Expertenbeitrag

 Lena Ulsenheimer

Lena Ulsenheimer

Produkt- und Content Managerin bei marconomy, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG

Rückblick und Learnings #LMS20

Wie die Jogginghose Marketing und Vertrieb beim Lead Management Summit 2020 zusammenbrachte

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Digitalisierung und der Datenschutz

In den beiden Tagen des Lead Management Summit 2020 wurde viel über die Zusammenarbeit von Marketing und Vertrieb sowie die Customer Journey, deren Touchpoints und die Kundenzentrierung gesprochen. Doch wie hat sich die ganze Welt der Digitalisierung eigentlich in den letzten Jahren geändert und besonders spannend: Was kommt noch auf uns zu?

25 Jahre Digitalisierung

In seiner Abschlusskeynote nahm Olaf Mörk, Experte für Digitalisierung und Markenführung, die Teilnehmer mit auf seine persönliche Reise durch 25 Jahre Digitalisierung. Eines ist laut Mörk klar: „Wer heute noch denkt, er kann der Digitalisierung entkommen, liegt falsch. Das wäre als würde man seinen Radio ausmachen und denken, er sendet dann nicht mehr.“

Während seines Vortrags ging der Digital-Experte auf verschiedene digitale Trends ein. So startete Olaf Mörk im Jahr 1995 mit dem Beginn der Sprachanalyse, die es bereits früher über das Telefon gab. Hauptsächlich wurde die Technologie von FBI & Co. zur Aufklärung von Verbrechen eingesetzt. Heute, im Jahr 2020, ist die Sprachsteuerung endlich im Marketing angekommen.

Neben der Sprachtechnologie an sich, ist auch Künstliche Intelligenz (KI) hinsichtlich des Marketings ein Thema, welches wir laut Mörk nicht unterschätzen sollten. Ebenso haben Bots eine zentrale Bedeutung. Laut Mörk seien mittlerweile 48 Millionen Bots auf Twitter unterwegs, das mache fast 15 Prozent aus. Die Kundenidentifikation über Cookies und Co. werde sich seiner Meinung nach mit der Blockchain auflösen und auch Display-Ads werden früher oder später, laut Olaf Mörk, von relevantem Content ersetzt. Ein weiterer wichtiger Punkt mit Blick in die Zukunft sind für ihn Avatare. Kommt es so weit, dass es neben B2C und B2B auch bald B2A (Avatar) geben wird? Falls ja müsse, laut Mörk, das Bindeglied dazwischen KI sein.

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

Der Vortragende ist sich sicher, dass sich Marketing und Vertrieb mitten in einem großen Wandel befinden. Technologien wachsen heutzutage immer schneller, Unternehmen dagegen wachsen logarithmisch. Dadurch entstehen Wissenslücken, die es zu füllen gilt. Für Mörk ist es klar, dass Unternehmen versuchen müssen mitzuhalten, sonst haben sie verloren.

Doch was muss man beachten, dass einem bei der Digitalisierung nicht das Licht ausgeht? Laut dem Digital-Experten sei es wichtig, nicht einfach jede Technologie einzusetzen, sondern den Nutzen für die Zielgruppe zu beachten. Erst solle der Nutzen entdeckt und dann die Technologie dazu eingesetzt werden. Außerdem sei es extrem wichtig, den richtigen Zeitpunkt in der Digitalisierung zu erwischen: „Wer zu früh dran ist, ist uninteressant, wer zu spät kommt, hat verloren“, ist sich Mörk sicher.

Das Thema Digitalisierung bleibt weiterhin spannend. Olaf ist sich sicher: „Das Marketing wird sich in den nächsten fünf Jahren stärker wandeln als in den letzten 25 Jahren.“

Was sagt eigentlich die Gesetzeslage – ganz speziell die EU-DSGVO – zum ganzen Thema Digitalisierung?

Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt bei der Stuttgarter Kanzlei Menold Bezler, klärte die Teilnehmer des Lead Management Summits 2020 auf, was es in Bezug auf Cookies, Opt-in und Co. zu beachten gibt. Denn was nützt einem das ganze Wissen über Digitalisierung und neue Technologien, wenn man sich mit der rechtlichen Situation nicht auskennt?

