Selbstmanagement

Intuitive Selbstführung – Manager des eigenen Lebens werden

| Autor / Redakteur: Christina Seitter / Georgina Bott

Beruf/Arbeit, Sinn/Kultur, Körper/Gesundheit und Familie/Beziehung – für all diese Bereiche brauchen wir klare Ziele, wenn wir ein Leben in Balance führen möchten.
Beruf/Arbeit, Sinn/Kultur, Körper/Gesundheit und Familie/Beziehung – für all diese Bereiche brauchen wir klare Ziele, wenn wir ein Leben in Balance führen möchten. (Bild: gemeinfrei / CC0)

In der modernen, von Veränderung geprägten Welt geraten wir beruflich und privat häufig in Situationen, in denen wir uns entscheiden und Weichen in unserem Leben neu stellen müssen. Dies gelingt uns nur, wenn wir eine Vision von unserem künftigen Leben haben und wissen, was uns wichtig ist.

Wechsele ich den Job, weil ich Karriere machen möchte, oder ist mir Sicherheit wichtiger? Mache ich eine Weiterbildung oder fliege ich auf die Bahamas? Gründe ich mit meinem Partner eine Familie oder ist mir meine Unabhängigkeit wichtiger? Vor solchen Entscheidungen stehen wir in unserem Leben immer öfter.

Sich zu entscheiden, fällt vielen Menschen schwer. Denn, wenn wir uns für etwas entscheiden, müssen wir andere Möglichkeiten verwerfen. Das können wir nur, wenn wir wissen, was uns wichtig ist. Sonst fassen wir zwar viele Vorsätze, doch ein, zwei Tage später sind sie vergessen. Denn unsere Vorsätze sind nicht in einer Lebensvision verankert.

Hinzu kommt: Was in unserem Leben wirklich wichtig ist, ist nie dringend. Es ist zum Beispiel nie dringend, joggen zu gehen. Es wäre aber gut für unsere Gesundheit. Und es ist nie dringend, sich Zeit für ein Gespräch mit dem Partner zu nehmen. Es wäre aber gut für die Beziehung. Weil die wirklich wichtigen Dinge nie dringend sind, schieben wir sie oft vor uns her. Oder wir hegen die Illusion: Wenn ich alles schneller mache, habe ich auch dafür Zeit. Die Konsequenz: Wir führen ein Leben im High-Speed-Tempo. Und irgendwann stellen wir resigniert fest: Nun führe ich zwar ein (noch) „ge-füllteres“ Leben, aber kein „er-fülltes“ Leben.

Herausforderung: Die Balance im Leben wahren

Eine solche Schieflage ist kein Einzelschicksal. Immer mehr Menschen plagt das Gefühl: Mein Leben ist nicht im Lot. Eine Ursache hierfür ist: Sie haben zwar für einzelne Lebensbereiche eine klare Perspektive, jedoch nicht für ihr Leben als Ganzes. So wissen manche Menschen beruflich zwar „Ich will ein Top-Manager werden“. Doch privat? Andere wiederum wissen „Ich will heiraten und Kinder kriegen“, doch beruflich haben sie keinen Plan. Entsprechend orientierungslos schlingern sie durchs Leben.

Lebensbalance-Modell nach Nossrat Peseschkian
Lebensbalance-Modell nach Nossrat Peseschkian (Bild: Müllerschön)

Dem 2010 verstorbenen Psychologen Nossrat Peseschkian, der die Positive Psychotherapie begründete, zufolge, gilt es in unserem Leben folgende vier Bereiche zu unterscheiden: „Arbeit/Beruf“, „Sinn/Kultur“, „Körper/Gesundheit“ und „Familie/Beziehung“.

Für all diese Bereiche brauchen wir klare Ziele, wenn wir ein Leben in Balance führen möchten. Denn sie stehen in einer Wechselbeziehung zueinander. Deshalb verliert, wer zum Beispiel den Bereich „Arbeit/Beruf“ längerfristig überbetont und die anderen vernachlässigt, auf Dauer neben seiner Lebensfreude auch seine Leistungskraft:

  • Wer krank ist (Körper/Gesundheit), kann weder sein Leben in vollen Zügen genießen, noch ist er voller Leistungskraft.
  • Wer einsam ist (Familie/Beziehung), ist weder „quietsch-vergnügt“, noch kann er seine volle Energie auf seinen Job verwenden.
  • Wer in einer Sinnkrise steckt (Sinn/Kultur), ist weder „lebensfroh“, noch leistungsfähig. Denn hinter allem Tun steht die Frage: Was soll das Ganze?

Voraussetzung: eine Vision von unserem künftigen Leben

Wenn wir ein erfülltes Leben führen möchten, müssen wir also für die richtige Balance zwischen den vier Lebensbereichen sorgen. Hierfür brauchen wir eine Vision von unserem künftigen Leben. Diese benötigen wir auch, weil heute viele Anforderungen an uns gestellt werden, die nur bedingt miteinander vereinbar sind. Das werden fast alle berufstätigen Mütter sofort bestätigen.

In den meisten höher qualifizierten Jobs sind unregelmäßige Arbeitszeiten normal. Für berufstätige Mütter bedeutet dies: Sie können nicht täglich beispielsweise Punkt 16 Uhr das Büro verlassen. Was sollen sie also tun, wenn der Kinderhort um 16 Uhr schließt? Noch ein Beispiel: Vielen Projektmitarbeitern von Unternehmen fällt es zunehmend schwer, regelmäßige private Termine wahrzunehmen. Denn immer wieder müssen sie, weil Abgabefristen nahen, länger als geplant im Büro bleiben. Also sind (Interessen-)Konflikte vorprogrammiert.

Für solche Konflikte bietet uns das klassische Zeit- und Selbstmanagement keine Lösung – denn es berücksichtigt nicht, dass unsere größten Konflikte meist daraus resultieren, dass wir in ein Beziehungsnetz eingebunden sind. Hierfür zwei Beispiele: Ein Angestellter kann sich zwar vornehmen „Heute Abend, Punkt 18 Uhr, verlasse ich das Büro.“ Wenn sein Chef aber kurz vor 18 Uhr sagt „Dieses Angebot muss heute noch raus“, dann hat er ein Problem. Ebenso verhält es sich, wenn er sich vornimmt „Ich gehe abends regelmäßig joggen“, sein Lebenspartner aber sagt: „Wenn du schon so spät von der Arbeit kommst, dann könntest du wenigstens dann bei den Kindern bleiben.“ Auch dann hat er ein Problem.

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