Innovationsmanagement

Radarkontrolle – alle unternehmensrelevanten Trends im Blick

| Autor / Redakteur: Johannes Ott / Lena Höhn

Die Welt verändert sich – Unternehmen müssen es auch tun und relevante Trends im Blick haben.
Die Welt verändert sich – Unternehmen müssen es auch tun und relevante Trends im Blick haben. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Zukunft bedeutet Wandel. Für Unternehmen folgt daraus, relevante Trends rechtzeitig zu erkennen und das eigene Handeln daran auszurichten. Die Frage ist nur: Welche Trends sind für wen maßgebend? Ein bewährtes Mittel, unternehmensbezogenes Trendwatching zu betreiben, ist der Trendradar.

„Diesen Trend dürfen Sie nicht verpassen!“ Schlagzeilen wie diese sollen aufrütteln. Und sie verfehlen selten ihre Wirkung. Deshalb greifen Medien im Ringen um Aufmerksamkeit gern auf diesen Klassiker zurück. Gleich, ob es um E-Commerce, Technologie, Social-Media-Marketing oder Frauen in Führungspositionen geht – das Wörtchen „Trend“ macht hellhörig. Erst recht, wenn ihm noch zwei Silben vorangestellt sind: „Me-ga“. Dabei beschreibt „Trend“ lediglich eine Entwicklung oder Veränderung, die auch sehr kurzlebig sein kann – zum Beispiel bei Mode oder Produkten. Einen Trend zu verpassen, der schon nach kurzer Zeit wieder out ist, muss sich nicht zwangsläufig als Nachteil erweisen.

Ein Trend, bei dem jeder mitmachen muss?

Megatrends dagegen sind bahnbrechend, weil sie globale Veränderungen definieren, die sich bereits auf alle Lebensbereiche auswirken – und das mit einer Halbwertszeit von rund 30 Jahren. Einen Megatrend im eigentlichen Sinne kann man nicht verpassen, weil er mit seinen Subtrends zu vielschichtig ist. Sehr wohl lassen sich aber Subtrends verschlafen, die konkrete Ausprägungen eines Megatrends definieren. Der Megatrend „Konnektivität“ beschreibt beispielsweise die neue Organisation der Menschheit in Netzwerken. Er verändert das soziale Miteinander der Menschen, deren Leben zunehmend durch moderne Kommunikationstechnologie dominiert wird. In seinen Verästelungen beeinflusst Konnektivität fast alle Bereiche der Gesellschaft und Faktoren, die der Art und Weise des Zusammenlebens ihren Stempel aufdrücken – angefangen bei der Arbeit über Technologie wie Augmented Reality bis hin zu Big Data oder der Verschmelzung von On- und Offline-Welt – um nur einige Beispiele zu nennen.

Welche dieser Aspekte genießen für unternehmerische Dispositionen Priorität? Die Antwort dürfte von Unternehmen zu Unternehmen bzw. von Branche zu Branche unterschiedlich ausfallen und durch diverse weitere Faktoren beeinflusst werden. Noch komplexer macht die Situation die Tatsache, dass mehrere Megatrends auf den Wandel der globalen Gesellschaft einwirken. Das Zukunftsinstitut hat zwölf davon ausgemacht. Nimmt man deren Subtrends hinzu oder Produkt- und Modetrends, wird schnell klar: Das menschliche Grundbedürfnis nach Orientierung gerät schlicht an seine Grenzen. Langfristige und zukunftsweisende Entscheidungen sind vor diesem Hintergrund nur schwer zu treffen und müssen von Zeit zu Zeit justiert werden.

