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Innovationsmanagement Mit Innovation gegen die Krise – aber ohne Motivationsgeschwafel

| Autor / Redakteur: Marten Lucas* / Lena Müller

Gehen Sie in Gedanken doch mal kurz Ihren LinkedIn-Feed durch und erinnern Sie sich, wie viele Posts Ihnen erklärt haben, dass die Krise eine Chance ist. Man müsse jetzt nur optimistisch sein, unternehmerisch handeln, neue Wege gehen... Sie wissen, welche Redewendungen hier folgen könnten.

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Die Aufgaben des Innovationsmanagements sind jetzt im gefühlten Chaos noch die gleichen wie sie vorher in der gefühlten Ordnung waren. Aber: Aufgrund des viel kleineren Erfolgsraums müssen diese Aufgaben in einer viel größeren Qualität und Geschwindigkeit geleistet werden. Mehr Durchsatz bei weniger Einsatz.
Die Aufgaben des Innovationsmanagements sind jetzt im gefühlten Chaos noch die gleichen wie sie vorher in der gefühlten Ordnung waren. Aber: Aufgrund des viel kleineren Erfolgsraums müssen diese Aufgaben in einer viel größeren Qualität und Geschwindigkeit geleistet werden. Mehr Durchsatz bei weniger Einsatz.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Aber während Sie noch grübeln, fällt Ihnen vielleicht wieder ein, dass Ihre Budgets gekürzt oder eingefroren sind, Aufträge sind in Gefahr oder wurden storniert. Ich spreche es mal stellvertretend für Sie aus: Krise ist sch#%$e! Und das leere Gerede von Optimismus hilft da nicht, wenn es keinen Plan und Orientierung dazu gibt. Das hat schon mal gut getan... und jetzt?

Falls Sie jetzt nicht (mehr) wissen wovon ich spreche: Wir hatten 2020 da so eine Pandemie, die unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben ziemlich zerrüttet hat.

Die Krise als Brennglas hat zwei Seiten

Sprichwörter sind ja ein zweigleisiges Pferd, aber häufig hört man das Sprachbild von der Krise als Brennglas. Was bedeutet das eigentlich?

Die Krise als Brennglas hat zwei Seiten.
Die Krise als Brennglas hat zwei Seiten.
(Bild: ByteConsult GmbH)

Wenn die Krise tatsächlich wie ein Brennglas oder eine Lupe ist, dann gibt es zwei Seiten. Zum einen sorgt sie dafür, dass der Strahl konzentriert ist. Vorher hat es noch eine große Fläche, die beschienen wurde, aber mit der Lupe gibt es nur noch einen kleinen Kreis oder sogar nur einen Punkt. Wer aber von der anderen Seite in die Lupe schaut, sieht auf einmal wie durch ein Fischauge viel mehr und wahrscheinlich unscharf – das kann verwirren.

Wenn der Erfolgsraum gleichzeitig sehr klein wird und die Informationen, die zur Verfügung stehen, sich vervielfältigen, dann wirkt das wie Chaos. Um das Chaos zu ordnen hilft es sich auf die Grundsätzlichkeit zu besinnen.

Die Aufgaben des Innovationsmanagements sind jetzt im gefühlten Chaos noch die gleichen wie sie vorher in der gefühlten Ordnung waren. Aber: Aufgrund des viel kleineren Erfolgsraums müssen diese Aufgaben in einer viel größeren Qualität und Geschwindigkeit geleistet werden. Mehr Durchsatz bei weniger Einsatz.

Das ist schwer und wird nicht mit Appellen geleistet sondern mit Strategie und einem klaren Ansatz. Hier mein Vorschlag:

3-Schritte-Plan für Innovationsmanagement in Krisenzeiten

3-Schritte-Plan für Innovationsmanagement in Krisenzeiten.
3-Schritte-Plan für Innovationsmanagement in Krisenzeiten.
(Bild: ByteConsult GmbH)

Ja, auch Innovationsmanager müssen in der Krise etwas ändern. Aber nicht zurückfahren, sondern das Wunder schaffen mehr Innovationsleistung abzuliefern mit weniger Kapazität abzuliefern. Wie kann das klappen?

  • 1. Fokus: Innovationsprojekte neu bewerten und in Reihenfolge bringen
  • 2. Testen: Fokussierte Innovationsideen in der neuen Welt bestätigen
  • 3. ASAP zum Kunden: Getestete Innovationsideen abschließen und gebührend vermarkten

Fokus: Innovationsprojekte neu bewerten und in Reihenfolge bringen

Klar in der Krise werden die Ressourcen beschnitten – entweder Finanzen oder Kapazität. Es werden nicht einfach alle Projekte einfach so weiterlaufen (können). Das ist die Gelegenheit aufzuräumen und das Hafenmeister-Prinzip (siehe Exkurs) anzuwenden. Welche Projekte sind denn JETZT die wichtigsten und warum? Damit die Diskussion darüber auf einer soliden Grundlage abläuft, stellt sich schnell die grundsätzliche Frage, wie Projekte in Ihrem Innovationsmanagement eigentlich bewertet werden. Gibt es Business Cases, die das für Sie richtige Maß an Verlässlichkeit und Unsicherheit zulassen? Sind die Projekte strukturell gut aufgestellt? Gibt es klare Ziele, Teams und Aufgaben? Schauen Sie sich also Ihr Projektportfolio genau an und bringen Sie es in Reihenfolge. Isolieren sie eine kleine Anzahl von Projekten, die jetzt die Wichtigsten sind. Das sind Projekte, die wahrscheinlich den größten Erfolgsbeitrag bringen und für die alle Voraussetzungen erfüllt sind, fokussiert abgeschlossen zu werden. In den meisten Fällen sollte diese kleine Anzahl sogar einstellig sein, um die Power des Hafen-Meister-Prinzips richtig zu nutzen. Der Umkehrschluss gilt jetzt natürlich auch: Alle Projekte, die jetzt nicht fokussiert werden, ruhen. Die Kapazität und Kraft kann ausschließlich in die fokussierten Projekte laufen.

