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Augmented Reality im B2B 5 Praxistipps für erfolgreiche AR-Projekte

Autor / Redakteur: Simon Stark* / Veronika Kremsreiter

Fristete Augmented Reality in den letzten Jahren überwiegend ein Nischendasein im B2B-Marketing, wird es mehr und mehr zum Gamechanger. Doch noch existieren kaum Standards – das erschwert den Einstieg in die Technologie. Lesen Sie im Folgenden fünf Tipps für den Start.

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Das Potenzial von Augmented Reality im B2B ist enorm. Richtig eingesetzt sparen Unternehmen Kosten, Ressourcen und Zeit.
Das Potenzial von Augmented Reality im B2B ist enorm. Richtig eingesetzt sparen Unternehmen Kosten, Ressourcen und Zeit.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Produkte ohne physische Anwesenheit beim Kunden vorführen, in Mechatroniker-Schulungen virtuell Autoteile zerlegen oder mit Hilfe von Fernwartungen komplexe Maschinen ohne Umschweife reparieren: Das macht Augmented Reality, kurz AR, möglich – sei es via App oder mit einer speziellen Brille. Der Mechanismus dahinter: AR-Software reichert die reale Welt mit virtuellen Bildern an und erhöht so den Handlungsspielraum des Nutzers – mit großem Potenzial zur Zeit-, Ressourcen- und Kostenersparnis. Und obwohl Augmented Reality im B2B-Bereich noch in den Kinderschuhen steckt – 2018 nutzten lediglich sechs Prozent AR-Inhalte im beruflichen Kontext – könnte der digitale Umschwung in der Covid-19-Pandemie die Nutzung sprunghaft ansteigen lassen. Darauf sollten Sie vor dem Start mit AR achten:

1. Sich mutig ins AR-Abenteuer stürzen

Wer lädt schon eine App herunter, um sich ein Video in einer Broschüre anzusehen? Ist es nicht sehr aufwendig, die für den Effekt notwendigen 3D-Daten zu implementieren? Und ist die Technologie überhaupt schon ausgereift? Diese kritischen Fragen werden immer wieder im Zusammenhang mit AR gestellt. Natürlich ist Vorsicht legitim, wenn es um kostbare Werbebudgets geht. Aber die Lust auf neue Wege sollte größer sein als die Skepsis vor dem Unbekannten – insbesondere, wenn sowohl Unternehmen als auch Kunden nachweislich einen echten Mehrwert daraus ziehen. Ein Beispiel: Ein großer Gerätehersteller für die Lebensmittelindustrie setzt im Vertrieb auf eine VR-App und kann so insgesamt zwölf verschiedene Waagenmodelle beim Kunden aus dem Einzelhandel virtuell darstellen – und das in Originalgröße. Die aufwendigen Vorbereitungen für eine solche Produktdemonstration – ein großer Showroom, die Besichtigung der einzelnen Geräte vor Ort und umfangreiche Beschreibungen fallen weg. Einen großen Nutzen zieht auch das Unternehmen Günther aus Augmented Reality: Der Heißkanalhersteller bietet für seine Spritzgussmaschinen eine AR-Fernwartung für Servicetechniker der Günther-Kunden an. Mit einer einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitung via Smartphone oder Tablet können so Probleme mit den Maschinen in kurzer Zeit gelöst werden – auch wenn der Kunde in Indien sitzt und Sprachbarrieren sonst eine Anwesenheit vor Ort erfordert hätten.

