarer Effekt: CMPs agieren im Idealfall unsichtbar im Hintergrund und greifen nur dort ein, wo Einwilligungsmanagement beziehungsweise Datenschutz gefragt ist.
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Auch in der digitalisierten B2B Welt der klassischen Industriezweige, wie dem Maschinenbau oder der Automobilzulieferung, dreht sich alles um Daten. Doch ohne zentrale Steuerung werden personenbezogene Informationen schnell zum Risko. Ein moderner Ansatz, um dieser Herausforderung zu begegnen, sind Consent-Management-Plattformen, die nicht nur rechtlich absichern, sondern systemübergreifend vernetzen und strategisch steuern.
Von Cookie-Banner zur Systemintegration
In vielen Unternehmen ist Consent-Management bisher auf den Webauftritt beschränkt – Cookie-Banner, Tracking oder Newsletter. Doch gerade im B2B Umfeld mit komplexen Vertriebs- und Servicelandschaften bietet ein ganzheitlicher Ansatz deutlich mehr Potenzial. CMPs erfassen, speichern und verwalten Einwilligungen zentral und DSGVO-konform, inklusive dem Zeitpunkt, des Zwecks und der Herkunft der Zustimmung. Über ein softwaregestütztes Einwilligungsmanagement gelingt die erforderliche Dokumentation und der erforderliche Nachweis der Zustimmung – nachvollziehbar, datenschutzkonform und automatisiert. Gemäß §7 Absatz 2 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) dürfen Unternehmen nicht werblich per E-Mail ohne Einwilligung der Ansprechpartner kontaktiert werden. Jede Einwilligung muss ein Unternehmen auch konkret nachweisen können (siehe Artikel 7 DSGVO), sonst gilt die Einwilligung als nicht existent. Was nach juristischer Pflicht klingt, wird zur technischen Grundlage für automatisierte, datenschutzkonforme Prozesse entlang der gesamten Customer Journey. Sehr gut lässt sich so etwas an einem einfachen Beispiel erklären. Ein mittelständischer Maschinenbauer implementiert beispielsweise eine CMP, die mit dem CRM-System verknüpft ist. Gibt ein Kunde so auf einer Fachmesse seine Zustimmung zur Kontaktaufnahme via Scan eines QR-Codes, wird diese Information sofort im CRM verfügbar, wenn die CMP und das CRM über geeignete Schnittstellen (APIs) gekoppelt sind. Der Vertrieb weiß dadurch, wen er wie ansprechen darf – ohne manuelle Prüfung, ohne Risiko.
Erweiterung der Systemintegration um den After-Sales-Service
Auch der After-Sales-Service profitiert von einer zentralen CMP. Wenn ein Kunde beim Ersatzteilekauf zustimmt, technische Informationen per E-Mail zu erhalten, ist diese Zustimmung automatisch im Service-Portal verfügbar, wenn die Systeme sauber miteinander kommunizieren. Techniker können bei Wartungsterminen auch auf die freigegebenen Daten zugreifen, ohne das eine separate Rückfrage erforderlich ist. Das spart Zeit, verbessert den Service und reduziert gleichzeitig das Risiko ungewollter Kontaktaufnahmen.
Schnittstelle schafft Synergien
Der eigentliche Mehrwert entsteht durch Integration: Moderne CMPs kommunizieren via APIs, Webhooks oder Message Broker mit ERP-, CRM, Marketing- und Service-Systemen. So entsteht ein reibungsloser Datenfluss, der Einwilligungen dort sichtbar macht, wo sie gebraucht werden. Auch hier lohnt sich der Blick auf ein fiktives Beispiel: Ein Zulieferer der Automobilindustrie nutzt ein zentrales Kundenportal zur Abwicklung von Serviceanfragen. Gibt ein Einkäufer dort seine Einwilligung zur Produktberatung, wird diese Information an das CRM übermittelt. Das Sales-Team sieht live, ob ein Interessent für personalisierte Angebote offen ist und handelt entsprechend.
