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„Hannes managt“ Raucher oder Nichtraucher – das ist hier die Frage

| Autor / Redakteur: Stefan Häseli / Lena Müller

Von beruflichen Auszeiten über beschlossene Entscheidungen und Informationen aus der Raucherecke: „Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. In diesem Beitrag beschäftigt sich Hannes mit dem Problem, dass Nicht-Raucher in Unternehmen oft den Kürzeren ziehen.

„Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. Heute im Fokus: Gesammelte Überstunden und Self-Marketing.
„Hannes managt“ ist eine Geschichten-Serie mit feinsinniger Satire aus den und über die Management-Etagen. Heute im Fokus: Gesammelte Überstunden und Self-Marketing.
(Bild: gemeinfrei / Pexels )

Die Krux mit der internen Kommunikation

In Hannes’ Unternehmen wurde ein Feldtest gemacht. Ganz gezielt wollte man ausloten, wie die informellen Kommunikationskanäle verlaufen. Immer wieder kommt es nämlich vor, dass Intranet-Beiträge nicht gelesen und interne Weisungen vergessen werden. Das gute alte Anschlagbrett wird sowieso nur noch für private Verkaufszwecke genutzt. Neben dem Rasenmäher, der zwecks „nicht-mehr-Gebrauch günstig abzugeben“ ist, werden Kinder-Hüte-Dienste nachgefragt, da das Unternehmen immer wieder kurzfristig auf Teilzeit-Mitarbeitende mit Kleinkindern zurückgreift.

Der Versuch wurde so angelegt, dass auf verschiedenen Kanälen eine Information gestreut und danach erfasst wurde, wo die Information am schnellsten und effizientesten in die Breite ging. Das Problem war höchstens, dass der Inhalt der Nachricht wenig durchdacht war. „Der Chef heiratet, aber man weiß noch nicht wen“ wurde gestreut und kurzerhand haben die internen Kommunikationswege der Aussage die mutmaßliche Braut dazu gedichtet. Da der Chef einige Male mit der neuen Marketingleiterin auf Dienstreisen war, lag es auf der Hand, diese im Grunde nicht vorhandene Beziehungslinie zu zeichnen, zu festigen und weiter zu verbreiten.

Das inhaltliche Nachspiel ist noch nicht ausgestanden, aber für Hannes war’s nur ein Feldtest. Die großangelegte Analyse mit Säulen, PowerPoint und anderen Gimmicks soll nun aufzeigen, wie künftig noch gezielter interne und auch wichtigere Informationen als die der Heirat, verbreitet werden können.

Es gibt einen klaren Sieger

Zum Ergebnis: Eindeutig auf Rang 1 liegt die Raucherecke. Hier war auch die Menge der Information am größten. Denn nicht nur wurde zusätzlich zur Braut bereits ein Datum des Festes „erfunden“, sondern auch gleich eine bereits vermutete Schwangerschaft inkludiert. Dass die Flitterwochen nach Indonesien gehen, wird unterdessen nicht mehr in Zweifel gezogen. Obwohl notabene gar nichts davon stimmt.

Fazit: Wenn Informationen den Weg zum Empfänger finden, dann erfolgt das in der Raucherecke. Hier werden, so zeigt die Auswertung, auch Stellen vergeben. Und ja, der Chef und die Marketingleiterin sind Rauchende – auch das eine wahre Tatsache.

Anders interpretiert: Wer nicht raucht, existiert im Informationskanal nicht. Was für Jugendliche Instagram ist, ist für Mitarbeitende der Smoke-Corner. Auch wenn er draußen, bei Wind und Wetter, ungeschützt und mit nicht lackierten Holzbänken vor sich hin müffelt.

Bereits werden Stimmen laut, diese „Zelle des informellen Austauschs“ ganz zu verbieten oder noch unattraktiver zu machen. Weniger Platz und mehr Enge (in der momentanen Situation jedoch schwierig) wäre ein Ansatz, ihn an eine vielbefahrene Straße zu verlegen die Verstärkung der Unattraktivität.

Hannes schlägt als altgedienter Praktiker dem Geschäftsleitungsgremium eine andere Variante vor. Es wird gewünscht, dass alle rauchen. Um nicht mit den Gesundheitsverantwortlichen des Unternehmens in Konflikt zu geraten und nicht als Unternehmen dazustehen, das gezielt „Un-Gesundheit“ fördert, wird das – einmal mehr – technisch gelöst.

Alle werden zum nichtrauchenden Raucher

Es gibt neu eine Art „E-Zigarette ohne Inhalt“. Sie sieht gleich aus, wie die anderen, die seit Neustem en vogue sind. Die neue Art dampft nur nach außen und ist mit einem kleinen Heizgerät ausgerüstet. Wasser einfüllen, Heizung an und dann ist die Sache in fünf Minuten verdampft. Das sieht aus wie echt, die Menschen können sich zu den Rauchern stellen, ohne rauchen zu müssen und erfahren schlichtweg alles.

Und ja: das Angebot dieser neuen E-Zigaretten gilt nur 48 Stunden, aber Hannes ist überzeugt: wenn man es in den richtigen Kanal stellt, ist die Ware innert Kürze weg.

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