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Neues Major-Update für Shopware Shopware 6: Was das neue Shopsystem kann und wann ein Wechsel sinnvoll ist

| Autor / Redakteur: Jan-Hendrik Rauh* / Lena Müller

Shopware 6 enthält zukunftsweisende Ansätze für den modernen E-Commerce. Neben einer höheren Anwenderfreundlichkeit im Backend gibt es zahlreiche brandneue Features und stimmige Weiterentwicklungen. Das müssen Shopbetreiber über das neue System wissen.

Shopware hat mit seinem neuesten Major-Update auf Version 6 einen ordentlichen Entwicklungssprung hingelegt.
Shopware hat mit seinem neuesten Major-Update auf Version 6 einen ordentlichen Entwicklungssprung hingelegt.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Shopware hat mit seinem neuesten Major-Update auf Version 6 einen ordentlichen Entwicklungssprung hingelegt. Im Vergleich zur solide laufenden Version 5 gibt es einige wegweisende Verbesserungen von bestehenden Funktionen und völlig neue Features, die nicht nur die Bedienbarkeit positiv beeinflussen, sondern auch die neuesten Anforderungen an einen modernen E-Commerce erfüllen. Shopware 6 ist seit Dezember 2019 in der Final-Release-Version 6.1 verfügbar, nachdem zuvor im Juli 2019 die Early Access-Version (6.0) und im Mai 2019 die Developer Preview veröffentlicht wurde. Damit ist das neue Shopsystem nun für den allgemeinen Gebrauch freigegeben und kann ab sofort genutzt werden.

Das ist neu in Shopware 6

Mit Version 6 hat sich Shopware im Backend einen zeitgemäßen Look gegönnt. Die umgestaltete Verwaltungsoberfläche ist übersichtlicher und lässt sich insgesamt klarer navigieren. Statt der bekannten „Fensteransicht“ kommt das Menü in einer Sidebar daher, was die Administration erheblich erleichtert. Shopbetreiber können nun auch mit Mobilgeräten alle Bereiche des Backends nutzen, da es komplett responsiv gestaltet wurde. Dies ist eine große Erleichterung und macht Shopware 6 im Vergleich zu vielen anderen Systemen sehr fortschrittlich. Trotz aller Neuerungen lässt sich Shopware 6 intuitiv benutzen und ist zudem deutlich schneller geworden.

Zu den neuen Features zählen einerseits die integrierbaren Verkaufskanäle wie Facebook oder Google Shopping, mit deren Hilfe gezielt eine Kundengruppe angesprochen werden kann, und andererseits ein Rule Builder, mit dem sich individuelle Regeln (engl. rules) für Preise und Versand definieren lassen. So können etwa Produkte, die über einen bestimmten Verkaufskanal wie Instagram ausgespielt werden, gesondert rabattiert oder versandkostenfrei angeboten werden. Die bereits aus Shopware 5 bekannten Einkaufswelten wurden in Shopware 6 zu Erlebniswelten ausgebaut. Texte, Bilder und Produkte lassen sich einfach per Drag & Drop arrangieren, wodurch sich Shopseiten wie Landingpages oder Kategorieseiten schnell und einfach erstellen lassen. Um den Workflow beim Gestalten solcher Seiten zu

verbessern, gibt es in Shopware 6 eine permanente Vorschau auf das Frontend. Getätigte Änderungen werden so schneller sichtbar, ohne zwischen den Fenstern hin- und herspringen zu müssen.

Datensicherheit steht im Fokus

In Sachen Datenschutz und IT-Sicherheit können sich Shopbetreiber auch bei Shopware 6 weiterhin darauf verlassen, dass alle in Deutschland und der EU geltenden Richtlinien beachtet werden und auch neue Regelungen durch Updates Einklang in das System finden. Während bei Shopware 5 etwa der Cookie Consent erst mit einem Plugin aus dem Store hinzugezogen werden musste, beinhaltet Shopware 6 dieses Cookie Consent Tool schon von Haus aus. In dieser Thematik hatte der Europäische Gerichtshof zuletzt Ende vergangenen Jahres geurteilt und voreingestellte Consent-Layer und Banner für unzulässig erklärt. In dem Zusammenhang wurde auch beschlossen, dass Cookies generell einer aktiven und freiwilligen Einwilligung des Nutzers bedürfen. Shopbetreiber sind hier also künftig verstärkt in der Pflicht, Datensicherheit auf ihren Seiten zu gewährleisten. Das integrierte Consent Tool in Shopware 6 lässt darauf schließen, dass das Thema Datensicherheit und der sensible Umgang mit Kundendaten auch von Shopware priorisiert behandelt wird.