Echtzeit statt Excel: Reaktionsfähigkeit erhöhen
Die zentrale CMP aktualisiert Einwilligungserklärungen in Echtzeit. Kündigt ein Kunde ein Newsletter-Abonnement, wird dies sofort an alle relevanten Systeme gemeldet. So lassen sich ungewollte Kontakte und damit mögliche Datenschutzverstöße effektiv vermeiden. Ein Kunde, der sich abmeldet, sollte nicht später in der nächsten Kampagne auftauchen. Eine gut integrierte CMP verhindert genau das.
Rückmeldeschleifen automatisieren und dokumentieren
Eine zusätzliche Funktionalität vieler CMPs bildet zudem die automatische Rückmeldung an Nutzer über erfolgreiche Änderungen. So erhält ein Abonnent beispielsweise eine E-Mail, dass das Unternehmen seine Newsletter-Präferenzen erfolgreich verarbeitet hat. Diese Rückmeldung schafft Transparenz, erhöht das Vertrauen und dient gleichzeitig als dokumentierter Nachweis. Damit wird gleichzeitig der Nachweispflicht aus dem UWG und der DSGVO Genüge getan: Nur dokumentierte Zustimmungen sind rechtsgültig – alles andere kann sich im Fall einer Prüfung als angreifbar erweisen. Rechtlich gesehen erfüllen CMPs die Anforderungen aus DSGVO, TDDDG oder UWG. Doch darüber hinaus schaffen sie etwas viel Wertvolles: Vertrauen. Unternehmen, die Einwilligungen transparent und nachvollziehbar handhaben, senden ein klares Signal – an Kunden, Partner und interne Teams.
Checkliste: Was muss eine gute CMP im B2B leisten
Rechtsichere Dokumentation von Einwilligungen
Systemübergreifende Verfügbarkeit durch Schnittstellen
Echtzeit-Validierung bei Änderungen oder Widerrufen
Automatisierte Prozesse für Marketing, Sales und Service
Revisionssicherheit bei Datenschutzprüfungen
Industriefokus: Komplexität beherrschbar machen
Gerade Industrieunternehmen mit Tochtergesellschaften, mehreren CRM-Instanzen oder spezialisierten Produktbereichen profitieren von einem zentralisierten Consent-Ansatz. Auch dies lässt sich gut an einem Gedankenspiel zeigen: Ein Anlagenbauer synchronisiert über eine CMP alle Zustimmungsdaten aus unterschiedlichen Landesgesellschaften. So ist sichergestellt, dass erhobene Zustimmungen auch bei nationalen Kampagnen über verschiedene Landesgesellschaften hinweg korrekt berücksichtigt werden – auf Knopfdruck, revisionssicher und nachvollziehbar.
Unsichtbare Kontrolle, sichtbarer Effekt
CMPs agieren im Idealfall unsichtbar im Hintergrund und greifen nur dort ein, wo Einwilligungsmanagement beziehungsweise Datenschutz gefragt ist. Damit entwickeln sie sich zur Datenschnittstelle der Organisation, obwohl die sichtbare Benutzeroberfläche nur dort in Erscheinung tritt, wo sie auch gebraucht wird, aber ihre Wirkung entfaltet sich überall in der Organisation. Dabei ist die Plattform kein zusätzliches Tool, sondern Teil eines integrierten Ökosystems: Sie befähigt Abteilungen, mit Daten sicher und verantwortungsvoll zu arbeiten. Consent-Management erweist sich längst als mehr nur als eine juristische Pflicht. Wer als B2B Unternehmen seine Datenstrategie ernst nimmt, macht die CMP zum strategischen Baustein. So wird aus Datenschutz ein Wettbewerbsvorteil, durch Vertrauen, Transparenz und Prozessklarheit.
Stand: 08.12.2025
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* Dr. Johann Sell ist Doktor der Informatik. Seit Ende 2022 ist er der Team Lead der Software Entwicklung bei der mip Consult GmbH.