Shopware Community Day 2024 Dreimal mehr bis 2030 – Wachstum im B2B E-Commerce

Von Svenja Ulm 6 min Lesedauer

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Im Shopware-Universum ist B2B die Sparte mit dem größten Wachstumspotenzial. Für den B2B Onlineshop der Zukunft ging es auf dem Community Day 2024 in Duisburg daher vor allem um eines: Was für B2C Kunden funktioniert, lässt sich auch im B2B erfolgreich etablieren.

Netzwerken in moderner Atmosphäre: Die Location des Shopware Community Day 2024 im Landschaftspark Duisburg überzeugte durch einen coolen Industrial Style.(Bild:  Svenja Ulm)
Netzwerken in moderner Atmosphäre: Die Location des Shopware Community Day 2024 im Landschaftspark Duisburg überzeugte durch einen coolen Industrial Style.
(Bild: Svenja Ulm)

Bis zum Jahr 2030 erwartet Shopware, dass sich das Marktwachstum von B2B verdreifacht. Das entspricht bis dahin einem jährlichen Zuwachs von 18 Prozent. Gleichzeitig befinden sich Unternehmen aktuell aber in einer herausfordernden wirtschaftlichen Lage: Allseits steigende Kosten und weniger Konsum schmälern die Margen und verschärfen den Wettbewerb. Auf dem Shopware Community Day wurden viele Lösungen aufgezeigt, wie man mit wenigen Ressourcen auch im B2B den größtmöglichen Erfolg erzielt.

Den Einkauf zum Erlebnis zu machen

Laut Sebastian Hamann, Shopware Co-CEO haben 75 Prozent der Unternehmen Probleme damit, sich an die rapiden Veränderungen im E-Commerce anzupassen. In Hamanns Argumentation liegt dies vor allem daran, dass lang etablierte Plattformen, die häufig ein singuläres Geschäftsmodell bedienen, eine immer anspruchsvollere Kundschaft erreichen möchten. Das gelte insbesondere für den B2B Bereich: Denn 70 Prozent der B2B Konsumenten betrachten laut dem CEO die Einkaufserfahrung im Onlineshop als ebenso wichtig wie den Preis eines Produktes. B2B Anbieter benötigen daher immer weniger komplexe, aber dafür flexiblere Möglichkeiten, um ihre Handelsplattformen auszuschmücken.

Sebastian Hamann, Shopware Co-CEO begrüßt zum Shopware Community Day 2024.(Bild:  Svenja Ulm)
Sebastian Hamann, Shopware Co-CEO begrüßt zum Shopware Community Day 2024.
(Bild: Svenja Ulm)

Wie wichtig es ist, dem Kunden ein positives Einkaufserlebnis zu schaffen, ist aus dem B2C Bereich wohlbekannt. Doch wie Erfahrung aus dem „Evolution of Commerce“ seit jeher zeigt, wird die wachsende technische Spielwiese auch dieses Mal nicht vor B2B haltmachen. In den Nullerjahren legte das Internet die Grundlage für den E-Commerce, was ab 2010 mittels mobiler Anwendungen und Social Media nur befeuert wurde. Heutzutage bringen die Möglichkeiten von Spatial Commerce und AI zehnmal schneller neue Entwicklungen hervor. Dies revolutioniert auch den Onlinehandel, insbesondere weil diese neuen technischen Möglichkeiten bereits für alle leicht zugänglich und erschwinglich sind. „Spatial und AI werden uns schneller und kostengünstiger an qualitativ hochwertige Lösungen bringen“, ist Sebastian Hamann überzeugt.

Gestützter Handel: Assistant vs. Experience

Einerseits resultiert dieser Fortschritt in mehr automatisierten Kaufentscheidungen, beispielsweise im Bereich der regelmäßig anfallenden, sich wiederholenden Bestellungen oder auch in Käufen, die durch einfache Service-Chats beschleunigt werden. Shopware selbst bietet bereits zwölf AI-basierte Werkzeuge für seine Plattform an. Darunter Funktionen, die vom Kunden ähnlich bedient werden können, wie eine Suchmaschine. Durch die Eingabe von Kontext oder Beispielbildern werden im nächsten Schritt mit der Suche artverwandte Lösungen und Produkte zum Kauf vorgeschlagen und somit ein „Cross-Selling“-Prozess begünstigt.