Testen: Fokussierte Innovationsideen in der neuen Welt bestätigen

Ok: Jetzt haben Sie wenige, aber dafür fokussierte Projekte. Was ist denn das Innovative an diesen Ideen – „nur“ bessere Produktleistung oder auch neue Services, ein neues Ökosystem, Netzwerke oder sogar Geschäftsmodelle. Zur Beschreibung und Klärung der Innovation helfen die 10 Arten der Innovation.

Gleich in welcher Art sich die Innovation abspielt, ob es einen Product-Market-Fit gibt oder auch nicht kann sich durch die Veränderungen der Krise stark verändert haben. Was vorher noch eine tolle Idee war, ist jetzt vielleicht eher befremdlich für Kunden. Deshalb müssen Sie so schnell wie möglich neu austesten. Natürlich nicht indem Sie erst das Projekt abschließen und dann die Ergebnisse dem Kunden präsentieren. Nein, dafür gibt es günstigere Möglichkeiten: Pretotyping. Kreatives austesten ob Product, Service und Botschaft im Markt ankommt bevor Sie in Stahl und Eisen gehen. Starten Sie also erst ein Kundenexperiment und entwickeln Sie dann zu Ende.

ASAP zum Kunden: Getestete Innovationsideen abschließen und gebührend vermarkten

Jetzt ist klar, was das Wichtigste ist und dass es auch funktioniert. Also mit aller Kraft fertig werden und zum Kunden. Es schlägt die Stunde des Projektmanagements und Marketings – gerne auch agil, wenn es hilft. Überwachen Sie den Fortschritt zum Beispiel mit Burndown-Kurven und sorgen Sie für maximale Unterstützung. Erarbeiten Sie sich diese Unterstützung durch gezielte strategische Kommunikation. Denken Sie dran: Die gerade laufenden Projekte sind das Wichtigste was das gesamte Unternehmen für die Zukunft macht.

Das Abschließen des Projektes bedeutet aber nicht nur das Produkt oder innovative Ding abzuschließen, dass Sie bei Schritt 2 getestet haben. Wie kommt die Innovation beim Kunden an? In welche Choreografie ist es eingebettet? Kurz: Welche Customer Experience möchten Sie um die Innovation gestalten, damit Kunden begeistert sein werden. Als kleiner Tipp: Da geht mehr als ein Brief oder eine kurze Nennung im Newsletter. Nutzen Sie Authentisches Marketing, um auf ganz neue Ideen zu kommen.

Auf geht's, los geht's, weiter geht's!

Mit diesem Vorgehen schaffen Sie es, die Projekte schnell abzuschließen, die Ihr Markt jetzt braucht. Warum sollten Sie sich damit auf Krisenzeiten beschränken? Gewinnen Sie ein neues Level und machen Sie es zur neuen Normalität.

Hinter den einzelnen Schritten stehen verschiedene Ideen, Modelle und Methoden, die wir gern gemeinsam genauer beleuchten können. Klar ist aber: Jetzt ist die Zeit für Macher!

Mhhh, das klang jetzt doch nach Motivationsansprache, aber anders als nach den Tschaka-Rufern haben Sie jetzt auch einen möglichen Plan und können wirklich gestalten. Ich freue mich auf Ihre Erfolge oder Kommentare.

Exkurs: Das Hafenmeister-Prinzip

Später anfangen, um früher fertig zu werden.

Eine kleine Geschichte: Ein Hafenmeister hat 3 Dockarbeiter und jeder braucht zum Entladen eines Schiffs 3 Tage. Irgendwann kommen 3 Schiffe in den Hafen. Alle 3 Kapitäne sind alte Seebären mit denen es man sich nicht verscherzen möchte und jeder muss natürlich als erster entladen werden. Also aus handelt der Hafenmeister fair – jeder Arbeiter auf ein Schiff. Nach 3 Tages fahren alle Schiffe ab. Der Hafenmeister hatte seine Ruhe. Doch dann ruft der Reeder an, dem alle 3 Schiffe gehören: „Warum verbrennst du so viel Geld – 9 Tage Liegezeit!!!“.

Lieber alle drei Arbeiter auf irgendein Schiff. Abfahrt nach einem Tag. Danach irgendein nächstes nach 2 Tagen und dann das letzte nach 3 Tagen. Insgesamt 6 Tage Liegezeit. Auch fair, denn der letzte war nur 3 Tage im Hafen so wie vorher alle Schiffe.

Schaffen Sie es, viele Projekte nacheinander abzuschließen? Oder fangen Sie viele Projekte parallel an, weil die grimmigen Kapitäne sonst sauer werden und riskieren dafür, dass der Durchsatz sinkt?

Das Hafenmeister-Prinzip
Das Hafenmeister-Prinzip
(Bild: ByteConsult GmbH)

*Marten Lucas ist Consultant – Marketing Strategies & Customer Relationship bei der ByteConsult GmbH.

**Dieser Beitrag wurde zuerst in LinkedIn publiziert.

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