„Die Schonzeit bei der DSGVO ist vorbei“, plädiert der Rechtsanwalt, dennoch seien Bußgelder weiterhin sehr überschaubar und aktuellen Strafen zufolge müsse man als kleines- und mittelständisches Unternehmen keine Angst vor immens hohen Strafen haben. Wenn man die DSGVO im Lead Management Prozess beachten möchte, müsse man sich allgemein an vier Punkte als Grundsatz halten:

  • 1. Die DSGVO greift nur dann, wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden (das wird im Art. 4 Nr. 1 DSGVO erklärt)
  • 2. Wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden, greift das sogenannte Verbotsprinzip. Denn eigentlich ist verboten, diese Daten zu verarbeiten. Es ist nur erlaubt,
  • 3. wenn ein Erlaubnistatbestand vorliegt. Das heißt: Wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden, braucht es einen berechtigten Grund. All diese Gründe werden in einem Artikel der DSGVO geregelt.
  • 4. Es herrscht Informationspflicht: Kontakte müssen darüber informiert werden, was mit ihren Daten geschieht.

Im Anschluss seines Vortrags stieg Ulbricht in einen Punkt tiefer ein, der spätestens mit der ePrivacy-Verordnung hoch relevant für Marketer wird: Cookies. Laut dem Rechtsanwalt seien Cookies besonders relevant, die Tracking (Webanalyse, zum Beispiel Google Analytics) oder Targeting (beobachten Nutzungsverhalten, um besser Werbung auszuspielen, beispielsweise Retargeting) durchführen.

Was geht rechtlich?

Ob das Setzen von Cookies der DSGVO unterliegt, kann anhand der oben vorgestellten Schritte geklärt werden. Für viele Unternehmen sind Tracking und Targeting essenziell für das Geschäftsmodell. Anhand verschiedener Beispiele zeigte Ulbricht die unterschiedlichen Umsetzungen von Cookie-Abfragen auf. Wichtig dabei ist es, kein Opt-out-Verfahren zu wählen. Nutzer müssen den Cookies eigenständig per Opt-in zustimmen. Einige Verlage gehen laut Ulbricht mittlerweile bereits soweit, ohne Cookie-Zustimmung keine Inhalte auf der Webseite zu zeigen. Andere Unternehmen dagegen geben eine Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten für den User vor. Sein Tipp: Auch das Design der Cookie-Abfrage könne den User zum Opt-in verleiten. So sei ein Button in Signalfarbe mit Aufschrift „Alle Cookies akzeptieren“, ein leichteres Klickziel als der einfarbige Button daneben, mit dem einzelne Cookies ausgewählt werden können.

Am Ende seines Vortrags berichtete Ulbrich, dass die ePrivacy-Verordnung noch einmal nach hinten verschoben wurde. Bisher wisse man aber noch nicht, wann diese letztlich in Kraft tritt. Grundsätzlich appellierte Ulbricht an alle Teilnehmer: „Die Schaffung von sicheren und ‚zukunftsgerichteten‘ Datenbeständen ist schon jetzt elementar!“

Lead Management Summit 2020

Ein zentrales Learning hatten alle Vorträge des Lead Management Summit 2020 gemeinsam: B2B-Marketer müssen ihren Blick auf die Zielgruppe richten! Sei es in der internen Zusammenarbeit, beim Kreieren von Kampagnen, an verschiedenen Touchpoints entlang der Customer Journey oder in Sachen Digitalisierung. Das Denken in Silos und die Zeit des „allwissenden Vertrieblers oder Marketers“ sind vorbei! B2B-Unternehmen müssen in ihrer Zielgruppe denken, realitätsnahe Customer Journeys schaffen und dem potenziellen Kunden das bieten, was er gerade braucht – und zwar an allen Touchpoints, digital und live! Die Live-Webinare des Lead Management Summits 2020 haben gezeigt, dass die Zusammenarbeit von Marketing und Vertrieb in Zukunft Hand in Hand gehen muss. In jedem Fall hatten an diesen Tagen Marketers und Vertriebler eines gemeinsam: Die Jogginghose.

Save the Date: Workshop- und Barcamp-Tag am 19. Juni

Nach dem Kongress ist vor dem Kongress – dieses Motto passt zum Lead Management Summit 2020 wohl besser denn je. Denn der Kongress ist noch nicht vorbei! Am 19. Juni findet der Workshop- und Barcamp-Tag des Lead Management Summits 2020 in Würzburg statt. Interessierte können sich ab sofort dafür anmelden. Hier geht’s zur Anmeldung.

Ein großer Dank gilt schon jetzt allen Partnern, Sponsoren und Ausstellern des marconomy Lead Management Summit 2020, die den Kongress mit Fachwissen, Tools und Input bereichern!

Sponsoren und Aussteller:

B2B Smart Data, Evalanche, Fanomena Leads, leadon, Leadvolution, Pinktree Communications, ray.seven, Cobra CRM, Data M Services, M23YOGAWEAR

Medienpartner:

BigData-Insider, CloudComputing-Insider, Content-Marketing.com, DMVÖ, IT-Business, Marketing Börse

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