Andererseits ermöglicht der Spatial-Bereich ein Produkt mehrdimensional zu erfahren, ohne dass es zuvor zum Kauf kommen muss. Was als „Augmented Reality“ zunächst im Gaming groß wurde, erobert nun auch im E-Commerce die Plattformen. Im B2C Bereich äußert sich das beispielsweise darin, dass Sonnenbrillen virtuell anprobiert oder neue Möbelstücke testweise im eigenen Wohnzimmer platziert werden können. Für B2B Kunden sind diese technischen Features aber genauso attraktiv: So lassen sich beispielsweise eigene Konfigurationen an einem Werkzeug online und in 3D-Ansicht überprüfen. Fest steht, dass Elemente wie Gamefication und Interactive Storytelling auch im B2B einen wirksamen Beitrag zu einem unmittelbaren Shoppingerlebnis leisten können.

Mit einer VR-Brille lassen sich Produkte dreidimensional erleben und in Echtzeit konfigurieren. Ein Erlebnis, welches auch mit B2B Produkten funktionieren kann. (Bild:  Svenja Ulm)
Mit einer VR-Brille lassen sich Produkte dreidimensional erleben und in Echtzeit konfigurieren. Ein Erlebnis, welches auch mit B2B Produkten funktionieren kann.
(Bild: Svenja Ulm)

KI unterstützte Produkt-Digitalisierung

„Wir sind immer noch im Prozess die analoge Welt zu digitalisieren, anstatt eine rein digitale Welt zu schaffen und uns darin zu bewegen“, sagt Marc Kulow, Head of PIM der Y1 Digital AG und spielt dabei auf den ununterbrochenen Erfolg der klassischen Excel-Tabelle an. Klar ist, dass der Produktinformationsteil in Onlineshops nicht für sich stehen kann, sondern immer von der Shop- und Customer Experience gerahmt wird. Kunden möchten zudem hochwertige Produktdaten. Das alles ist mit einem ERP-System allein nicht mehr abzubilden.

Mittels KI lassen sich für eine ganzheitliche Produkt-Digitalisierung innerhalb kürzester Zeit hochwertige Produktdaten im Shop präsentieren. Um Ressourcen zu sparen wird idealerweise ein Datenmodell verwendet, welches die ERP-Daten automatisch in ein Product-Information-Management-System (PIM) einpflegt. Wurden die Daten ins PIM übertragen, kann man diese im ersten Schritt mit laienhaften Handyfotos anreichern, beispielsweise bei einem T-Shirt. Das Produkt, was es zu verkaufen gilt wird hierfür von allen Seiten fotografiert. Im Beispiel inklusive des Labels, auf dem die Zusammensetzung des Produktes, die Waschinformationen und der Ort der Herstellung aufgelistet sind.

Diese Bilder werden dann ins Programm hochgeladen. Die KI filtert aus den Bildern alle Informationen heraus und pflegt diese ins Shop-Interface ein. Computergestützt können im Anschluss Kurz- oder Langtexte generiert werden. Auch lassen sich die Texte in andere Sprachen übersetzen oder durch die KI an den Sprachstil des Unternehmensshops anpassen. Für den Feinschliff der Produktpräsentation im Shop braucht das Produkt qualitativ hochwertigere Bilder. Wiederum ließen sich diese über eine KI erstellen oder klassisch durch einen Fotografen.

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Was hier am Beispiel eines T-Shirts durchgespielt wurde, funktioniert auch im B2B. Grenzen gibt es aber mit zunehmender Komplexität eines Produktes. Wichtig ist es daher zu entscheiden, ob bei einem erhöhten nachträglichen Aufwand, die eingespielten Daten der KI zu überprüfen, tatsächlich noch einen zeitlichen Mehrwert durch diese Art der Produkt-Digitalisierung gibt. Zusätzliche Lösungen wie ein virtueller Showroom oder eine virtuelle Werkstatt könnten wiederum unterstützen, komplexe Produkte im Webshop verständlich zu präsentieren. In der genauen Umsetzung ist Kreativität gefragt.

