Im Wettbewerb um Mitarbeiter in den Bereichen Engineering und IT ist die Konkurrenz schon heute groß und wird künftig weiter zunehmen. Kommunikationsentscheider, die den Fachkräftenachwuchs aktiv fördern und gleichzeitig die Arbeitgebermarke ihres Unternehmens stärken wollen, können Jugendliche schon in der Schule an Technik-Berufe und digitale Kompetenzen heranführen.
Um den Mangel an Fachkräften frühzeitig zu begegnen, sollten Unternehmen die Nachwuchsförderung schon in den Schulen beginnen.
Der Mangel an ausgebildeten Fachkräften in vielen Bereichen der deutschen Wirtschaft belastet mittlerweile spürbar die Wachstumserwartungen für die Zukunft. Kein Wunder also, dass die Nachwuchsförderung insbesondere in technischen Berufen bei immer mehr Unternehmen und Industrieverbänden ganz oben auf der Agenda steht.
Technische Fähigkeiten in allen Berufen gefragt
Die Förderung des MINT-Bereichs, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, ist vor allem aus zwei Gründen von Bedeutung: Einerseits finden sich hier die Fachkräfte, die das Rückgrat deutscher Schlüsselbranchen wie dem Maschinenbau, der Chemie und dem Automotive-Bereich bilden. Andererseits wird mit fortschreitender Automatisierung und Digitalisierung der Bedarf nach Ingenieuren, Informatikern und gut ausgebildeten Facharbeitern auch in nahezu allen anderen Wirtschaftszweigen zunehmen. Technisches Verständnis, Kreativität und Prozessdenken sind zudem Soft-Skills, die überwiegend im MINT-Unterricht gefördert werden, letztlich aber im gesamten Arbeitsmarkt immer mehr an Relevanz für eine erfolgreiche Karriere gewinnen.
Mit MINT-Berufen die Welt verändern
Zwar wird in der Schule das grundlegende fachliche Wissen vermittelt, jedoch nicht das Verständnis, in welchen Berufen und Anwendungen es benötigt wird. Damit fehlt die für die Berufswahl wichtige Information, welche Perspektiven Jugendlichen in Technik- und IT-Berufen offenstehen. Schon im Jahr 2015 kam die renommierte Shell-Jugendstudie zu der Erkenntnis, dass der Wunsch nach einem Beruf mit interessantem und erfüllendem Tätigkeitsprofil im Vergleich zur allgemeinen Arbeitsplatzsicherheit immer mehr ins Gewicht fällt. Für die Nachwuchsförderung bietet sich hier ein guter Ansatzpunkt. Denn für eine Generation, die zunehmend Wert darauflegt, einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen, ist es von größter Bedeutung zu erfahren, wie Ingenieure über die Entwicklung neuer Technologien unsere Lebensweise verändern können. Der Wunsch, selbst die Initiative zu ergreifen und aktiv die Welt von morgen mitzugestalten ist letztlich auch eine zentrale Triebfeder der Fridays-for-Future-Demonstrationen zum Schutz von Natur und Klima.
Initiative Privatwirtschaft – im eigenen Interesse Verantwortung übernehmen
Unternehmen, Verbände und Stiftungen können Schulen mit ihrem Know-how und eigenen Initiativen dabei unterstützen, Jugendliche für die zukünftigen Anforderungen des Arbeitsmarkts vorzubereiten und für die Berufsbilder aus den technischen und naturwissenschaftlichen Fachgebieten zu begeistern. Um dabei erfolgreich zu sein, müssen sich aber auch die Instrumente verändern. Denn die Lebenswelt vieler Jugendlicher ist heute weitgehend digitalisiert und vernetzt, das Smartphone ein ständiger Begleiter. Im Fokus der Kommunikationsverantwortlichen vieler Unternehmen stehen aktuell dennoch meist Recruiting-Maßnahmen wie Bildungs- und Karrieremessen oder Tage der offenen Tür. So werden zwar jene Interessenten erreicht, die sich aktiv für einen MINT-Beruf interessieren und den Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern suchen. Zugleich wird aber das Potenzial jener verschenkt, die eine Ausbildung oder ein Studium im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich nicht in Betracht ziehen, nur weil sie etwa der Mathematik-Unterricht in der Schule wenig begeistert hat. Soll ein breiteres Publikum erreicht werden, müssen Unternehmensverantwortliche die Nachwuchsgewinnung mit neuen methodisch-didaktischen Konzepten professionell umsetzen. Es gilt, komplexe Sachverhalte verständlich anhand von Mitmach-Elementen zu erklären. Das soll Spaß machen, spielerisch aufgebaut sein und das Gestaltungspotenzial für die Zukunft aufzeigen. Letztlich ein Gewinn für beide Seiten: Schülerinnen und Schüler erhalten praxisnahe Einblicke noch bevor sie sich für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden. Gleichzeitig treten Unternehmen dem Fachkräftemangel aktiv entgegen. Zudem stärken sie ihre Arbeitgebermarke, positionieren sich in der Öffentlichkeit als besonders innovativ und betreiben Technologie- sowie Anwendungskommunikation in eigener Sache. Im Idealfall kann das Berufsorientierungsangebot als außerschulischer Lernort von den Schulen direkt in den Unterricht integriert werden.
Kreativität fördern und Technik verständlich machen
Beispielsweise können fachlich versierte Coaches im Rahmen des Unterrichts innovative Zukunftstechnologien vorstellen und einen Bezug zum Alltag der Schülerinnen und Schüler schaffen. Die multimedialen Vorträge der MINT-Experten sollten möglichst unternehmensneutral gestaltet sein und einen echten Mehrwert bieten, etwa durch das Aufgreifen spannender Zukunftsfragen: Werden Autos schon in wenigen Jahren autonom fahren können? Lassen sich Prothesen in naher Zukunft allein durch die Kraft der Gedanken steuern? Bestellen unsere Kühlschränke aufgebrauchte Lebensmittel künftig selbstständig nach? Generell gilt: Je mehr Interaktion die Veranstaltungen bieten und je mehr die Jugendlichen dabei selbst kreativ sein können, desto mehr wird die Beschäftigung und Identifikation mit Zukunftsthemen angeregt.
Noch imposanter und abwechslungsreicher sind Roadshow-Initiativen, die mit einer mobilen Erlebnisausstellung auf dem Schulhof Station machen. Bei Workshops können dort digitale Schlüsseltechnologien entdeckt oder industrielle Prozesse im Rahmen von interaktiven Experimenten nachvollzogen werden. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler von Experten aus erster Hand, welche Perspektiven Deutschlands Hightech-Branchen bieten, welche Bildungswege dorthin führen oder wie sich die Arbeitswelt verändert und wie Ingenieure beziehungsweise Informatiker denken. Ein Beispiel, welches alle diese Aspekte vereint und bereits seit vielen Jahren erfolgreich von Schulen nachgefragt wird, ist das Programm COACHING4FUTURE, welches die Baden-Württemberg Stiftung gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall und in Kooperation mit der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit unterhält.
Stand: 08.12.2025
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* Simone Schiebold ist geschäftsführende Gesellschafterin der Kommunikationsagentur für Zukunftsthemen FLAD & FLAD.