Headless Commerce mit Shopware 6 möglich

Besonders erwähnenswert ist der API-first-Ansatz, den Shopware 6 in Hinblick auf „Headless Commerce“ konsequent verfolgt und dessen Grundstein schon in Shopware 5 gelegt wurde. In einfache Sprache übersetzt bedeutet der API-first-Ansatz, dass externe Systeme und Erweiterungen sich durch die Standard-Schnittstelle des Shopware-Systems problemlos anbinden lassen, was die Flexibilität erhöht, digitale Prozesse effizienter macht und Shopbetreibern mehr Möglichkeiten zur Gestaltung beschert. Denn hiermit wird auch die technische Basis geschaffen, Kunden über die unterschiedlichsten digitalen Touchpoints auf ihrer Customer Journey abzuholen und dem Online-Shop je nach Verkaufskanal unterschiedliche Gesichter zu geben. Headless Commerce zählt zum Beispiel mit IoT-Anwendungen und Voice Commerce zu den größten Trends im digitalen Handel. Shopware 6 folgt diesem Trend und enthält alle Voraussetzungen, um den eigenen Online-Shop „headless“ zu betreiben.

Kinderkrankheiten und Bug Fixes abwarten

Shopware 6 hat viele Verbesserungen und neue Features in Petto. Doch genau hier liegen die Tücken – wie bei jedem neuen System hat auch Shopware 6 noch einige Kinderkrankheiten und Bugs, die erst im Laufe der Zeit identifiziert und mit neuen Releases behoben werden müssen. Zudem müssen viele Plugins, die in Shopware 5 einwandfrei funktionieren, erst für Shopware 6 programmiert werden. Wer sich hier an seine bisherige Umgebung gewöhnt hat, muss in Kauf nehmen, dass diese nicht sofort in Shopware 6 umgesetzt werden kann. Einige Plugins werden aufgrund des hohen Aufwands vermutlich gar nicht für Shopware 6 zur Verfügung stehen.

Mit der Version 6.1 sind im Vergleich zur Early Access-Version noch einmal neue funktionale Erweiterungen dazu gekommen wie etwa das Cross-Selling. Doch aus Expertensicht müssen noch einige praxistaugliche Features nachgebessert und mit neuen Updates im System integriert werden. Dazu zählt die Import-/Exportfunktion auf Basis einer CSV-Datei. Zudem können im Backend noch keine Rollen und Rechte für verschiedene Nutzer eingestellt werden. Einzelnen Nutzern kann also nur der Zugriff auf das gesamte System ermöglicht werden, nicht aber nur auf bestimmte Teilbereiche. Auch die Möglichkeit, ein „Product Bundle“ anzulegen, fehlt aktuell noch. Dieses Feature ermöglicht es, einzelne Produkte als virtuelles Bundle anzulegen, ohne ein neues Produkt mit eigener Artikelnummer im Backend anzulegen. Vorteil dieser Funktion ist, dass ein angebundenes Warenwirtschaftssystem die bestellten Artikel wiedererkennt.

So gelingt der Umstieg von Version 5 auf Version 6

Da es sich bei Shopware 6 um ein Major-Update handelt und sich Version 5 und 6 wesentlich unter-scheiden, ist eine One-Klick-Migration nicht möglich. Ein Umstieg sollte also gründlich geplant und von langer Hand aus vorbereitet werden. Wer hier sichergehen möchte, dass der Umzug gelingt, sollte professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Eile ist beim Umstieg von Version 5 auf Version 6 allerdings nicht geboten. Shopware hat bestätigt, dass Version 5 noch bis Juli 2021 reguläre Releases mit funktionalen Erweiterungen bekommen wird. Bis Juli 2023 werden Bugfix Releases und bis Juli 2024 Security Releases veröffentlicht. Wer also noch ein paar Updates von Shopware 6 abwarten und die Migration gut planen möchte, ist auch mit Shopware 5 weiterhin gut aufgestellt. Wer allerdings als einer der ersten Anwender die neuen Features nutzen möchte, sollte den Umzug schon jetzt fest terminieren. Übrigens: Der Shopware Playground ermöglicht es Nutzern nach einer kurzen Anmeldung, das neue System auf Herz und Nieren zu testen. Auch, wenn keine Storefront und manche Funktionen noch nicht verfügbar sind, können sich Shopbetreiber zumindest mit dem „Look and Feel“ der neuen Version vertraut machen und mit eigenen Produktdaten, die sich aus Shopware 5 integrieren lassen, die neue Umgebung ausgiebig testen.

Shopware 6 eignet sich für alle Shopbetreiber, die einen professionellen E-Commerce betreiben und dabei auch auf die neuesten Trends setzen möchten. Anwender bekommen hier ein modernes Shopsystem mit einem durchdachten Design geboten, was in der Nutzerfreundlichkeit verbessert wurde und den Betrieb des eigenen Online-Shops mit Freude ermöglicht. Ein großer Vorteil von Shopware 6: Der Preis für die „Professional“-Lizenz ist im Vergleich zu Shopware 5 zwar gleich geblieben. Die Leistung der Lizenz wurde jedoch deutlich erhöht und entspricht dem Leistungsumfang der ehemaligen „Professional Plus“-Lizenz, die in Shopware 5 ca. 5.995 € gekostet hätte.

*Jan-Hendrik Rauh ist Geschäftsführer der Löwenstark Digital Solutions GmbH.

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