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Marketing Insights USA – Teil 2 Remote Life – Krisenmanagement oder der neue Weg zur Selbstverständlichkeit?

| Redakteur: Lena Müller

Diese Kolumne beschäftigt sich mit aktuellen Marketing Trends aus den USA – mit einem durchaus kritischen Blick auf den vermeintlichen Vorsprung, den die USA in vielen Teildisziplinen hat. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über den Umgang mit Home Office-Möglichkeiten.

Diese Kolumne beschäftigt sich mit aktuellen Marketing Trends aus den USA – mit einem kritischen Blick auf den vermeintlichen Vorsprung, den die USA in vielen Teildisziplinen hat.
Diese Kolumne beschäftigt sich mit aktuellen Marketing Trends aus den USA – mit einem kritischen Blick auf den vermeintlichen Vorsprung, den die USA in vielen Teildisziplinen hat.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash )

Die Corona-Krise hat uns derzeit alle im Griff. Mal abgesehen von der tragischen Reichweite an sich, können wir interessante Entwicklungen beobachten – insbesondere deren Auswirkungen auf uns als Gesellschaft. In jedem Fall wird eines klar und deutlich: wenn die analoge Welt still steht nutzt der Mensch instinktiv das, was ihm bleibt. Und in diesem Zusammenhang sind wir eigentlich doch schon ziemlich weit. Denn die digitalen Möglichkeiten, die wir haben sind mannigfaltig. Bei der Infrastruktur angefangen, über Software-Applikationen bis hin zu diversen Kommunikationsplattformen: Die Digitalisierung erlaubt in vielen Fällen ein effizientes Business-Kontinuum – auch von zu Hause. Und hier sind die Amerikaner noch ein wenig fortschrittlicher als wir.

Remote – Working From a Distance

Die derzeitige Situation macht uns bewusst, was sich zuvor ohnehin schon abgezeichnet und entwickelt hat. „Die Tech-Industrie, das Internet und die Digitalisierung haben die Arbeit von zu Hause – auch "Remote Work", Fern-Arbeit, genannt – überhaupt erst ermöglicht, sie gehört für viele Arbeitnehmer des Silicon Valley längst zum Alltag. Nun wird das Homeoffice von der Option zur Regel, für den Moment. Die Corona-Angst forciert insofern nur ein Arbeitsmodell, um nicht zu sagen: ein Lebensmodell, das die Digitalindustrie schon lange beflügelt. Der Computer ersetzt den Gang ins Büro, Amazon ersetzt das Einkaufszentrum, Lieferando das Restaurant, Cyberfitness den Besuch des Fitnesscenters, Social Media und Dating-Apps verringern die Notwendigkeit menschlicher Kontakte in der Wirklichkeit. Man könnte das "Remote Life" nennen, ein Fern-Leben.“, schreibt Guido Mingels auf SPIEGEL Online.

Was also vor einiger Zeit als Trend aus den USA zu uns geschwappt ist, scheint sich in Zeiten von Corona als produktive Alternative herauszustellen. Und damit stellt sich die Frage, ob sich traditionell konservativ geprägte Unternehmen, wie im deutschen Mittelstand zu Hauf zu finden, jetzt nicht zuletzt aufgrund derzeitiger Erfahrungen, zum Umdenken bewegen lassen. Die Sorge, Teams ohne physischer Präsenz nicht vernünftig managen und führen zu können scheint unberechtigt angesichts der unzähligen Softwarelösungen, die beispielsweise in der Cloud zu finden sind. Unternehmen wie workday zum Beispiel, die HR-Lösungen in der Cloud anbieten, haben gerade bei modernen Unternehmen, wie zum Beispiel FlixBus, rasanten Erfolg. Für diese Firmen trifft Remote Work den Zeitgeist und workday ist ein „Enabler“ dafür. Würden Leadership und Managementprozesse, um Teams zu führen, nicht prozessual abbildbar sein, wäre nämlich deren Geschäftsmodell gar nicht erst lebbar – und das gilt natürlich für Marketingabteilungen und alle anderen Units im gleichen Maß.

Junge Generationen fordern Home Office ein

Es ist noch gar nicht so lange her, da machte das Schlagwort vom „War of Talents“ die Runde, und die derart umworbenen „jungen Wilden“ finden nichts dabei, in hippen Workspaces zu arbeiten, vom Home Office aus oder am Strand zwischen zwei Surf-Sessions. Als digitale Nomaden gehören sie auch in Bezug auf ihre Arbeitsgewohnheiten zu den Early Adopters und zwingen Unternehmen damit, sich im Zuge des Employer Brandings, mit der Bereitstellung einer passenden Infrastruktur und einer entsprechenden Unternehmenskultur auseinanderzusetzen. Noch vor ein paar Jahren unvorstellbar oder? Früh morgens auf Gran Canaria mit seinem Surfbrett in die Wellen stürzen, um dann mittags im Co-Working Space mit dem globalen Projektteam die letzten Freigaben zu besprechen. Durchaus eine Win-win-Situation: Ungebundene Mitarbeiter, die ihren Bedürfnissen entsprechend arbeiten können, und sich als Teil einer von gegenseitigem Vertrauen geprägten Unternehmenskultur begreifen, deren Beitrag wertgeschätzt wird, sind zufriedener, kreativer, kooperativer.

Manuel Hüttl ist Senior Vice President & Regional Development Officer Europe des CMO Council und Geschäftsführer bei sugarandspice communications.
Manuel Hüttl ist Senior Vice President & Regional Development Officer Europe des CMO Council und Geschäftsführer bei sugarandspice communications.
(Bild: sugarandspice communications )

Der junge Arbeitnehmer fordert heute also bereits aktiv Home Office-Möglichkeiten ein – für ihn sind sie in seinem Wertegerüst selbstverständlich. Zeit also für viele Unternehmen umzudenken und sich mit modernen Formen des Arbeitslebens auseinander zu setzen. US-Firmen scheinen in diesem Thema die Nase vorn zu haben. Vielleicht erklärt sich dieses Phänomen auch kulturell: Die amerikanische „can do“- und „alles ist möglich“-Attitude zum einen und das „Loslassen-Können“ von Normen auf der anderen Seite lassen speziell die Marketingabteilungen flexibler agieren als in Deutschland. Hinzu kommt mit Sicherheit auch die Mehrzahl an Start-ups, die in den USA über den Rasen veralteter Muster und Denkweisen radikal drüber mähen.

* Manuel Hüttl ist Senior Vice President & Regional Development Officer Europe des CMO Council und Geschäftsführer bei sugarandspice communications GmbH.

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