2. Klein anfangen und dann skalieren

Mammutprojekte sind vergleichbar mit Neujahrsvorsätzen: Sie starten euphorisch in die ersten Wochen, feiern die ersten Erfolge und stoppen dann – weil die Ziele zu hoch gesteckt und die Hürden zu groß sind, oder der Aufwand nicht im Einklang zum stressigen Arbeitsalltag steht. Die Folge: Sie scheitern. Das Gleiche kann bei einem AR-Projekt passieren, an das Sie zu hohe Anforderungen haben. Deshalb: Denken und handeln Sie nach dem Minimax-Prinzip. Es muss nicht gleich der virtuelle 3D-Produktkonfigurator für eine sechsstellige Summe sein. Das Risiko, dass dieser von den Nutzern nicht angenommen wird, ist real. Genauso wie der Ärger der Geschäftsführung, wenn der ROI nicht passt. Testen Sie AR in kleinem Umfang an Ihrer Zielgruppe. Reichern Sie ein Printprodukt mit erweiterten, digitalen Inhalten an. Lassen Sie auf einer Broschürenseite wie von Zauberhand Videos ablaufen – der Vergleich zur Zeitung „Tagesprophet“ bei Harry Potter ist naheliegend und wird von Nutzern gerne herangezogen. Oder machen Sie aus Ihrem Printkatalog einen Online-Shop, indem unter den Produkten virtuell „Jetzt Kaufen“-Buttons erscheinen – vor allem in Asien längst gängige Praxis. Das Resultat des Tests: Ihre Erfahrungskurve steigt enorm, ohne Unmengen an Zeit und Kosten zu investieren. Gleichzeitig lernen Sie Ihre Zielgruppe noch ein wenig besser kennen.

3. Mehrwerte schaffen

Sie glauben, dass Ihre Kunden mit der Technik nichts anfangen oder skeptisch sein werden? Beantworten Sie bei Ihren Ideen zunächst eine Frage: Bietet die Anwendung einen wirklichen Mehrwert? Wenn Sie das ohne Umschweife mit Ja beantworten können, punkten Sie auch bei den Kunden. Ganz wichtig dabei ist: Machen Sie sich nichts vor. Wegen eines einfachen Imagevideos oder einer hölzernen Ansprache des Geschäftsführers wird niemand den Speicher seines Handys belasten. Wie wäre es aber mit bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitungen bei der Inbetriebnahme eines neuen Gerätes oder exklusivem Content, den man nur in der App und über AR erhält? Auch ein detailliertes Erklärvideo, in dem die einzelnen Komponenten einer Maschine vorgeführt werden, sind mit Augmented Reality denkbar.

4. Schnell sein lohnt sich

Augmented Reality ist in seiner Fülle an Möglichkeiten noch recht unerforscht. Gleichzeitig erlaubt die Welt der hohen Technisierung und des schnellen Wandels keine langwierigen Analysen, ob eine Technologie wie AR eine gute Ergänzung im Marketing-Mix wäre. „Start before you´re ready“ ist hier ein passendes Handlungsmotto. Denn eines ist sicher: AR ist so unbekannt, aber schon so ausgereift, dass man genau jetzt die Chance hat, die Zielgruppe zu faszinieren – mit schwebenden 3D-Objekten etwa. Oder Plakatwänden, die sich in riesige virtuelle Videowalls verwandeln. Dieser Wow-Effekt wird schon in wenigen Jahren vorbei sein. Also: Beginnen Sie eher heute als morgen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

5. Kostenfallen vermeiden

Da Augmented Reality als Anwendung für die Öffentlichkeit noch wenige Erfahrungswerte aufweist, existieren kaum Standards. Soll die Technologie im B2B-Marketing Einzug halten, benötigen Unternehmen deshalb einen Anbieter, dem sie zu 100 Prozent vertrauen können. So existieren AR-Dienstleister im Markt, die für recht einfache Anwendungen hohe Erstinvestitionen aufrufen oder knackige Folgekosten mit langen Vertragslaufzeiten bereithalten. Andererseits stehen Programme und Tools zur Verfügung, mit denen Marketingabteilungen kostengünstig und auch eigenständig einfache AR-Anwendungen erstellen können. Über leicht zu bedienende Systeme kreieren Marketer damit selbst Videos, Audiodateien, Bildergalerien, verlinkte Buttons und 3D-Modelle und binden sie beispielsweise in ein Printobjekt ein. Vergleichen Sie deshalb AR-Anbieter und fordern Sie Beratung ein.

Fazit

Mit dem technologischen Fortschritt und der Notwendigkeit, Geschäftsmodelle in der aktuellen Krise anzupassen, fallen auch die Berührungsängste im Umgang mit Augmented Reality. Richtig genutzt wird es langfristig zur unentbehrlichen Ergänzung im Marketing-Mix.

*Simon Stark ist Agenturleiter Konzeption und Kreation bei mgo360.

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