Nur so geht’s: Trendwatching moderner Prägung

Unternehmen können daher lediglich um Orientierung bemüht sein, um auf dieser Basis fundiert zu planen. Falsch wäre es, jedem neu ausgerufenen Trend unreflektiert zu folgen. Denn Aktionismus zahlt sich selten aus, weil er blind macht für wesentliche, langfristige Strömungen oder den Blick verstellt auf naheliegende Potenziale, die lediglich anvisiert werden müssen. Der Weg kann nur darin liegen, Trends und Einflussfaktoren für das eigene Business zu bestimmen, deren Entwicklung zu beobachten und daraus Handlungen abzuleiten. Für ein Trendwatching in diesem Sinne hat sich der Trendradar bewährt – ein Tool, das Sie für die verschiedensten Bereiche verwenden können, zum Beispiel Unternehmensführung, Marketing, CRM oder Marketing Automation. Etablieren Sie einen auf Ihre Branche und Bedürfnisse angepassten Trendradar oder bei Bedarf auch mehrere Tools, um sich im Wettbewerb zu behaupten oder Vorteile zu verschaffen! Hört sich kompliziert an – ist es aber nicht.

In drei Schritten zum Trendradar:

  • 1. Relevante Trends/Einflussfaktoren festlegen: Definieren Sie Trends und Faktoren, die auf Ihr Business bzw. Ihre Branche einwirken. Denken Sie nicht ausschließlich in klassischen Mustern, blicken Sie auch über den Tellerrand.
  • 2. Quellen definieren: Im Internet finden sich zahlreiche Trendscouts und Trendforscher, die über Trends Auskunft geben. Als eine der seriösen Einstiegsseiten bietet sich die englischsprachige Website Trendwatching.com an.
  • 3. Trendradar pflegen und Prozesse definieren: Nur ein aktueller Trendradar erfüllt auch seinen Zweck. Etablieren Sie Prozesse zur Aktualisierung und bewerten Sie die Relevanz einzelner Trends für Ihr Unternehmen.

Beispiel für einen Trendradar zur Beobachtung von Entwicklungen im Bereich CRM. Die Idee und das Schema des Radars sind auf viele Bereiche und Branchen übertragbar.
Beispiel für einen Trendradar zur Beobachtung von Entwicklungen im Bereich CRM. Die Idee und das Schema des Radars sind auf viele Bereiche und Branchen übertragbar. (Bild: ByteConsult)

Verzerrte Zukunftsbilder

Einen Trendradar oder mehrere Trendradare im Unternehmen zu installieren, ist eine Grundvoraussetzung für ein verantwortliches Innovationsmanagement. Allein damit ist es jedoch noch nicht getan, weil die individuelle Vorstellung von der Zukunft unser Handeln im Hier und Jetzt prägt. Dieser Umstand kann sich auf die Objektivität bei der Pflege des Trendradars bzw. auf die Trendanalyse auswirken. Mitarbeiter übernehmen beispielsweise über kurz oder lang in Firmen vorherrschende Denkmuster und handeln danach – oft ohne sich darüber im Klaren zu sein. Psychologen nennen dieses Verhalten „Priming“.

Die Take-aways des Artikels für Sie zusammengefasst.
Die Take-aways des Artikels für Sie zusammengefasst. (Bild: ByteConsult)

Daniel Kahnemann beschreibt das Phänomen des Primings in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ so: „Wir müssen uns mit der befremdlichen Vorstellung abfinden, dass unsere Emotionen durch Ereignisse geprimt werden können, derer wir uns nicht einmal bewusst sind.“ Führen Sie sich die daraus resultierenden Filtereffekte vor Augen, wenn Sie mit dem Trendradar arbeiten – treffen Sie Vorkehrungen. Hilfreich kann unter anderem die Installation interdisziplinärer Teams sein, in denen Themen erörtert und diskutiert werden. Auf diese Weise erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, nur die wirklich relevanten Trends permanent im Blick zu haben.

Johannes Ott ist Trainee in der Unit Customer Experience Performance bei ByteConsult.
Johannes Ott ist Trainee in der Unit Customer Experience Performance bei ByteConsult. (Bild: Andre Pöhlmann)

Über den Autor

Johannes Ott studierte Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Seine Kompetenzfelder liegen in der psychologischen Betrachtung der Customer Journey und deren Entscheidungsprozessen. Er ist Trainee in der Unit Customer Experience Performance bei ByteConsult.

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