Barrierefreie Webshops bald ein Muss

Tobias Roppelt, Geschäftsführer von Gehirngerecht Digital sprach auf dem Shopware Community Day über das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Ab Mitte 2025 verpflichtet das europäische Gesetz jeglichen digitalen Geschäftsverkehr dazu, barrierefrei zu werden. Die Marktüberwachungsbehörde kann bei Verstößen hohe Geldstrafen von bis zu 100.000 Euro verhängen oder auch Sperren für Fördergelder beschließen. Der Beschluss stellt auch Betreiber von Onlineshops vor weitreichende Umstrukturierungen ihrer Oberflächen.

Die neue Gesetzeslage gilt bisher nur für den B2C Bereich, dennoch lohnt es sich auch im B2B, „vor die Welle“ zu kommen und die eigene Handelsplattformen schon heute auf Barrierefreiheit zu prüfen.

Barrierefreiheit im Web

Barrierefreiheit im Web ist ein eher unbekanntes Thema, welches für eine saubere Umsetzung aber beachtliche Ressourcen benötigt: Von bereits bestehenden Elementen wie dem Webdesign über den HTML-Code bis hin zum Testing gilt es, den gesamten Prozess zu überdenken, um ein vollständig barrierefreies Einkaufen zu ermöglichen. Auch Projektplanungen müssen evaluiert werden, damit es nicht im Nachhinein zur unüberwindbaren Hürde wird, neue Features und Produkte barrierefrei im Onlineshop einzubinden.

Denn Entwicklungsfehler könnten teuer zu beheben sein, weshalb ganzheitlich geplant werden muss. Etwa zwei Drittel der Probleme können mit dem Design bereits gefixt werden, darunter fallen das Logo, die Seitennavigation oder auch Bildplatzierungen. Eingebundene Animationen dürfen beispielsweise nicht mehr endlos laufen, sondern müssen pausierbar sein und Buttons, die einen Call to Action beinhalten, verraten in einer barrierefreien Version bereits, was sich hinter dem Button verbirgt – also statt „Klick hier“ stünde zumindest zusätzlich: „Hier geht es zur Produktseite“.

Das internationale Publikum des Shopware Community Day 2024 umfasste über 1.500 Gäste.(Bild:  Svenja Ulm)
Das internationale Publikum des Shopware Community Day 2024 umfasste über 1.500 Gäste.
(Bild: Svenja Ulm)

Für das B2B ist es also eine große Chance, sich bereits heute und ohne Zwang des Gesetzgebers mit barrierefreien Websites zu beschäftigen. Schon der Image-Boost, sich als Unternehmen dafür einzusetzen, dass ausnahmslos alle Menschen barrierefreien Zugriff auf die eigenen Inhalte bekommen, könnte sich auf dem Arbeitsmarkt positiv auswirken und neue Talente generieren. Gleichzeitig ist Barrierefreiheit heutzutage noch ein echter USP. Konsequent umgesetzt wirkt sich dies auch auf die SEO-Performance einer Website positiv aus und kann zudem mit einem größeren potenziellen Kundenpool langfristig das Geschäft beflügeln. Schlussendlich benötigt eine saubere Umstellung des kompletten Webangebots viele (zeitliche) Ressourcen. Wer sich also ohne eine drohende behördliche Deadline im Nacken mit diesem komplexen Thema auseinandersetzen kann, gewinnt an Flexibilität.

Shopware fokussiert B2B

Shopware investiert aktuell viel, um Kunden einen möglichst integrierten „B2B Werkzeugkasten“ zur Verfügung zu stellen. Dies begründet sich aus dem enormen Wachstumspotenzial im B2B Bereich. Für neue Lösungen und Services orientiert sich das Unternehmen vermehrt an neuen technischen Möglichkeiten, die sich im B2C Bereich bereits bewähren. Besonders das Erlebnis soll durch KI und AI gesteigert werden. Dabei geht es in neuen Softwarelösungen vor allem darum, Anwendungsprogrammierschnittstellen zu nutzen und somit Geschäftsprozesse der B2B Kunden zu optimieren.

Schlussendlich lassen sich viele der „technischen Spielereien“ aus dem B2C E-Commerce in die B2B Welt übersetzen. Nicht außer Acht bleiben darf aber, dass B2B im Tagesgeschäft häufig mit komplexeren Produkten sowie fachlich versierten Kunden handelt, was die KI-Lösungen von heute noch allzu schnell an ihre Grenzen bringen kann.

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